Lernplattform „Digital-ESD“ erleichtert Grundschullehrkräften die Umsetzung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung

Themen zu globalen Herausforderungen und deren lokaler Relevanz sowie zu einem friedvollen und gerechten globalen Zusammenleben kindgerecht aufzubereiten, erfordert Kapazitäten. Diese sind im schulischen Alltag oft nicht vorhanden, solange Lehrkräftemangel und begrenzte zeitliche Ressourcen die Arbeit von Lehrkräften prägen. Die europäische Lernplattform „Digital-ESD“ unterstützt hier mittels sofort einsatzbereiter Lehr- und Lernmaterialien, sodass anhand von Lernvideos die vielfältigen Themen der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) in den Grundschulunterricht integriert werden können.

In der Zusammenarbeit zwischen Partnerorganisationen aus Deutschland, Ungarn, Zypern, Norwegen und der Ukraine wurde im Projekt „Digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Europa“ eine interaktive Lernplattform geschaffen, um Lehrkräfte mit den Werkzeugen und dem Selbstvertrauen auszustatten, BNE (stärker) in ihre Klassenzimmer zu bringen. Mithilfe der Plattform sollen Schüler*innen lernen, globalen Herausforderungen kritisch zu begegnen und aktiv Veränderungen voranzutreiben. Wichtig ist dabei, dass die SDGs nicht im Abstrakten bleiben, sondern für die Kinder als Teil ihres Alltags begreifbar werden. Die Plattform ist unter digital-esd.eu kostenlos abrufbar und in derzeit fünf Sprachen (Deutsch, Englisch, Griechisch, Norwegisch und Ungarisch) verfügbar. Gefördert wird das Projekt durch Erasmus+ und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Aufbau und Inhalte der Lernplattform
Auf der Plattform gibt es 19 unterschiedliche Lernwelten, die sich an den 17 SDGs orientieren, wobei jeweils Bezüge zu anderen SDGs deutlich gemacht werden. Zusätzlich gibt es zwei weitere Lernwelten: Eine davon behandelt das sog. „Wedding Cake Modell“, welches sich mit den Wechselwirkungen und jeweiligen Abhängigkeiten der SDGs beschäftigt, indem es die Ziele verschiedenen Ebenen zuordnet. Die andere Lernwelt zu Dilemmata macht transparent, dass die Erreichung einzelner SDGs aufgrund begrenzter finanzieller, zeitlicher und natürlicher Ressourcen in Konkurrenz zu anderen SDGs stehen kann. Jede Lernwelt beinhaltet ein interaktives Video zum direkten Einsatz im Unterricht und versorgt Lehrkräfte mit Lehr- und Lernmaterialien. Damit können sie (Grundschul-) Kindern das Wissen vermitteln, das diese benötigen, um ihre Gedanken und Handlungen im Kontext der nachhaltigen Entwicklung zu reflektieren und zu gestalten. Der Erwerb von Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung ist dabei Teil eines lebenslangen Lernprozesses, der mit dem Bearbeiten der verschiedenen Lernwelten angeregt werden kann. Jede Lernwelt zielt darauf ab, ein grundlegendes Verständnis für das jeweilige SDG und die damit verbundenen Zusammenhänge zu entwickeln.

Lernen mit Bezug zur eigenen Realität
In nahezu jedem interaktiven Video stoßen vier fiktive Figuren im Alter von 9-11 Jahren auf ein Problem in ihrer unmittelbaren Umgebung. Dieser Ansatz, ein SDG an der Lebensrealität der Schüler*innen festzumachen, ist ein wichtiger Baustein nachhaltiger Bildung. Auf diese Weise können abstrakte globale Probleme verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden und Bildung wird nahbar. Um mehr über das gezeigte Problem zu erfahren, setzen die Figuren im Video dann – wortwörtlich – eine Globale Brille auf, welche ihnen die globale Perspektive des Problems im jeweiligen Kontext des SDGs zeigt. Diese Veränderung des Blickwinkels spielt ebenfalls eine große Rolle in der BNE. Auf diese Weise lernen Schüler*innen zu abstrahieren und nähern sich der Komplexität von Problemen an. Neben Impulsfragen, Suchspielen und Quiz in den Videos enthält jede Lernwelt ein Arbeitsheft für Lernende sowie eine Handreichung für Lehrkräfte. Diese umfassen weitere Aufgaben für den (analogen) Unterricht, von denen mindestens eine zum konkreten Handeln anleitet. Dieser Handlungsbezug ist entscheidend, damit ein transformativer Moment entstehen kann. Transformative BNE soll nämlich nicht nur dazu befähigen und motivieren, beispielsweise Zusammenhänge und Machtstrukturen zu verstehen sowie bisherige Annahmen kritisch zu hinterfragen. Sie möchte auch, dass Lernende Partizipationsund Einflussmöglichkeiten mit Herz und Hand kennenlernen und dazu bereit sind, sich zu engagieren und zu spüren: Ich kann etwas bewirken!

Fazit
Mit der Lernplattform „Digital-ESD“ können sich Schüler*innen aktiv mit den Themen der jeweiligen SDGs auseinandersetzen und digitales Lernen auf unterschiedliche Weise erleben, während Lehrkräften die kindgerechte Aufbereitung komplexer Themen und somit die Integration in den Unterricht erleichtert wird. Zur Lernplattform und weiteren Informationen: https://digital-esd.eu/de

Autorin und Kontakt:
Cindy Prager
Unabhängiges Institut für Umweltfragen (UfU) e.V.
E-Mail: cindy.pragerufude