Eine Chance für junge Menschen

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Mai 2018: Jugendsozialarbeit
Ausgabe Nr. 289

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Titelthema - Jugendsozialarbeit

Eine Chance für junge Menschen


Dass Bildung für nachhaltige Entwicklung und Jugendsozialarbeit sehr gut zusammenpassen, beweisen rund 80 Projekte, die im Rahmen des bayerischen Förderprogrammes „Bildung für nachhaltige Entwicklung trifft Jugendsozialarbeit“ umgesetzt wurden. Wie können Akteure aus beiden Arbeitsfeldern miteinander kooperieren und dabei voneinander profitieren? Welchen Nutzen haben dabei die teilnehmenden jungen Menschen in herausfordernden Lebenssituationen?

Junge Menschen gärtnern gemeinschaftlich und erschaffen aus natürlichen oder recycelten Materialien etwas Neues. Sie erforschen Lebensräume von Tieren und Pflanzen, reparieren kaputte Dinge, nutzen sie anders oder werden als Klimaschutz- und Energie-ExpertInnen aktiv. Das Besondere an den Projekten ist, dass Akteure der Jugendsozialarbeit und der Umweltbildung/BNE eng zusammenarbeiten.

Das Förderprogramm „Weltaktionsprogramm als Chance: Bildung für nachhaltige Entwicklung trifft Jugendsozialarbeit“ setzt an dieser Schnittstelle an. Durch die bereitgestellten Mittel können alltagsbezogene und praxisorientierte Einzelprojekte zu Themen der Nachhaltigkeit in ganz Bayern durchgeführt werden. Einrichtungen der Jugendsozialarbeit (JSA) und Kooperationspartner der Umweltbildung/BNE gestalten diese Projekte gemeinsam mit den Teilnehmenden. Das sind junge Menschen mit erhöhtem Förderbedarf zwischen 12 und 27 Jahren. Sie sollen erfahren, welche Rolle und Verantwortung jeder Einzelne für eine zukunftsfähige Gesellschaft trägt und wie das Gelernte in ihre Lebenswelt integriert werden kann. Die wichtigsten Grundsätze dabei sind Partizipation, Handlungs- und Lebensweltorientierung.

Das Förderprogramm „Bildung zur Nachhaltigkeit in der Jugendsozialarbeit“ startete 2011 als Kooperationsprojekt zwischen der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit (LAG JSA) Bayern und dem heutigen Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (STMUV). Mit dem Folgeprojekt „BNE trifft JSA“ besteht die Kooperation weiterhin zwischen dem STMUV und der Evangelischen Jugendsozialarbeit Bayern e.V. – federführendem Verband der LAG JSA Bayern.

BNE als Angebot der Jugendsozialarbeit

Die Fachkräfte der JSA stehen vor der Herausforderung, Jugendliche, die mit sozialer Benachteiligung kämpfen, zu begleiten und sie bei der Überwindung schwieriger Lebenssituationen zu unterstützen. Bei vielen Konfliktpunkten der Alltagsbewältigung spielen auch Aspekte der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle: soziokulturelle Benachteiligung und Ausgrenzung, die ungleiche Verteilung von Berufs- und Bildungschancen oder der Zugang zu natürlichen und materiellen Ressourcen. Bei der Herausforderung, soziale Integration sowie eine Wertebildung im Sinn einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Lebensführung zu fördern, können Formate und Zugänge aus der Umweltbildung/BNE einen wichtigen Beitrag leisten.

Und die Projekte wirken!

Voraussetzung für gelingende Angebote ist, dass individuelle und biografisch geprägte Bedürfnisse und Befindlichkeiten Beachtung finden. Wichtig dabei ist ein wertschätzender Umgang miteinander, um die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass ein Dialog über Werte, Einstellungen und ethische Grundhaltungen ermöglicht wird. Themen einer nachhaltigen Lebensführung sind dabei eine wichtige Botschaft genauso wie die verantwortungsvolle Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen.

Durch die Aktionen bietet sich außerdem eine gute Plattform, um neben den Jugendlichen als Sekundärzielgruppe auch ihr soziales Umfeld zu erreichen. Durch das freiwillige Engagement in „grünen Bereichen“ werden außerschulische Bildungsangebote und Berufe für die Zielgruppe als alternatives Arbeits- und Lernfeld attraktiv. Auch dringt die Option des Ehrenamtes oder die Beteiligung an Programmen wie dem freiwilligen ökologischen Jahr in das Bewusstsein der Zielgruppe und eröffnet damit neue Perspektiven zur Lebensgestaltung. Im praktischen Tun können neue Möglichkeiten entstehen und es gibt sinnvolle Aufgaben zu erledigen, die sowohl Hände als auch Gedanken beschäftigen.

Fachkräfte aus beiden Arbeitsfeldern profitieren von der Zusammenarbeit, der gegenseitigen Unterstützung sowie der Möglichkeit zum fachlichen Austausch und können so ihre Angebote noch besser auf ihre Teilnehmenden ausrichten. Oft sind die Mitarbeitenden erstaunt, was ihr Engagement bewirken kann: „Ich dachte zu Beginn, wir würden einfach gemeinsam im Garten arbeiten. Dann habe ich aber gemerkt, dass wir vor allem ein soziales Projekt machen. Viele von den Jugendlichen können wir dabei auffangen. Sie blühen bei vielen Aufgaben richtig auf!“

Jessica Schleinkofer – Projektkoordination „Bildung für nachhaltige Entwicklung trifft Jugendsozialarbeit“, Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern, Tel. +49 (0)89 / 159187-84, E-Mail: schleinkofer@ejsa-bayern.de,
www.lagjsa-bayern.de/nachhaltigkeitsprojekt
,
www.ejsa-bayern.de/umweltprojekt

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