Martina Fleckenstein

1. Liebe Martina, aus welcher Motivation heraus wurden Umweltzentren damals in den Anfangsjahren Mitglied bei der ANU? Welche Zentren waren die ersten?

Mit der Gründung der ANU 1992 wollten wir Umweltschutz und nachhaltige Lebensstile in außerschulischen Lernstätten stärken. Vor 30 Jahren hatten Klimaschutz und Biodiversitätsschutz nicht die heutige Bedeutung, aber das Interesse war durch den Erdgipfel in Rio de Janeiro 1992 geweckt. Es war die Zeit des Aufbruchs und der Beginn der Diskussion über Nachhaltigkeit. Natur- und Umweltschutz rückten stärker in den Mittelpunkt.

Es ist heute schwer zu sagen, was die Motivation der Umweltzentren war, der ANU beizutreten. Aber ich denke, dass der Austausch von praktischen Ideen, das Lernen voneinander und eine Stärkung auf der politischen Ebene wichtige Argumente waren. Sicher spielte auch die menschliche Komponente eine Rolle: Wir hatten immer sehr viel Spaß, entwickelten zusammen kreative Konzepte und haben gemeinsam für unsere Ziele gekämpft. In Zeiten knapper Kassen spielte auch die Erfahrung mit Mittelgebern und die hierzu erfolgte Beratung eine wichtige Rolle. Es war das Miteinander, das uns alle gestärkt hat.

Zu den ersten Mitgliedern zählten, das Biologie-Zentrum Bustedt in Hiddenhausen, das BUND-Naturschutzzentrum Düsseldorf, die WWF Ökologiestation Bremen, der Storchenhof Lohburg, das Umweltzentrum Ronney, das Natur- und Schulbiologiezentrum Leverkusen, die Naturlehrstätte Oderberge Lebus, das Schulbiologiezentrum Hannover, die Waldschule Cappenberg, das Ökowerk Berlin und die Station Natur und Umwelt, Wuppertal. Bis auf wenige Ausnahmen, bestehen diese Zentren noch.

2. Welche Herausforderungen bestanden für die Umweltzentren zu dieser Zeit, welche Erfolge gab es?

Das größte Problem zu der damaligen Zeit war die finanzielle Absicherung der Zentren. Mit kleinen Mitteln und viel Ehrenamt wurde Großartiges ermöglicht. Viele Zentren hatten damit zu kämpfen, Personalstellen zu sichern und die Gebäudesubstanz zu erhalten. Dies betraf vor allem die Zentren im Osten Deutschlands, die - zu DDR-Zeiten gut ausgestattet - nun mit Stellenabbau zu kämpfen hatten. Gleichzeitig versuchten die Zentren in den alten Bundesländern, die meist im Aufbau begriffen waren, über kleinere Projekte ihre Arbeit abzusichern.

Politisch war zur damaligen Zeit die Unterstützung für außerschulische Umweltbildung noch sehr gering und finanzkräftige Geldgeber sowie staatliche Zuschüsse gab es kaum, geschweige denn institutionelle Unterstützung.

Unser Erfolg war, dass es uns gelungen ist, in den Umweltzentren attraktive Angebote zu entwickeln, die das Interesse der Schulen weckten, sodass die Nachfrage nach ein- und mehrtägigen Aufenthalten zunahm. Positiv kam hinzu, dass die DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) einen Förderschwerpunkt Umweltbildung aufsetzte und dadurch viele Zentren und Projekte finanzielle Unterstützung, auch für Neuerrichtungen und Sanierungen, sowie Beratung erhielten.

3. Wie sah in den ersten Jahren die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern und der ANU aus: Waren die Umweltzentren z.B. an der Gründung der ANU beteiligt? Was konnte die ANU wiederum den Zentren bieten?

Wir haben uns in der ANU auch als Serviceorganisation für die Bildungseinrichtungen verstanden. So haben wir Unterstützung bei der Gründung von Landesverbänden gegeben, regelmäßige Treffen organisiert und bei Fördermittelanträgen beraten. Unsere Jahrestagungen waren immer sehr gut besucht und über die regelmäßig erscheinende ökopädNEWS hatten die Zentren die Möglichkeit, Informationen zu teilen, sich vorzustellen und Arbeitsgruppen anzubieten. Die Zusammenarbeit war partizipatorisch, transparent und ermutigend.