Leitungswasser für den Klimaschutz

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November 2018: Umweltbildung
Ausgabe Nr. 294

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Titelthema - Umweltbildung

Leitungswasser für den Klimaschutz


Leitungswasser ist preiswert, von hervorragender Qualität, verursacht fast keine CO2-Emissionen und kommt ganz ohne Verpackungsmüll aus. Trotzdem steigt der Konsum von Wasser in Plastikflaschen in Deutschland seit Jahren stetig an. Mit dem Rekord in 2017 mit fast 150 Litern pro Person hat sich der Konsum seit den 1970-er Jahren mehr als verzehnfacht. Dies möchte der Verein a tip: tap e.V. durch unterschiedliche Bildungsangebote und Aktionen ändern.

Das Projekt „Leitungswasserfreundliche Schule“ des Berliner Vereins a tip: tap e.V. läuft bereits in der zweiten Phase. Nach dem Pilotprojekt in Berlin werden aktuell Schulen in drei weiteren Regionen „leitungswasserfreundlich“ gemacht. Eine „leitungswasserfreundliche“ Schule hat einen eigenen Trinkbrunnen und arbeitet mit SchülerInnen die Vorzüge von Leitungswasserkonsum in verschiedenen unterrichtsbegleitenden Modulen auf. Darüber hinaus setzt sich a tip: tap e.V. für Leitungswasser in allen Lebenslagen ein, unter anderem im Wasserkiez in Berlin, bei der Refill-Kampagne und im Kampf für mehr öffentliche Trinkbrunnen.

70 Prozent der verkauften Wasserflaschen sind Plastikeinwegflaschen. Die Herstellung und auch die Entsorgung der Einwegflaschen verbraucht viel Erdöl und Energie. Leitungswasser hingegen verbraucht kein Erdöl und produziert keinerlei Müll. Viele Flaschen legen Hunderte Kilometer vom Abfüllort bis zum Supermarkt zurück. Das erhöht den Klimafußabdruck der Flaschen enorm. Während die Bereitstellung eines Liters Leitungswassers nur 0,35 Gramm CO2-Emissionen produziert, fallen für einen Liter Wasser aus den französischen Alpen mehrere Hundert Gramm CO2 pro Liter an.

Leitungswasser ist streng kontrolliert

Dabei gehört Leitungswasser zu den sichersten Lebensmitteln in Deutschland und wird dank der Trinkwasserverordnung mit ihren vielen Grenzwerten viel strenger und häufiger kontrolliert als Wasser in Flaschen. Darüber hinaus enthält es viele wertvolle Mineralien, manchmal sogar mehr als das sogenannte „Mineralwasser“. Zudem ist Leitungswasser überall verfügbar. Man braucht es nicht nach Hause zu schleppen, das spart Mühe und Zeit. Tägliches und ausreichendes Wassertrinken macht fit, hält gesund und schlank. Leitungswasser ist außerdem unschlagbar günstig: Ein Liter Leitungswasser kostet circa 0,5 Cent, Flaschenwasser dagegen 50- bis 1000-mal so viel.

Im Pilotprojekt „Leitungswasserfreundliche Schule“ werden diese Vorteile von Leitungswasser thematisiert und in den Schulalltag integriert. Wer seinen Durst im Schulalltag stillen möchte, sollte dafür nicht zu teurem Plastikflaschenwasser greifen oder am Wasserhahn der Schultoilette seine Flasche füllen müssen. Dazu sollte ein Leitungswasser-Trinkbrunnen in jeder Schule zur Verfügung stehen. Im besten Fall besitzen auch alle eine eigene Trinkflasche.

Pilotprojekt stattet Berliner Schulen mit Trinkwasserbrunnen aus

Dank der Verbändeförderung des Umweltbundesamtes konnte a tip: tap e.V. im April 2017 mit diesem einjährigen Pilotprojekt starten. Ziel des Projektes war es, Leitungswasser als Durstlöscher Nr. 1 in der Schule sowie im Alltag von SchülerInnen zu etablieren. Dazu wurden drei Berliner Oberschulen mit einem eigenen Trinkbrunnen ausgestattet und im Winter 2017/2018 Projekttage zum Thema Leitungswasser in mehreren Fächern durchgeführt. Durch die Nutzung von Leitungswasser aus dem Trinkbrunnen kann eine Schule ganz einfach einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Zusätzlich ist das Trinken von Leitungswasser anstatt Softdrinks gesundheitsförderlich. Es steht für alle SchülerInnen, ungeachtet ihres sozio-ökonomischen Hintergrunds oder ihrer Herkunft, kostenlos zur Verfügung. Die drei Berliner Oberschulen sind damit die ersten „leitungswasserfreundlichen“ Schulen Deutschlands und treten als Vorbild für weitere Schulen und Bildungseinrichtungen auf.

Nach den positiven Erfahrungen des Pilotprojekts wurde die Projektförderung mittlerweile verlängert, sodass 20 weitere Schulen in Berlin, Brandenburg und zwei anderen Regionen „leitungswasserfreundlich“ werden können. Die Schwerpunkte der Projekttage für die Oberstufe werden auf den Fächern NAWI, Kunst und Wirtschaft sowie Politik und Sozialkunde liegen. Die Aufklärung über Qualität und ökologische Vorteile von Leitungswasser wird hier im Mittelpunkt stehen. Dabei eignet sich das Thema Leitungswasser hervorragend für fächerübergreifende Vertiefungen, aber auch für einzelne Unterrichtsfächer. Außerdem werden die SchülerInnen dabei unterstützt, Leitungswasser-Stände auf Schulfesten zu organisieren.

Fortbildung für Lehrkräfte

Neben den Projekttagen für die Oberschule bietet a tip: tap e.V. auch Fortbildungen für LehrerInnen an und hat nun zusätzlich ein Workshopmodul für Willkommensklassen konzipiert. Dabei wird noch mehr Wert auf individuelle Hintergründe und Erfahrungen zum Thema Wasser eingegangen. Aktuell läuft die erste Runde in einer Berliner Schule.

Kontakt: Samuel Höller
E-Mail: samuel(at)atiptap.org
www.atiptap.org

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