Lernbereich Globale Entwicklung erweitert

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat am 11. Juni die die Neuausgabe des „Orientierungsrahmens für den Lernbereich Globale Entwicklung im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung“ verabschiedet. Sie berücksichtigt nunmehr nahezu alle Fächer der Primarstufe und Sekundarstufe I und fokussiert stärker als vorher auf Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern. 

Dem KMK-Orientierungsrahmen geht es um Impulse und Hilfen für eine konsequentere und schnellere Orientierung von Lernen, Bildung und Erziehung an den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. Er will dazu beitragen, dass dafür früh und umfassend lebenslange Lernprozesse angestoßen werden. In einer Zeit großer globaler Herausforderungen gelte es sicherzustellen, dass Bildungsqualität das Fundament nachhaltiger Entwicklung ausmacht und die Voraussetzungen für eine Transformation in eine zukunftsfähige Gesellschaft stärkt. Der Orientierungsrahmen ist bereits auf die neuen Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen ausgerichtet und unterstützt im Hinblick auf das 2015 begonnene BNE-Weltaktionsprogramm die nationale Strategie „Vom Projekt zur Struktur“.

Das über 500 Seiten umfassende Handbuch ist das Ergebnis einer gemeinsamen Initiative der KMK und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie einer mehrjährigen Zusammenarbeit von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Fachleuten. Die Neuauflage richtet sich mit ihrer verstärkten Praxisorientierung mehr noch als bisher direkt an die schulischen Akteure und ihre Kooperationspartner. Die kompetenzorientierten Unterrichtsbeispiele der neu aufgenommenen Fächer geben Anregungen, wie diese Ziele in der Praxis erreicht werden können.

Der Lernbereich Globale Entwicklung befördert ein integratives Verständnis der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), wobei es nicht um eine Verschmelzung der Schwerpunkte von Globalem Lernen, Umweltbildung und Interkultureller Erziehung geht, sondern um Vielfalt und eine wirkungsvollere Vernetzung. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass das zentrale Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in der Bildung – anders als in der Politik – nicht primär als ein normatives Nachhaltigkeitsparadigma im Sinne von Leitplanken und wünschenswerten Verhaltensmustern zu verstehen ist, sondern in Lernprozessen Orientierung für Analyse, Bewerten und Handeln gibt.

Zugänge für Umweltbildung

Der Orientierungsrahmen benennt elf Kernkompetenzen in den miteinander verflochtenen Bereichen Erkennen – Bewerten – Handeln, auf die sich die für den Lernbereich relevanten (Teil-)Kompetenzen der Fächer beziehen. Kompetenzen werden im Lernprozess an Inhalten erworben, die als ein prinzipiell offener Katalog von 21 relevanten Themenbereichen benannt werden. Darunter auch solche, die der Umweltbildung zuzuordnen sind, wie Landwirtschaft und Ernährung (5), Schutz und Nutzung natürlicher Ressourcen und Energiegewinnung (9) oder globale Umweltveränderungen (11). Der didaktische Ansatz zur Erreichung dieser Ziele ist durch fünf Leitideen geprägt:

Nachhaltige Entwicklung wird dabei nicht mit Wachstum gleichgesetzt, sondern als zukunftsfähige Entwicklung von Lebensqualität für alle verstanden unter Berücksichtigung ökologischer Rahmenbedingungen. Die Widersprüche der Lebenswelt sollen nicht verdeckt, sondern erfahrbar und für die eigene Positionierung und das eigene Handeln erschlossen werden. Inhaltlich knüpft der Lernbereich auch an die virulenten Themen der Medien und Sozialen Netzwerke an. Es geht um die Risiken der Überschreitung planetarischer Grenzen, die Auswirkungen von Armut, wachsende Ungleichheit, gewalttätige Konflikte und Kriege sowie die Verletzung vereinbarter Menschenrechte und die Möglichkeiten der nachhaltigen Gestaltung der eigenen Zukunft.

Partnerschaften mit deutlichem Mehrwert

In zahlreichen Beispielen wird die wachsende Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes (whole institution approach) und die Verzahnung von Kernunterricht mit unterrichtsergänzenden Partnerschaften, sozialen, ökologischen und kulturellen Aktivitäten betont. Nicht zuletzt, weil sich bei der Untersuchung der Umsetzung der ersten Ausgabe des Orientierungsrahmens (2007) zeigt, dass die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen einen deutlichen Mehrwert für den schulischen Unterricht darstellt.

Der neue Orientierungsrahmen Globale Entwicklung greift damit die Kritik am Bildungssystem und seiner zögerlichen Anpassung an (global-)gesellschaftliche Anforderungen auf und öffnet sich mehr denn je der Zusammenarbeit mit Partnern, die Fachkenntnisse und neue Perspektiven in den Lernprozess einbringen.

www.globaleslernen.de