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Juni 2022: Klimaneutrale Schulen
Ausgabe Nr. 320
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Fortschritt durch Netzwerken - Schulen als Akteure in ihrer Stadt
Die Thematisierung des Klimawandels und die Aufgabe klimaneutral zu werden, stellen Schulen vor besondere Herausforderungen. Häufig fehlt es in Schulen schon an der personellen Ausstattung zur Umsetzung, oft aber auch an dem fachlichen Know-how zum Thema. Zudem gibt es organisatorische Herausforderungen wie eine oft fehlende Kooperationsstruktur mit externen Akteur*innen. Zwar kooperieren Schulen punktuell mit externen Partner*innen wie Naturpädagog*innen, Gartenarbeitsschulen und vielen anderen Anbieter*innen von Klima- und Umweltbildung. Häufig ist dies aber eher an den Interessen einzelner Lehrkräfte orientiert und weder langfristig, noch strukturell in den Schulen verankert. Hier gilt es anzusetzen und Schulen zu professionalisieren.
Im vorherigen Artikel wurde aufgezeigt, welche Verantwortung einerseits und welche Fülle an Aufgaben andererseits an Schulen herangetragen werden.Allerdings sind Schulen meist nicht eigenständig in der Lage, klimaneutral zu werden oder in naher Zukunft eigenständig Fahrpläne für eine klimaneutrale Zukunft ihrer Institution zu entwickeln. Vor dieser komplexen Aufgabe zu stehen, kann sogar demotivierend wirken. Wo fangen wir an, was ist wichtig? Schaffen wir das schnell genug? Sind wir dafür überhaupt verantwortlich. Wenn ja, wer kümmert sich dann um die Umsetzung?
Darüber hinaus kämpfen nahezu alle Schulen mit chronischer personeller Unterbesetzung. Für außerschulische Bildungspartner*innen ist es deshalb schwer, einen verlässlichen Kontakt und langfristige Kooperationen aufzubauen. Klimaschutzprojekte finden immer als „extra“ zum regulären Unterricht statt. Häufig gibt es zwar eine Lehrkraft, die sich dem Thema Klimaschutz annimmt. Doch dies neben der geforderten Lehrtätigkeit und für ein Kollegium mit teils über hundert Lehrkräften anzugehen, ist eine Mammutaufgabe. Wie kann dieser Prozess also in Gang gebracht und unterstützt werden?
Zunächst muss dem Thema in der Schulorganisation der richtige Stellenwert gegeben werden. Dann braucht es, um die Schulen wirklich zum Handeln zu bewegen, personelle und fachliche Unterstützung sowie eine interne strukturelle Professionalisierung. Schulen sollten ihre Abläufe überprüfen, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) übergreifend in ihren Angeboten verankern und das Thema Klimaschutz somit nicht mehr nur dem Zufall überlassen. Da Klimaneutralität ein übergeordnetes, für die Gesamtgesellschaft immens wichtiges Ziel ist, gilt es hier umzudenken und Schulen neu aufzustellen. Aus diesem Grund ist das Projekt KlimaVisionen nicht darauf ausgelegt, einfach nur einige Workshops anzubieten und die Schulen danach sich selbst zu überlassen, sondern viel breiter gedacht. Ein Projekt muss Struktur werden. Einzelne Maßnahmen gilt es zu verstetigen. Die mit den Schulen jeweils entwickelte Roadmap ordnet und priorisiert die Vielzahl der Aufgaben und kann der Schule helfen, Ziele leichter in die Tat umzusetzen. Viele der Aufgaben, die sich aus den Roadmaps ergeben, bzw. Entwicklungen, die sich die Schulgemeinschaften wünschen, sind dennoch nicht einfach alleine zu bewältigen. Daher ist es wichtig, mit außerschulischen Akteur*innen zu kooperieren, sich zu vernetzen und gemeinsam die notwendigen Maßnahmen zu planen. Dabei zu bedenken ist, dass der Weg zur Klimaneutralität ein Prozess ist, der deutlich länger als nur ein Schuljahr dauert.
Im Umfeld der Schulen gibt es bereits zahlreiche Initiativen, Projekte, Vereine und pädagogische Angebote, die die Schulen unterstützen können. Diese kommen aber meist ungeordnet in der Schule an und versanden dadurch. Das Projekt KlimaVisionen übernimmt hier Arbeit für die Schulen und zeigt auf, wie sie sich auch über Klimaneutralität hinaus besser aufstellen können. So können sie beispielsweise Kontakte knüpfen, um zukünftig die Schulkantine umzustellen, den Schulgarten umzubauen, klimaneutrale Mobilität zu fördern oder ihre pädagogischen Angebote auszubauen. Dies geschieht über regelmäßige Veranstaltungen und Netzwerktreffen, aber auch zentrale gemeinsame Klimaaktionstage, an denen Schulen präsentieren können, welche Maßnahmen sie bereits umgesetzt haben.
Auch die Initiative „Schule im Aufbruch“ zeigt seit vielen Jahren, wie eine zukunftsfähige Schulkultur aussehen und gestaltet werden kann. Die Transformation der Gesellschaft erfordert auch die Transformation der Schule. Dem Netzwerken und den Kooperationen mit außerschulischen Partnern kommt dabei eine sehr bedeutende Rolle zu. Wenn sich viele tausend Schulen in Deutschland auf den Weg machen, ist es wichtig, das gewonnene Erfahrungswissen zu teilen. So kann auch aus Fehlern gelernt werden und es können gemeinsam Lösungen gefunden werden, wie die Schule von morgen aussehen und gute Praxis in die Breite gebracht werden kann.
Neben der konkreten Unterstützung der Schulen müssen wir aber auch die Schulträger in die Pflicht nehmen. Schulen brauchen bessere personelle Ausstattung, um die Vielzahl an Aufgaben koordinieren zu können. Außerdem muss in den Bereichen, die die Schule nicht selbst beeinflussen kann, viel mehr geschehen. Großen Handlungsbedarf gibt es beispielsweise beim Heizungsbau, der energetischen Sanierung, der Fassadendämmung und -begrünung sowie dem Einsatz von erneuerbaren Energien.
Letztlich ist dafür der Auf- und Ausbau von lokalen Bildungslandschaften notwendig, in denen Schulen als entscheidende Akteure dazu beitragen, in Kooperation mit anderen, Klimabildung und BNE vor Ort langfristig zu verankern und zu fördern.
Kontakt:
Florian Kliche, Projektleitung KlimaVisionen
E-Mail: florian.kliche@ufu.de
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