Katharina Henne

Liebe Katharina,
als unsere „Stimme aus dem Norden“ bist du seit vielen Jahren bei der ANU aktiv und begleitest auch das norddeutsche Verfahren zur Qualitätsentwicklung und Zertifizierung für Akteure der außerschulischen Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (NUN).

1. Wie bist du zur ANU gekommen und hast die Gründung des Landesverbands Hamburg erlebt?

Da ich die Entstehung des ANU-Landesverbandes Hamburg nicht selbst erlebt habe, lasse ich an dieser Stelle Jürgen Forkel-Schubert, den Initiator der Gründung, berichten:
„In der ANU-Schriftenreihe Band 3 „Umweltzentren in Deutschland 1992/93“ waren ausschließlich Bildungseinrichtungen aufgeführt. Doch auch viele Einzelpersonen hatten großes Interesse an einer Vernetzung. So lud ich, damals Leiter des Hamburger Umweltzentrums Karlshöhe, Ende 1993 zu einem Austausch ein. Die Mehrheit der Anwesenden sprach sich für die Gründung eines ANU-Landesverbandes aus. So gründeten 16 Personen am 13.6.94 die ANU Hamburg.“

Anfang 1998 traf ich in Hamburg auf einen noch jungen Landesverband, den ich vorerst als kleine Gruppe von Menschen wahrnahm, die im Umweltzentrum Gut Karlshöhe Veranstaltungen zum Naturerleben für Kinder anbot.
Sofort wurde ich offen und herzlich in diesen Kreis von Gleichgesinnten aufgenommen, denen allen die Umweltbildung am Herzen lag. Dort fand ich endlich, was mir an der Uni gefehlt hatte: Nicht nur Wissen, auch Fähigkeiten und Fertigkeiten, ganzheitliche Beziehungen zur Natur mit allen Sinnen wurden an die verschiedensten Zielgruppen weiter gegeben. Bald und zunehmend spielte das Konzept Bildung für eine nachhaltige Entwicklung eine Rolle - mit einer damit einhergehenden Erweiterung von Themen, Methoden und Bildungsakteur*innen.

Im Namen der ANU habe ich als freiberuflich tätige Umweltpädagogin in Kooperation mit dem BUND eine Jugendgruppenleiter*innen-Schulung mit umweltpädagogischem Schwerpunkt etabliert. Ich habe Multiplikator*innen-Fortbildungen für unterschiedliche Träger (z.B. die Naturschule Deutschland) durchgeführt, Kurse in der Erwachsenen-Bildung geleitet (z.B. für die VHS) und die Seminare im Hamburger FÖJ mitgestaltet und geteamt. Durch all diese Tätigkeiten habe ich zur engeren Bindung zwischen der ANU und Bildungsträgern und Vereinen (nicht nur) in Hamburg beigetragen.

2. Was waren die größten Erfolgserlebnisse und Herausforderungen der verbandlichen Doppelkonstruktion Bund - Land in den letzten 30 Jahren?

Durch die vielen Einzelmitglieder der ANU Hamburg, die auf Honorarbasis einen Großteil der Veranstaltungen auf Gut Karlshöhe durchführen und aus deren Kreis sich überwiegend der Vorstand zusammensetzt, war es zunächst schwierig, den Verein als Hamburg-weiten Landesverband darzustellen. Vereine wie die Gesellschaft für ökologische Planung e.V., Stiftungen wie die Loki Schmidt Stiftung oder Einrichtungen wie das Museumsdorf Volksdorf treten nach außen kaum als ANU-Mitglieder in Erscheinung. Außerdem befindet sich die Geschäftsstelle des Landesverbandes auf Gut Karlshöhe, ohne dass das Umweltbildungszentrum selbst Mitglied bei der ANU ist.

