Moore sind in aller Munde. Stehen wir doch alle vor den globalen Herausforderungen wie Klimawandel und Biodiversitätsverlust. Doch wie können Bildung und Partnerschaften als Schlüssel zu einer nachhaltigen Moorentwicklung beitragen?
Moore in der Öffentlichkeit Mit dem Moorbrand bei Meppen schaffte es auch das Emsland 2018 in die internationale Berichterstattung, sogar in die New York Times. Die wissenschaftlichen Beschäftigten des Emsland Moormuseums waren gesuchte Ansprechpersonen. Im Kontext der Ausstellung erklärten sie ein Phänomen, welches historisch betrachtet, zum Alltag der in Moorregionen Lebenden gehörte. Das Museum bietet mit seinen Ausstellungen, dem großen Außengelände mit Siedlerhof, Moorerlebnislandschaft und Hochmoorfläche schon seit Jahren außerschulische und informelle Lern- und Erfahrungsräume rund um das Thema Moor. „Geschichte und Natur erleben – Zukunft gestalten“, so lautet der Leitspruch. Ziel der pädagogischen Arbeit ist es, durch positive emotionale Moorerlebnisse und eine interdisziplinäre Wissensvermittlung Verständnis für den Natur- und Kulturraum Moor, ein heute in Deutschland weitestgehend zerstörtes Ökosystem, zu schaffen. Damit werden die Grundlagen für gesellschaftliches Engagement und ein Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung gelegt, die heimische Identität unterstützt und den Menschen handlungsorientierte Kompetenzen zu einer aktiven Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen rund um die Themen Moor und Torf gegeben. Bundesweit lassen sich viele weitere Beispiele zur kritischen Diskussion von Moorschutz und Wiedervernässung finden.
Bildungsarbeit als Teil von Moorschutz Globale Herausforderungen wie Klimawandel und Biodiversitätsverlust wirken sich auf unser aller Leben aus. Gleichzeitig liest man inzwischen in Pressemitteilungen und Berichten immer öfter auch „Moorschutz ist Klimaschutz“. Die 2022 noch schnell beschlossene Moorschutzstrategie der Bundesregierung wurde zunächst ohne nachhaltigen Vermittlungsansatz zur Diskussion gestellt. Das Emsland Moormuseum beteiligte sich daraufhin, wie andere Umwelt- und Naturschutzverbände auch, mit einer entsprechenden Stellungnahme. Nun gilt es, die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit in Mooren im Rahmen einer gemeinsamen Bildungsstrategie weiter zu diskutieren und auszubauen, sodass das Potenzial einer ganzheitlichen Moorpädagogik mit Kopf, Herz und Hand eine Brücke zwischen Wissen und Handeln schlägt.
Bildung und Partnerschaften als Schlüssel einer nachhaltigen Entwicklung Nelson Mandela (2003) sagte „Bildung ist die mächtigste Waffe, die du verwenden kannst, um die Welt zu verändern.“ Was versteht man nun in der Pädagogik unter Bildung? Bildung kann verstanden werden als Zusammenhang von Lernen, Wissen, Wertebewusstsein, Haltungen und Handlungsfähigkeit im Horizont sinnstiftender Deutungen des Lebens. Damit ist Bildung viel mehr als nur angehäuftes Fachwissen und auch dafür verantwortlich, unser kulturelles Wissen über die Generationen weiterzugeben. Das Sustainable Development Goal (SDG) „Hochwertige Bildung“ (4) setzt ein ganzheitliches Bildungsverständnis voraus, in welchem persönliche Erfahrungen das Verständnis unserer Gesellschaft und der Welt prägen. Das SDG 4 hat Querverbindungen zu allen anderen Nachhaltigkeitszielen der UN und wirkt in sie hinein. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) beschäftigt sich mit Aspekten des alltäglichen Lebens und zielt darauf ab, Menschen darin zu stärken, mit Herausforderungen nachhaltig umgehen zu können (UN 2015). Eine weitere wichtige Rolle hat SDG 17 „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“, denn Nachhaltigkeit ist vor allem ein großes Gemeinschaftswerk. Austausch, Miteinander, Kommunikation, Integration – eine bessere Welt können wir nur gemeinsam erreichen. Alle Ziele können durch Partnerschaften, gegenseitige Unterstützung und Hilfe gestärkt werden. Gesellschaftliche Krisen können nur gemeinsam gelöst werden. Alle Mitglieder der Gesellschaft müssen befähigt werden, ihren Teil dazu beizutragen (UN 2015). Auch Moorschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe und jeder Bürger und jede Bürgerin muss sich fähig und willens fühlen, seinen Teil „Moor“ zu schützen. So gilt es, nicht nur die Herausforderungen, sondern zu deren Lösung auch Bildung, Kommunikation und gesellschaftliches Bewusstsein gemeinsam zu denken. Nur so können auf breiter Basis Akzeptanz für eine nachhaltige Entwicklung von Moorlandschaften geschaffen und gleichzeitig Handlungsoptionen, individuelle und gesellschaftliche, aufgezeigt