UMWELTBILDUNG MIT QUALITÄT - Qualitätsmanagement als Chance für Umweltzentren

Vom 23.- 24. April 2002 fand in Rothenburg o. d. Tauber die dritte bundesweite Tagung des Projektes ANU 2000 statt, die gemeinsam mit der Ökologischen Akademie Linden organisiert und durchgeführt wurde. Die Tagung ermöglichte den Teilnehmenden aus der Umweltbildung, sich über Qualitätsmanagement-Modelle und über Schritte zur Umsetzung in den eigenen Einrichtungen zu informieren sowie über Qualität in der Umweltbildung zu diskutieren.

QM-Modelle für Bildungseinrichtungen

"Im Bildungsbereich haben sich Qualitätsmanagament-Verfahren (QM) bewährt, die auf das sogenannte "EFQM-Modell" zurückgehen. Wer sich an einem solchen Modell, dass für Bildungseinrichtungen bereits mehrfach modifiziert wurde, orientiert, macht erst mal nichts falsch" so Christiane Liebald im Eröffnungsvortrag zur Tagung. Egal mit welchem Modell man arbeitet, Qualitätsmanagement besteht immer aus ähnlichen Schritten, die Monika Bobzien vom Selbsthilfezentrum in München vorstellte. Dazu gehören u.a: Leitbildentwicklung, Formulierung von Qualitätszielen und -standards, Erstellung einer Ist-Analyse, Entwickeln eines QM - Handbuches und die Evaluation. Wichtig für den Erfolg von QM ist, dass alle Mitarbeitenden in den Prozess einbezogen werden.

Mut zum eigenen Tempo

Von dem umfangreich erscheinenden Qualitätsmanagement-Kreislauf sollte man sich nicht abschrecken lassen. "Einfach anfangen - egal wo!", so Monika Bobzien in einer Arbeitsgruppe, die sich an kleinere Einrichtungen richtete. "Wir sind gerade in einer Phase, wo wir in neun Ordnern alles sammeln, was es an formulierten Verfahrensabläufen gibt" berichtete Frau Abel von der VHS Ottobrunn. Auch die kleinen scheinbar banalen Dinge sind es, auf die es ganz wesentlich ankommt: Wer sorgt dafür, dass abends abgeschlossen wird? Wie schnell und von wem werden Anfragen beantwortet? In welcher Form berichten Mitarbeitende dem Team von besuchten Fortbildungen? Wie sieht ein Standard-Evaluationsbogen für ein Seminar aus? Welche Fragen gehören zum Einarbeitungs-Check für Zivildienstleistende? Sind die Ordner gut gefüllt, geht es daran zusammenzufassen und Schritte zur Verbesserung zu entwickeln, um "die Stärken zu stärken und die Schwächen zu schwächen".
Nicht nur zur Legitimation nach Außen, sondern auch als konkrete Arbeitshilfe für die Mitarbeitenden wird ein Qualitätshandbuch erstellt. Ein Kreislauf ständiger Verbesserungen wird nun in Gang gebracht. Dabei verändert sich die Organisation und auch inhaltliche Ziele werden neu formuliert.
"Qualitätsmanagement zu machen kostet Zeit", wie Udo Borkenstein vom regionalen Umweltzentrum Schortens aus eigener Erfahrung berichtete. "Zeit nehmen lohnt sich aber". Arbeitsstrukturen festzulegen, Ziele zu formulieren usw. führt bei der alltäglichen Arbeit nicht nur zu mehr Effizienz, sondern auch zu größerer Mitarbeiterzufriedenheit.

QUALITÄTSKRITERIEN FORMULIEREN

Bei der Verbesserung der Arbeitsprozesse wollten es die anwesenden UmweltpädagogInnen aber nicht belassen - großer Diskussionsbedarf bestand zum Thema, was denn "gute" Qualität in der Umweltbildung inhaltlich bedeutet, und vor allen Dingen, wie man dies überprüfen kann. U.a. am Beispiel von Kriterien einer Bildung für nachhaltige Entwicklung - z.B. Partizipation - wurde das Arbeiten mit überprüfbaren Kriterien erprobt und diskutiert. Auf gemeinsame Kriterien für "gute" Qualität konnten sich die Teilnehmenden dabei nicht einigen. Das es aber sinnvoll ist, überhaupt Kriterien zu formulieren, um damit die eigene Arbeit besser reflektieren zu können, darüber waren sich alle einig.

Der ANU als Dachverband verbleibt nun, die angefangene Diskussion über Qualitätsmanagement, Qualitätskriterien und Qualitätssiegel weiterzuführen. Angesichts der Heterogenität der Umweltbildungseinrichtungen ist dies keine leichte Aufgabe. Die Entwicklung eines "Gütesiegels" für Umweltbildung kann möglicherweise über Minimalstandards nicht hinausgehen. Dass bei einem solchen Diskussionsprozess die Einrichtungen beteiligt werden müssen, wurde in der abschließenden Fish-Bowl-Runde besprochen. Die Vortragstexte und Ergebnisse der Tagung sowie weitere Infos zum Qualitätsmanagement findet man unter www.anu2000.de.

Kontakt: ANU 2000, Annette Dieckmann/Birgit Paulsen, Eisvogelweg 1, D-91161 Hilpoltstein, Fon ++49/(0)9164/4775.79, Fax .75, E-Mail info(at)anu2000.de, www.anu2000.de

Tipps zum Thema:
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: "Materialien zur Qualitätssicherung in der Kinder- und Jugendhilfe". Empfehlenswerte Broschüren zur Qualitätssicherung, Evaluation, Selbstevaluation usw. Kostenlos als Download unter www.bmfsfj.de.
- Bundesverband für Umweltberatung e.V./Stiftung Verbraucherinstitut/Umweltberatung Nordost e.V. (Hrsg.): "Erfolg durch Qualität. Qualitätsmanagement für die Umweltberatung". Heft mit CD-ROM. Theorie zu QM, umfassende praktische Tipps, Vorlagen für verschiedene Schritte des QMs und zur Evaluation. Bezug: Bundesverband für Umweltberatung e.V., Bornstraße 12/13, 28195 Bremen, 0421/3434400, bfubev(at)t-online.de.