Das Klimaparlament

Im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung stellt das Instrument des Klimaparlaments eine spannende und wirkmächtige Verbindung von demokratischer Beteiligung und Klimaschutz dar. Im Projekt KlimaVisionen – Wege zur klimaneutralen Schule in Berlin des UfU e.V. wird es als verbindendes Element institutionalisiert, um nachhaltige Strukturen lebendig im Schulalltag zu verankern. Anhand von zwei Praxisbeispielen wird im Folgenden beschrieben, wie das Klimaparlament wirkt und welche konkreten Ergebnisse es fördert.

Was ist ein Klimaparlament – und warum ist es besonders?
Ein Klimaparlament ist ein schulisches Gremium, in dem Schüler*innen – oft unterstützt durch Lehrkräfte, Verwaltung oder Eltern – demokratisch gewählt werden, um gemeinsam Entscheidungen rund um Klimaschutz und nachhaltige Schulentwicklung zu treffen. Dieses besteht parallel zu einem klassischen Schulparlament, fokussiert sich aber auf klima- und nachhaltigkeitsbezogene Themen. Dabei schafft es Strukturen für Verantwortung, Beteiligung und Mitbestimmung auf Augenhöhe – und macht Nachhaltigkeit so zur gelebten Schulkultur. Zum Beispiel wählt das Klimaparlament Sprecher*innen, die das Gremium in wichtigen schulischen Entscheidungsprozessen, etwa in Gesamtkonferenzen, vertreten dürfen. So erhalten die Anliegen der Schüler*innen eine direkte Stimme und können wirksam in schulische Organisationsstrukturen eingebracht werden. Auf diese Weise dient das Klimaparlament sowohl als Raum demokratischer Mitbestimmung als auch als Handlungsinstrument, das Transformationsprozesse aktiv begleitet und dauerhaft strukturell verankert.

Praxisbeispiele aus Schulen des Projektes KlimaVisionen
In Projekt KlimaVisionen unterstützt das UfU Berliner Schulen dabei, eigene Roadmaps (Maßnahmenfahrpläne) zur klimaneutralen Schule zu entwickeln und umzusetzen – etwa durch konkrete Maßnahmen vor Ort und durch Vernetzungswerkstätten. Im Laufe des bereits 4-jährigen Projekts kristallisierte sich immer mehr die Notwendigkeit nach einer schuleigenen Instanz heraus, die auf demokratischem Wege Nachhaltigkeit fördert und strukturell verankert. So wundert es nicht, dass die Idee des Klimaparlaments überzeugt. Einige Schulen zeigen hier bereits beeindruckende Schritte in der Umsetzung: Die Friedrich-EbertOberschule gründete nach ihrer Visionswerkstatt mit dem UfU im Schuljahr 2024/ 2025 ein Klimaparlament. Bald folgten erste Maßnahmen: eine Rundbank wurde mit externer Bauunterstützung gezimmert, ein grünes Klassenzimmer errichtet und Hackschnitzel wurden beim Grünflächenamt beantragt. Geplant sind weiterhin die Beantragung von zwei Regenwassertonnen, die Erarbeitung eines Pflegekonzepts für neue Pflanzen und der Bau eines Gewächshauses zusammen mit der Gartenarbeitsschule. Diese Schritte werden im Klimaparlament besprochen und in die Wege geleitet. Dabei spielt der Informationsaustausch eine entscheidende Rolle. Denn wenn ich weiß, wen ich wo und wie ansprechen kann, komme ich meiner Vision deutlich schneller einen Schritt näher. Eine Lehrkraft verdeutlicht den Gegensatz: Fehlen diese Informationen, kann das bereits eine Hürde darstellen, die nicht jede*r bereit ist, durch zusätzliches Engagement und die Investition zeitlicher Ressourcen zu überwinden.
Das Klimaparlament der Bergmannkiez Gemeinschaftsschule entstand 2023/2024 und bestand aus je zwei gewählten Vertreter*innen pro Klasse (3–7), zusätzlich zu den Klassensprecher*innen. In den ersten drei Sitzungen wurden Parlamentspräsident*innen gewählt, ein Workshop zum Thema Nachhaltigkeit durchgeführt und erste Beschlüsse gefasst. Das Ganze führte zum schulinternen Wettbewerb „Klimafreundliche Klassenzimmer“ inkl. der Festlegung der Wettbewerbskriterien, einer Jury, der Gestaltung von Werbeplakaten und kreativen Recyclingideen.

Partizipation trifft Klimaschutz
Das Klimaparlament vereint mehrere Wirkebenen:

  • Demokratische Praxis im Alltag: Schüler*innen erleben direkte Entscheidungsbeteiligung – mit realer Wirkung auf ihre Schulumgebung.
  • Nachhaltige Schultransformation: Projekte wie grüne Klassenzimmer, Rundbänke, Regenwassertonnen oder Pflanzaktionen verankern Klimaschutz alltagsorientiert und machen ihn sichtbar.
  • Multiplikator und Vorbild: Die erarbeiteten Maßnahmen wecken Interesse, können die Schulkonferenz erreichen oder andere Schulen inspirieren.
  • Verantwortung und Selbstwirksamkeit: Schüler*innen erleben, dass ihre Stimme zählt – ökologische Bildung wird so erfahrbar und handlungsorientiert.

Das Klimaparlament ist demnach mehr als ein Instrument – es ist ein lebendiger Zugang zu Demokratie und Nachhaltigkeit im schulischen Alltag und verbindet diese eindrucksvoll. Erfahrungsgemäß macht diese Form der Schüler*innenbeteiligung nachhaltige Veränderungen greifbar und motiviert für weitere Schritte. Die Schulgemeinschaft wird dadurch zur aktiven Gestalterin: Das Klimaparlament wirkt demokratisch, partizipativ und kreativ – Schüler*innen erleben Gestaltungsmacht unmittelbar.

Autorinnen und Kontakt:
Cindy Prager, Muriel Neugebauer, Marlies Bock
Unabhängiges Institut für Umweltfragen (UfU) e.V.
E-Mail: marlies.bockufude