Projekte - Gender Greenstreaming

Das Projekt "Gender Greenstreaming" unterstützt Natur- und Umweltschutzverbände darin,"geschlechtergerechter" zu arbeiten. Im Projekt werden gemeinsam mit den VerbandsvertreterInnen Interessen und Möglichkeiten sondiert,wie die NGO genderreflektierter und -sensibler werden kann. Dabei wird von konkreten Maßnahmen, fachlichen Aufgaben und Zuständigkeiten ausgegangen, im Mittelpunkt stehen die Zusammenhänge von Natur,Umwelt und Geschlecht.

Ziel des Ansatzes ist, Geschlecht als sozial konstruiert und damit auch als eine im Bildungsprozess beziehungsweise einer Lernsituation immer mit hergestellte Kategorie zu vermitteln. Geschlechterstereotype Zuschreibungen, die sich im Handeln verfestigt haben, werden somit sichtbar und können verändert werden.Wird Bildungsarbeit geschlechterreflektiert gestaltet, meint das weitaus mehr als formale Gleichbehandlung. Chancengleichheit braucht qualitative Zugänge und damit auch eine differenzierte Betrachtung der Zielgruppen sowie ihrer Ansprache. Es geht darum, Hindernisse und Mechanismen aufzuspüren, die bestimmte Gruppen oder auch Themen ausschließen. Beispielsweise wurde bei Umweltbildungsangeboten in Nordrhein-Westfalen herausgefunden, dass Mädchen eher an Abenteuerwochenenden im Wald teilnehmen, wenn es sich um geschlechtshomogene Gruppen handelt. Hier sind es auch die Eltern, die eine reine Mädchengruppe für sicherer einschätzen.

Gender in der Schulbildung

Verschiedene Untersuchungen in Schulen haben ergeben, dass es von großer Bedeutung ist, innerhalb der Gruppen der Jungen und Mädchen genauer zu differenzieren. So zeigt sich beispielsweise im Zusammenhang von Selbsteinschätzungen und Leistungen, dass es bei den leistungsstärksten Schülerinnen und Schülern praktisch keine Geschlechterdifferenz gibt, sie aber am unteren Rand des Leistungsspektrums deutlich zunimmt. In Hauptund Realschulen zeigen auch in der oberen Mitte der Leistungsverteilung die Mädchen eine deutlich weniger positive Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens als gleich leistungsstarke Jungen (Lehmann/Gänsfuß/Peek, 1999). Für Jungen ist hier zu fragen, wie schulisches Lernengagement stärker für ihre Identitätsbildung genutzt werden kann oder wie außerschulische Kontexte hier alternative Funktionen einnehmen können.

Langfristige Maßnahmen erfolgreicher

Wie kann die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) diese Ergebnisse mit einbeziehen? Auf alle Fälle sollte sie sich der Chance ihrer identitätsbildenden Wirkung bewusst sein.Werden Mädchen bei erlebnispädagogischen Angeboten über einen längeren Zeitraum begleitet, eignen sie sich neue Handlungsbereiche an - wie beispielsweise auf Bäume zu klettern. Dies bleibt bei kurzfristigen Umweltbildungsmaßnahmen eher den Jungen als "typisches Jungenterrain" überlassen. Umgekehrt sollten Angebote, die gezielt Jungen mit ihren spezifischen Interessen ansprechen, auch Elemente wie das Kochen mit Wildkräutern beinhalten, die eher als "weibliche Interessen" gelten.

Geschlecht als didaktische Kategorie in der außerschulischen Natur- und Umweltbildung hat drei zentrale Aspekte zu berücksichtigen:

die Unterschiede im Kompetenzerwerb und in Lernprozessen bei Jungen und Mädchen,

die Unterschiede in den Selbstkonzepten und Selbsteinschätzungen sowie

wie sich die Geschlechterzuschreibungen der Lehrenden auf die Lernprozesse auswirken, als Reflexion beziehungsweise Selbstreflexion von Geschlechterstereotypien in den Jungenund Mädchenbildern der Lehrenden (Nyssen, 2003).

Angebote des Projektes

Das Projekt "Gender Greenstreaming" des Deutschen Naturschutzrings (DNR) will die Akteure einer BNE dabei unterstützen, ihre Arbeitsbereiche geschlechtergerecht zu gestalten. Angeboten werden Seminare und prozessbegleitende Beratungen zu verschiedenen Fragen- und Themenkomplexen.

So soll herausgefunden werden, was bisher über die Zielgruppen bekannt ist, etwa über die Lern- und Aneignungsprozesse sowie die Interessen von Jungen und Mädchen als NutzerInnen von außerschulischer Umweltbildung. Dazu existieren insbesondere aus den Jugendverbänden und umweltpädagogischen Projekten einige Erkenntnisse, die für eine weiterführende Analyse nutzbar sind, etwa um einzelne Gruppen gezielter anzusprechen. Ein zweiter Punkt ist die Förderung der Selbstreflexivität der PädagogInnen. Um im pädagogischen Handeln Geschlechterzuschreibungen zu vermeiden, müssen die eigenen Geschlechterbilder und Denkweisen überprüft und das eigene berufliche Handeln sowie die darin eingenommene Rolle reflektiert werden. Denn weder können Männer oder Jungen automatisch besser einparken oder auf Bäume klettern, noch sind Frauen und Mädchen per se gute Zuhörerinnen. Ein drittes Feld bezieht sich auf die Umsetzung: Wie ist mit diesem Wissen und einer geschlechterkritischen Perspektive die gendersensible Ansprache und eine auf die Zielgruppen zugeschnittene Themenauswahl sowie eine entsprechende inhaltliche Vermittlung zu erreichen? Die Angebote des DNR-Projektes "Gender Greenstreaming" können noch bis Mitte 2006 abgefragt werden.

Marion Mayer, Anja Thiem

Kontakt: Marion Mayer, Anja Thiem und Karin Fischer, Universität Lüneburg, Fon +49/4131/78-29 66 oder -29 67, E-Mail gendergreen(at)uni-lueneburg.de.

Nyssen, E.: Geschlecht - (k)eine didaktische Kategorie? In: Schlüter, A.(Hrsg.): Aktuelles und Querliegendes zur Didaktik und Curriculumsentwicklung. Bielefeld 2003, S.96-115

Lehmann, R.; Peek, R.; Gänsefuß, R.: Aspekte der Lernausgangslage und der Lernentwicklung von Schülerinnen und Schülern an Hamburger Schulen - Klassenstufe 7. Bericht über die Untersuchung im September 1998. Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung, Amt für Schule (Hrsg.) Hamburg (Eigendruck)