Als ausschließlich ehrenamtlich arbeitender Vorstand ohne finanzierte Geschäftsstelle konnten wir als Team in wechselnder Zusammensetzung trotzdem Hamburg-weit einiges bewegen: Organisation des Arbeitskreistreffens der Hamburger Umweltpädagog*innen, Gestaltung von Bildungsangeboten für Kitas und Schulen, Organisation von Fortbildungen und überregionalen Fachtagen für Multiplikator*innen sowie Mitarbeit in der norddeutschen NUN-Zertifizierungskommission zur Qualitätsentwicklung und Zertifizierung für Akteure der außerschulischen Bildung für eine nachhaltige Entwicklung.
Doch in den Projekten des Hamburger Landesverbands und der täglichen Arbeit der freiberuflichen Umweltpädagog*innen war (und ist) der Bundesverband oftmals sehr weit weg.
Trotzdem blieb der Kontakt zum Bundesverband durch die Person von Jürgen Forkel-Schubert gut, da er Mitglied im Bundessprecherrat und zunächst auch im Vorstand der Hamburger ANU war. Auch die regelmäßige Teilnahme am jährlichen ANU-Bund-Ländertreffen trug erheblich zur Vernetzung mit anderen Landesverbänden und zur Bindung an die Bundes-ANU bei.

Ein Highlight stellten für mich immer die Bundestagungen dar, in denen aktuelle Themen aufgegriffen wurden, die aber darüber hinaus Zeit und Raum für ein besseres gegenseitiges Kennenlernen boten. Außerdem lieferten ANU-Tagungen und Dokumentationen Anregungen und Bestätigung für eigene Projekte.
Das Leuchtpol-Projekt habe ich als größte Veränderung in der ANU wahrgenommen. Obwohl wir uns als Landesverband nicht direkt beteiligt haben, verfolgten wir die Entwicklungen durch die Nähe zur S.O.F.-Umweltstiftung, die das Leuchtpolprojekt für Hamburg koordinierte. Die Öffentlichkeitsarbeit in dieser Zeit hat die ANU von einem Spartenverein, der Wenige interessierte, zu einem sehr aktiven und sichtbaren Bildungsverein gemacht. Die Jahreshauptversammlung nach Ende des Projektes, als es um die Abwicklung von Leuchtpol ging, hat das „Loch“ deutlich gemacht, in das alle Beteiligten gestürzt sind, nachdem die Gelder aufgebraucht waren.
Gerade in der momentanen Corona-Zeit sehe ich einen Höhepunkt der Interessenvertretung durch den Bundesvorstand. Dadurch ist der ANU Bundesverband den einzelnen Mitgliedern auf Landesebene sehr viel präsenter geworden.

3. Welche Visionen hast du für die Zukunft des ANU Bundesverbands und der Länder?

Die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung wird mit ihrem Bundesverband und den Landesverbänden als die Dachorganisation für Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland wahrgenommen. Sie versteht sich gleichermaßen als Interessenvertretung von Freiberufler*innen und Zentren. Bisher parallele Strukturen, z.B. die Regionalen Umweltbildungszentren (RUZ) in Niedersachsen, sind künftig in die ANU integriert.

In der Zukunft sehe ich einen starken Bundesverband mit einer hauptamtlichen Geschäftsführung, die unabhängig von Projektmitteln durch mindestens zwei Stellen in verschiedenen Gremien bundesweit Lobbyarbeit für Umweltbildung und Bildung für Nachhaltige Entwicklung leistet.
Der Bundesverband beantragt darüber hinaus länderübergreifende Projekte, die bundesweit oder in einzelnen Landesverbänden ausgeführt werden.
Die Verbindung des Bundesverbands zu den unabhängigen Landesverbänden hat sich intensiviert. Durch jährliche Bund-Ländertreffen, informative Rundmails, die digitalen ökopädNEWS und eine mehrtägige Bundestagung zu aktuellen Themen in Kooperation mit jeweils einem Landesverband besteht eine enge Vernetzung sowie ein reger Informationsaustausch.