Nachhaltige Entwicklung - Bildung - Schlüssel zur Zukunft

Bislang wird der Nachhaltigkeitsdiskurs kaum von der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen. In dieser Situation kommt der schulischen und außerschulischen Bildung eine Schlüsselrolle zu. Die Agenda 21 fordert, das Leitbild einer zukunftsfähigen Entwicklung in allen Bildungsbereichen zu verankern. Zehn Jahre nach Rio sind die meisten Länder weit von diesem Ziel entfernt.

Zu diesem Ergebnis kommen der Deutsche Naturschutzring (DNR) und der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) in ihrem jüngst veröffentlichten Bilanz- und Positionspapier "Zehn Jahre Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland aus der Sicht umwelt- und entwicklungspolitischer Organisationen".

Reform in den Köpfen

Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen, Verwirklichung der Menschenrechte, Beseitigung der Armut und Schaffung eines nachhaltigen Interessenausgleiches zwischen Nord und Süd sind Aufgaben, zu deren Bewältigung die Menschen "Gestaltungskompetenzen" benötigen. Darunter versteht man kognitive, soziale und emotionale Kompetenzen. Die anstehenden Weichenstellungen setzen nicht nur die Zustimmung, sondern vor allem die aktive und engagierte Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger voraus. Im Sinne lebenslangen Lernens müssen Inhalte, Methoden, innovative Strukturen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung Eingang in die Aus- und Weiterbildungsangebote aller Berufszweige finden. Doch in der Arbeit des Rates für Nachhaltige Entwicklung findet die Bildungspolitik bislang keine nennenswerte Beachtung.

Global lernen

Entwicklungs- und Umweltorganisationen blicken in diesen Feldern auf langjährige Erfahrungen zurück. Die Mitgliedsverbände des DNR erreichen allein im umweltpolitischen Bereich jährlich immerhin über 7,5 Millionen Menschen. Dagegen hat die entwicklungspolitische Bildung beziehungsweise das Globale Lernen in weiten Bereichen noch nicht den Umfang und das professionelle Niveau der Umweltbildung erreicht. Wichtige Handlungsfelder wie globale Gerechtigkeit, internationale Solidarität und Generationen-Gerechtigkeit werden nach wie vor weitgehend vernachlässigt.

Zehn Forderungen zur Bildung

DNR und VENRO fordern deshalb zur Umsetzung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland die Berücksichtigung folgender zehn Punkte:
1. Bildung am Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten
2. Nicht mehr, sondern eine andere Bildung
3. Die Zivilgesellschaft bei der Gestaltung der Bildungspolitik beteiligen
4. Verknüpfung formaler Bildung mit außerschulischen Aktivitäten erleichtern
5. Finanzierung der Bildungsarbeit von NRO auf sichere Füße stellen
6. Nachhaltigkeit in der Aus- und Fortbildung aller Berufszweige verankern
7. Bildung - ein Thema für den Rat für Nachhaltige Entwicklung
8. Ein nationales Forum für zukunftsfähige Bildung einsetzen
9. Bildung für alle
10. Die Bildungszusammenarbeit mit den Ländern des Südens stärken

Bildungsthemen stärken

Vielleicht gelingt es, dank der politischen Bedeutung der beiden Verbände, dem Thema Bildung mehr Gewicht in der Mitte April 2002 vom Bundeskabinett verabschiedeten nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zu verleihen. Zwar wird hier die Bildung als eines der acht Schwerpunktthemen genannt - im Wesentlichen wird aber nur gefordert, die Nachhaltigkeit verstärkt in alle Bildungsbereiche zu integrieren. Der für den Bildungsbereich ausgewählte Indikator "Bildung und Qualifikation kontinuierlich verbessern" (Ausbildungsabschlüsse der 25-jährigen beziehungsweise Studienanfängerquote) sagt nichts über die Bildungsinhalte und deren Nähe zum Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung aus. Auch spielt in der gesamten Strategie die internationale Dimension der Nachhaltigkeit nur eine untergeordnete Rolle.
Das jetzt vorliegende Positionspapier ist das erste gemeinsame bildungspolitische Positionspapier beider Dachverbände und Trägerorganisationen des Forums Umwelt und Entwicklung. Es dokumentiert deutlich die Bedeutung, die beide Verbände einer Bildung für nachhaltige Entwicklung beimessen.

BEZUG: Deutscher Naturschutzring (DNR), Klaus Hübner, Am Michaelshof 8-10, D-53177 Bonn, Fax ++49/(0)228/359096, E-Mail info(at)dnr.de, www.dnr.de