Birgit Paulsen

Liebe Birgit, du hast schon an einigen Fronten bei der ANU mitgemischt, z.B. im Projekt ANU 2000 oder als Redakteurin des ANU Infodienstes. Wir freuen uns, von deinen Erinnerungen an die Jahre zwischen 2000 und 2010 zu hören. 

1. Von welchen Meilensteinen oder Anekdoten aus dieser Zeit kannst du uns berichten?

Für den Job bei der ANU musste ich ja nach Bayern ziehen. Für mich als Niedersächsin, die in Berlin studiert hat, war ein „Meilenstein der Erkenntnis“ dann tatsächlich, dass in Bayern Engagement für die Umwelt und Blasmusik mit Bier kein Widerspruch sind – aber das war ja eher eine persönliche kulturelle Erfahrung. 
Ich denke, Meilensteine waren damals tatsächlich die Ergänzung der Internetseite um BNE-Inhalte (vorher eher nur Vernetzung) und die Weiterführung der Vernetzung. Heute ist dieser tägliche (Informations-)Austausch selbstverständlich. Damals war das eben eher noch relativ neu. Beispiele guter Praxis stehen heute im Internet. Wir haben damals Broschüren erstellt und per Post verschickt. Zum Projektabschluss waren wir für damalige Verhältnisse richtig innovativ und haben zum Thema BNE in der außerschulischen Umweltbildung eine sehr schöne CD Rom mit Beispielen guter Praxis, Methoden, Tagungsdokumentationen usw. erstellt.

2. Welche Bedeutung hatte das Thema BNE in dieser Zeit für die ANU und ihre Mitglieder?

Ich denke, dass das Projekt ANU 2000 der Auftakt für die ANU und für viele Umweltzentren war, sich intensiv mit BNE auseinanderzusetzen. Bei vielen Bildungseinrichtungen lag der Fokus bis dahin auf der Naturpädagogik. Die erste große ANU 2000 Tagung hatte daher auch ganz bewusst  Naturpädagogik und BNE zum Thema. Wir wollten erst einmal schauen, wo wir mit neuen Themen und Methoden an den Arbeitsalltag der Umweltzentren anknüpfen können. Wir haben beispielsweise „neue“ Themen wie nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung, Energie oder Mobilität in den Fokus genommen.  In Workshops konnten die Landesverbände neue Methoden wie  Planspiele ausprobieren und auf der Abschlusstagung haben wir das Thema Qualitätsmanagement in der Umweltbildung diskutiert. Das vielfältige Themenspektrum der Umweltzentren und die Methodenvielfalt zeigen, dass BNE inzwischen bei vielen Einrichtungen Alltag ist.

Das Projekt ANU 2000 war auch für die ANU als Verband sicherlich der Auftakt für die intensive Auseinandersetzung mit der Agenda 21 und den sich daraus ergebenen Herausforderungen für die Gesellschaft. „Gestaltungskompetenz“ als Ziel der Umweltbildung hat viel in Bewegung gebracht. Das Nachfolgeprojekt von ANU 2000 hat sich daher damit beschäftig, wie Umweltzentren und Nachhaltigkeitsinitiativen als neue soziale Kraft durch vertiefte Kooperation und Vernetzung mit Unternehmen, Schulen, Vereinen etc. Nachhaltigkeit im Alltag fördern können.

Auch in punkto Qualitätsmanagement ist zwischen 2000 und 2010 viel entstanden. Es wurden beispielsweise unter Mitarbeit von ANU-Akteur*innen Qualitätssiegel für Umweltbildungseinrichtungen erarbeitet, die es bis heute  in den meisten Bundesländern gibt.

3. Welche Unterstützung konnte die ANU den Umweltbildungseinrichtungen damals geben, um ihre Rolle innerhalb der Gesellschaft zu stärken?

Die ANU und insbesondere die Landesverbände haben in den 2000er Jahren durch gute Vernetzungsarbeit einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass Umweltbildungseinrichtungen in der Gesellschaft, aber auch in der Politik besser wahrgenommen werden. Inzwischen ist die ANU in einigen Ländern beratend tätig in Richtung politischer Entscheidungen, die die Umweltbildung betreffen. Zum Beispiel bei der Vergabe von Qualitätssiegeln oder  wie z.B. in Bayern,  wenn es um die Vergabe von Projektmitteln des Umweltministeriums geht.