Kinder wachsen in einer Welt auf, die von globalen Verflechtungen geprägt ist. Dabei begegnen ihnen Krisen und Herausforderungen bereits zunehmend über Medien, Gespräche im familiären Umfeld oder eigene Beobachtungen: Extremwetter, Kriege, Umweltzerstörung oder soziale Ungleichheit sind längst Teil ihrer Lebenswirklichkeit. Die Grundschule spielt eine zentrale Rolle dabei, wie Kinder diese Eindrücke einordnen und verarbeiten. Hier entwickeln sie grundlegende Vorstellungen von Gerechtigkeit, Verantwortung und Zusammenleben. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zielt darauf ab, Kinder zu befähigen, Zusammenhänge zu erkennen, Perspektiven zu wechseln und ihr eigenes Handeln im Kontext einer global vernetzten Welt zu reflektieren. Internationale Orientierungsrahmen wie die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) bieten hierfür eine inhaltliche Struktur. Sie beschreiben globale Herausforderungen und machen zugleich deutlich, dass nachhaltige Entwicklung eine gemeinsame Aufgabe aller Menschen ist. Doch wie können Lehrkräfte diese Themen aufgreifen und altersgerecht vermitteln ohne dass die Aufbereitung als solche einen erschöpfenden Mehraufwand darstellt?
Hürden bei der Vermittlung globaler Nachhaltigkeitsthemen Trotz der hohen gesellschaftlichen Relevanz globaler Nachhaltigkeitsthemen ist ihre Integration in den schulischen Alltag häufig schwierig. Eine zentrale Hürde liegt in der curricularen Verankerung. Eine im Erasmus+ Projekt „Digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung in Europa“ 2024 durchgeführte Analyse ausgewählter deutscher Grundschullehrpläne verdeutlicht, dass BNE und die SDGs in den untersuchten Lehrplänen nicht explizit benannt werden. Nachhaltigkeit erscheint meist nur indirekt, etwa als Leitidee, Querschnittsthema oder allgemeines Bildungsziel, ohne klare Vorgaben zur Umsetzung oder zeitlichen Verankerung. Für Lehrkräfte erzeugt dies Unsicherheiten. Zwar eröffnen kompetenzorientierte Lehrpläne grundsätzlich pädagogische Spielräume. Gleichzeitig bleibt die Integration in den Fachunterricht aber abhängig von der Bereitschaft der Lehrkraft und den verfügbaren Kapazitäten im Rahmen des bereits hohen Arbeits- und Zeitdrucks im Grundschulalltag. Zwischen Leistungsbewertung, individueller Förderung, Sprachbildung, Inklusion und Digitalisierung findet sich daher wenig Raum dafür, Lernhinhalte in den Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu setzen. Nachhaltigkeitsthemen werden somit nicht selten als „Zusatz“ und Mehraufwand zusätzlich zum regulären Unterricht empfunden. Ein weiterer erschwerender Faktor ist die Komplexität globaler Fragestellungen. Ohne geeignete didaktische Aufbereitung besteht die Sorge, Kinder zu überfordern oder Themen wiederum zu stark zu vereinfachen.
SDGs als inhaltlicher Rahmen Lehrpläne in der Grundschule sind kompetenzorientiert formuliert und lassen damit offen, anhand welcher Inhalte diese Kompetenzen entwickelt werden. Das eröffnet Lehrkräften die Möglichkeit, globale Perspektiven in den Unterricht einzubinden, ohne den Lehrplan zu verlassen. Die SDGs bieten dafür einen gut geeigneten Rahmen. Sie behandeln ökologische, soziale und ökonomische Themen, die sich an viele bestehende Unterrichtsinhalte anschließen lassen. So können vertraute Themen aus dem Alltag der Schüler*innen mit einer globalen Perspektive verbunden werden. Ein Thema wie Wasser etwa lässt sich im Sachunterricht naturwissenschaftlich behandeln, in verschiedenen sprachlichen Fächern aufgreifen und im Ethik- oder Religionsunterricht mit Fragen der Gerechtigkeit verbinden. Der Bezug zu einem globalen Nachhaltigkeitsziel macht dabei deutlich, dass lokale Erfahrungen Teil größerer Zusammenhänge sind.
Sofort einsatzbereite Bildungsmaterialien Die neue, digitale Lernplattform „Digital-ESD“ soll Lehrkräfte ermutigen und dabei unterstützen, ihren Unterricht verstärkt auf eine ganzheitliche und transformative BNE auszurichten. Denn wenn Lehrkräfte gut aufbereitete, praxisnahe Unterrichtsmaterialien zu den SDGs erhalten – ergänzt durch klare Anleitungen und Empfehlungen – können sie globale Zusammenhänge und Nachhaltigkeitsthemen besser in ihren Unterricht einbringen. Die zentralen Elemente der Lernplattform sind sogenannte Boardstories (interaktive, als Lernvideo animierte Geschichten), die das audiovisuelle Lernen fördern. Somit können sich Schüler*innen aktiv mit den Themen der jeweiligen SDGs auseinandersetzen und digitales Lernen auf unterschiedliche Weise erleben. Gerade weil die Boardstories in eine Unterrichtsstunde und die jeweiligen BNE-Inhalte einführen sollen, senkt dies die Hürden für Lehrkräfte, sich für ein Thema mit Nachhaltigkeitsbezug zu entscheiden, und reduziert ihren Zeitaufwand für die Themenvorbereitung. Auf diese Weise können sich die Schüler*innen bereits in der Grundschule globaler Zusammenhänge bewusstwerden und eine positive Vorstellung von einer gerechten und lebenswerten Zukunft für alle entwickeln. Mehr Informationen dazu im folgende Blickpunkt.
Autorin und Kontakt: Cindy Prager Unabhängiges Institut für Umweltfragen (UfU) e.V. E-Mail: cindy.pragerufude