Umweltwissen - Deutsche Bürger überschätzen sich

Im Auftrag des Dualen Systems hat das Meinungsforschungsinstitut Allensbach das Umweltwissen bei mehr als 2.000 Menschen über 16 Jahren untersucht. 62 Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich danach als "sehr stark" oder "stark" interessiert am Umweltschutz. Gleichzeitig ergibt die Studie, dass viele sich informiert fühlen, ohne es tatsächlich zu sein. Hier zeigen sich die zukünftigen Aufgaben für die Umweltbildung.

Das Interesse der deutschen Bevölkerung an Umweltthemen stagnierte in den letzten zwei, drei Jahren. Bei den jüngeren Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren ist es unterdurchschnittlich ausgeprägt. Dennoch plädiert eine satte Zweidrittelmehrheit in der Bevölkerung dafür, Kinder schon frühzeitig über Umweltprobleme aufzuklären. Fast die Hälfte aller Menschen beurteilt ihr eigenes Wissen als mangelhaft. Überdurchschnittliche Defizite räumen vor allem ältere BundesbürgerInnen ein und - interessanterweise - auch die Menschen unter 30 Jahren, obwohl noch keine Generation vor ihnen so viele Anregungen für umweltbewusstes Verhalten in den Medien, im Elternhaus und im Schulunterricht bekam. Nach Auskunft von fast 75 Prozent dieser jüngeren Befragten wird Umweltthemen an vielen Schulen offensichtlich noch immer wenig Bedeutung beigemessen.

Nur vages Wissen vorhanden

Das Interesse vieler Menschen ist sicherlich auch wegen aktueller Ereignisse wie der Hochwasserkatastrophe an der Elbe auf Themen wie Klimawandel, erneuerbare Energien oder Wasserqualität gerichtet. Am unteren Ende der Skala rangieren Artenschutz, Waldschutz oder gar Abfallentsorgung, wo sich die meisten Menschen ausreichend informiert fühlen. Das Wissen über konkrete umweltrelevante Dinge, zum Beispiel die richtige Abfalltrennung, ist dabei wesentlich höher als zu abstrakten Begriffen wie etwa "Agenda 21". Viele Einschätzungen gehen jedoch an der Wirklichkeit vorbei. So wird zum Beispiel der Wasserverbrauch pro Kopf deutlich unterschätzt, während der Anteil regenerativer Energien an der gesamten Stromerzeugung deutlich überschätzt wird.

Bekannte Umweltsymbole

Einige Umweltzeichen, darunter der Grüne Punkt oder der Blaue Engel, sind weitgehend bekannt und werden richtig zugeordnet. Vom Öko-Siegel oder dem Bio-Siegel haben zwar auch viele Menschen schon einmal gehört, nach der konkreten Bedeutung gefragt, können sie aber keine Auskunft geben. Personen, die ihr Umweltwissen als "sehr gut" oder "gut" einschätzen, schneiden bei den Wissenstests nur wenig besser ab. Selbstüberschätzung überwiegt. Die größte Glaubwürdigkeit misst die Bevölkerung Greenpeace oder den Verbraucherverbänden bei, gefolgt von den Umweltverbänden BUND und NABU. Am wenigsten vertraut sie auf Informationen von Parteien und Großunternehmen.

Gesetze statt Selbstverpflichtungen

Nach Eindruck jedes zweiten Arbeitnehmers wird in seinem Unternehmen "sehr großer" oder "großer" Wert auf Umweltschutz gelegt. ArbeitnehmerInnen, die im Betrieb Missstände aufdecken, rechnen eher mit einer Belohnung als mit Sanktionen. Dennoch misstrauen große Teile der Bevölkerung den freiwilligen Selbstverpflichtungen der Wirtschaft. 68 Prozent fordern Gesetze für den Umweltschutz in Unternehmen. Nach Ansicht der Bevölkerung nutzen die Umweltauflagen der Wirtschaft eher, als dass sie ihr schaden.

Daueraufgabe Umweltbildung

In der Bundesrepublik wurden in den letzten Jahren hohe Umweltstandards erreicht. Jetzt besteht die Tendenz, sich beruhigt auf dem Erreichten auszuruhen. Tatsächlich ist man aber von einer Lösung der Umweltprobleme noch weit entfernt. Umweltschutz ist gerade für ein Industrieland wie Deutschland eine zentrale und dauerhafte Aufgabe für die Zukunft, die am besten über Umwelterziehung und Umweltbildung gelöst werden kann. Die Umweltstudie gibt auch konkrete Hinweise für Verbesserungen bei der Umwelterziehung sowie bei der Medienberichterstattung über Umweltthemen.

Kontakt: Duales System Deutschland, Dr. Heike Schiffler, Fon ++49/(0)2203-9372-60, Fax -61, E-Mail pressestelle(at)gruener-punkt.de, www.gruener-punkt.de