Das 2000-Quadratmeter-Projekt

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ökopädNEWS
Dezember 2014/Januar 2015: BNE, Ernährung & Biodiversität
Ausgabe Nr. 256

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Titelthema:Die ganze Welt auf einem Acker

Das 2000-Quadratmeter-Projekt


Gut sieben Milliarden ErdenbürgerInnen teilen sich rund 1,4 Milliarden Hektar Ackerfläche auf diesem Planeten. Das macht pro Kopf etwa 2000 Quadratmeter. Dies ist der einfache Rahmen des 2014 gestarteten Projektes „2000m2“ der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und der europäischen Agrarinitiative ARC2020.

Auf 40 mal 50 Meter also muss alles wachsen, was ein Mensch an Ackerfrüchten verbraucht – von unserem täglichen Brot und Müsli über Obst und Gemüse und dem Futter für Eier- und Fleischlieferanten bis hin zu Zigaretten, Jeans und sogenanntem Biosprit. Natürlich muss darauf auch all das wachsen, was Käufer, der Supermarkt, die Kantine oder die Gurkenfabrik später wegwerfen. Lediglich Grünfutter für die Tiere wächst zusätzlich auf Weide- und Grünland unterschiedlicher Qualität, vom dem weltweit noch einmal etwas mehr als 4000 Quadratmeter pro Person zur Verfügung stehen.


Mit jedem Einkauf erteilen VerbraucherInnen einen Auftrag an die Landwirtschaft, sind also auch Koproduzenten. Das 2000 m2-Projekt macht diese Verbindung symbolisch erfahrbar und regt zur Suche nach besseren, gesünderen, wohlschmeckenderen Lösungen an. Die Teilnehmenden bekommen einen praktischen Zugang zur globalen Nutzung und Verteilung von Ackerland und den damit verbundenen Ressourcen wie Wasser, Energie, Biodiversität, Nährstoffen oder Saatgut. So wird es möglich, ohne viele Worte ökologische, soziale, wirtschaftliche, gesundheitliche und kulinarische Dimensionen des eigenen Verbrauchs von Lebensmitteln und Agrarrohstoffen zu erfassen.


Das menschliche Maß
Gestartet hat die Zukunftsstifung Landwirtschaft das 2000 m2-Projekt mit einer Webseite und einem Faltblatt zum nachhaltigen Umgang mit dem Ackerboden und all seinen Bewohnern. Liebevoll gestaltete Zeichnungen von Annika Huskamp ersparen viele Worte und machen die Inhalte leicht verständlich. Mittlerweile gibt es die Webseite auf Englisch, Französisch, Polnisch und Rumänisch. Übersetzungen auf Portugiesisch und Chinesisch sind in Arbeit.
Im Frühjahr 2014 ging das Projekt in die nächste Phase: Der erste „Kleine Weltacker“ an der Havel wurde angelegt. Er zeigte proportional, womit die 1,4 Milliarden Hektar Ackerland global bestellt sind: über die Hälfte Getreide, nur zehn Prozent Gemüse und Obst. Dazwischen liegen Ölsaaten, Fasern, Erdfrüchte, Zucker, Gewürze und Drogen. Aussaat, Pflege und Ernte waren Anlass für öffentliche Veranstaltungen auf dem Acker. Auf der Webseite und in den sozialen Medien konnte der Fortgang im Lauf des Jahres verfolgt werden.


Ein Mensch – ein Jahr – ein Acker
Dabei tauchte immer wieder die Frage auf: Wie viel Land verbrauche ich eigentlich für meine eigene Ernährung? 2015 startet die Zukunftsstiftung Landwirtschaft ihr zweites Berliner Experiment. Öffentlich wird sich ein Mensch ein Jahr lang von dem 2000 m2-Weltacker  ernähren und dabei noch allerlei Gäste bewirten. Ein wenig Überschuss wird für den Tausch von wichtigen Lebensmitteln produziert, die in Berlin nicht wachsen können – Pfeffer und Kaffee zum Beispiel. Eine Arbeitsgruppe von ExpertInnen und Freiwilligen hat schon mit den Vorbereitungen begonnen; ein Koch und eine Gärtnerin betreuen das Projekt. Die Wintersaat ist bereits in der Erde.
Das Projekt hat im Laufe des ersten Testjahres viel Interesse geweckt bei Medien, Schulen, Initiativen und Bildungseinrichtungen. Das Umweltministerium hat das Projekt zur Eröffnung des UN-Jahres des Bodens 2015 eingeladen. In den nächsten Jahren sollen sich an möglichst vielen verschiedenen Orten weitere 2000 m2-Initiativen entwickeln.


Dafür möchten die Organisatoren gerne mit weiteren Schulen, Höfen, Gärten und Universitäten zusammenarbeiten. Auch jenseits der deutschen Grenzen: In Griechenland und Schweden gibt es schon Felder, auch in China soll bald ein Weltacker gedeihen. Auf der Webseite sollen alle Initiativen ihren Acker und verschiedenen Ansätze präsentieren können und darüber miteinander ins Gespräch kommen.


Denn für 2000 m2 Verantwortung zu übernehmen ist machbar – das ganze Elend dieser Welt auf seine Schultern zu laden, nicht. Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft will entmutigend groß erscheinenden Problemen ein menschliches Maß geben, sie bearbeitbar machen.


Benedikt Haerlin und Luise Körner
Zukunftsstiftung Landwirtschaft
Marienstr. 19-20, 10117 Berlin, Tel. +49 (0)30 / 27590309
E-Mail: Carla@2000m2.eu

www.2000m2.eu
www.arc2020.eu

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