werden. Ein höheres Bewusstsein dafür, dass der Schutz von Mooren kein isoliertes Ziel darstellt und dafür, dass eine zunehmend drängende Notwendigkeit einer sozial-ökologischen Transformation auch im Moorschutz besteht, muss geschaffen werden. „Moore“ als wissenschaftliches und alltägliches Thema sollte gesellschaftlich verankert werden. Es sollte klar sein, dass die nachhaltige Entwicklung von Moorlandschaften, Nachhaltigkeitskrisen (= Gesellschaftskrisen), Biodiversität, Klimawandel, Stoffe und Ressourcen betreffend, gemeinsam lösen kann. Damit ist nicht nur die Moorforschung, sondern auch die Moorpädagogik ein Baustein zur Lösung der Nachhaltigkeitskrisen. Ebenso wie eine nachhaltige Entwicklung ist auch eine entsprechende Bildungs- und Vermittlungsarbeit ein Prozess. Durch Kooperation und gestärkten Austausch können neue Stimmen und Allianzen im Moorschutz gewonnen und Synergien statt Vereinzelung und Projektflut angestrebt werden. Dafür gilt es, auch im Bereich Bildung und Vermittlung den Austausch zu fördern und abzustimmen, sodass sich Akteure ergänzen. Die Vernetzung und der Austausch zwischen verschiedenen Bildungssektoren wie Schule, außerschulische Lernorte und Akteuren des lebenslangen Lernens mit Firmen und Berufen rund um die Themen Moor und Torf sollte verstärkt werden. Es gilt, Moor-Erfahrungsräume mit Zielgruppen zu öffnen, um eine Selbstreflektion und eine Selbstwirksamkeit zu ermöglichen und die Kommunikation, das Sprechen über Moorthemen, anzuregen. All dies sind Arbeitspunkte des Netzwerk Moorpädagogik.
Das Netzwerk Moorpädagogik Bekanntlich geht gemeinsam „Moor“. Als Lösungsbeitrag zu den globalen Herausforderungen wie der Klima- und Biodiversitätskrise arbeiten die Sektion „Landeskunde und Umweltbildung“ der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde e.V. (DGMT) und das Emsland Moormuseum daher als koordinierende Stelle mit und für ein aktives Netzwerk Moorpädagogik; ganz im Sinne der SDGs 4 Bildung und 17 Partnerschaften. Das Netzwerk Moorpädagogik knüpft Kontakte zwischen Moor-Wissenschaft und der Gesellschaft. Mit dem gemeinsamen Ziel, das Bewusstsein für den Schutz von Mooren in der Gesellschaft zu fördern, leisten alle im Netzwerk Aktiven einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung von Moorlandschaften. Positive emotionale Moorerlebnisse bleiben im Kopf, fördern das Umweltbewusstsein der Teilnehmenden, die Artenkenntnis im Moor und lassen Verknüpfungen zwischen menschlichem Handeln, Vielfalt und Klima erkennen. Das gemeinsame Vorhaben der Zusammenarbeit war zunächst, den Stein ins Rollen zu bringen und die Moorpädagogik zu einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Bildungsarbeit weiterzuentwickeln. Eine der dringendsten Aufgaben war die Schaffung eines aktiven Netzwerkes, in dem sich Menschen, die Moorpädagogik betreiben (wollen), austauschen und gegenseitig unterstützen können. Es soll erreicht werden, dass das Potenzial der Moorpädagogik für den Moorschutz sichtbarer wird und ausgeschöpft werden kann. Die Sektion 7 der DGMT leitet bzw. koordiniert das Netzwerk Moorpädagogik, dazu zählt: die Betreuung des E-Mail-Verteilers mit inzwischen über 200 Teilnehmenden und die Organisation und Durchführung von jährlich zwei online Meetings (Frühjahr und Herbst) zum gegenseitigen Austausch, der Vorstellung von Neuigkeiten, der Planung gemeinsamer Veranstaltungen, Terminhinweisen, AG-Berichten usw. Im zwei Jahres Rhythmus werden mehrtägige Fachtagungen organisiert. Die nächste Fachtagung „Moor-Vision: Bildung im Sumpf der Möglichkeiten“ wird in diesem Jahr vom 10. bis zum 12. Oktober vom Emsland Moormuseum und der Loki Schmidt Stiftung in der DJH Horner Rennbahn in Hamburg veranstaltet. Neben einem Programm mit Vorträgen, Weiterbildungs- und Austauschmöglichkeiten sind auch Exkursionen in den Hamburger Moorgürtel geplant.
Moorwissen und mehr Die reine Vermittlung von Moorwissen reicht nicht aus, für eine nachhaltige Entwicklung und einen verantwortungsbewussten Umgang mit den lokalen und globalen Moorlandschaften. Es bedarf mehr Moor und entsprechend vielfältigen Zugängen zum Thema und zum Raum. Wie diese beispielsweise aussehen können, ist ein Thema der nächsten Moorpädagogik Tagung. Und Thema im folgenden Blickpunkt.
Quellen UN (2015): Unsere Welt verändern: Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Von der Generalversammlung am 25. September 2015 angenommene Resolution.
Autorin und Kontakt: Janna Kötting-Gerkens Emsland Moormuseum e.V. Mail: gerkensmoormuseumde Weitere Informationen: www.moormuseum.de www.dgmtev.de Instagram: moormuseum