Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ)

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Februar 2020: Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ)
Ausgabe Nr. 306

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Titelthema

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ)


Das FÖJ hat sich in über 30 Jahren von einem Pionierprojekt der Umweltbildung zu einem bundesweit einzigartigen Format der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) entwickelt. Dementsprechend ist es das Anliegen, die Freiwilligen zur aktiven Gestaltung einer ökologisch, wirtschaftlich, sozial und (inter-) kulturell zukunftsfähigen Gesellschaft zu befähigen. Jungen Menschen werden durch vielfältige Impulse im Laufe ihres FÖJs umfassende Kompetenzen vermittelt, die helfen, globale Zusammenhänge zu verstehen und das eigene Handeln im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung zu sehen. Dabei ist das FÖJ in seiner Gesamtheit mit seinem Zusammenspiel aus Freiwilligen, Einsatzstellen und Trägerorganisationen als Bildung für nachhaltige Entwicklung gesellschaftlich anerkannt.

Im FÖJ arbeiten Freiwillige, Einsatzstellen und Träger auf sehr unterschiedlichen Ebenen zu Themen nachhaltiger Entwicklung. Sie verknüpfen diese durch ihre enge Kooperation und Zusammenarbeit. Die jeweiligen Schnittstellen bieten dabei hervorragende formale und non-formale Lernfelder im Sinne einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung.

Freiwillige – Einsatzstellen: Praxisorientierte Lernfelder

Die Freiwilligen im FÖJ erfahren in ihren Einsatzstellen gelebte nachhaltige Arbeits-praxis. Die Einsatzstellen, die im praktischen Natur- und Umweltschutz tätig sind bzw. zukunftsfähige Lebenskonzepte in die Gesellschaft hineintragen, bieten hierzu ein aktives und authentisches Lernumfeld. Je nach Einsatzgebieten, die von klassischer Umweltbildung über Nachhaltigkeits-projekte, Planungsbüros, und Landschaftspflege bis hin zu ökologischem Landbau und Tierschutz reichen, werden jeweilige Aspekte mit Höhen und Tiefen, Leichtigkeit und Anspruch praktisch erfahren. Dabei wird das eigene Handeln und Bewerten herausgefordert. Durch die Anleiter*innen und Kolleg*innen vor Ort werden die Freiwilligen fachlich begleitet. Dank der Rückmeldungen zu und des Austauschs über ihre Arbeit erkennen die Freiwilligen ihren Einfluss auf verschiedenen Ebenen, regional bis global. Die jungen Menschen bringen durch ihren frischen, manchmal kritischen Blick von außen ihrerseits neue und belebende Elemente der Nachhaltigkeit als Impulse in die Einsatzstellen ein.

Einsatzstellen – Träger: Netzwerke für Nachhaltigkeit

Träger und Einsatzstellen arbeiten in einem Netzwerk eng zusammen. Durch rege Kommunikation und Austausch, nicht nur über die Freiwilligen, sondern auch über allgemein wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit in der jeweiligen Region tragen sie aktuelle, politische und gesellschaftliche Entwicklungen in die Bildungslandschaften hinein. Viele Einsatzstellen erfahren über die Zusammenarbeit mit dem Träger voneinander und bekommen so die Gelegenheit, auch über das FÖJ hinaus in der Region im Sinne der Nachhaltigkeit zu wirken.

Träger – Freiwillige: BNE in Gemeinschaft erfahren

Die Freiwilligen treffen sich in festen Seminargruppen zu mehrtägigen Seminaren und weiteren Bildungstagen. Dort wird gemeinsam die tägliche Arbeit reflektiert und verschiedenste Themen der nachhaltigen Entwicklung werden vertiefend diskutiert und gelebt. Die FÖJ-Referent*innen der Träger stehen den Teilnehmenden in persönlichen Gesprächen zur Seite.

Partizipation ist dabei ein besonders wichtiger Aspekt. Die Träger bieten den Freiwilligen einen großen Gestaltungsfreiraum bei der Planung und Durchführung der Seminare. Die Themen können je nach Interessenslage der jeweiligen Gruppe unterschiedlichste Aspekte von Ökologie, Ökonomie, Politik und Gesellschaft beleuchten. Die Art und Weise, wie sie methodisch aufbereitet werden, sind darauf angelegt, Gestaltungs- und Handlungskompetenz im Sinne einer BNE zu vermitteln. Angelehnt an die jeweiligen Themen werden eigene Handlungsmuster überdacht und deren Konsequenzen auf regionaler bis globaler Ebene aufgezeigt, neue Impulse nachhaltigen Lebens vorgestellt und direkt erprobt. Das FÖJ wird zum sozialen Begegnungsraum aller gesellschaftlichen Facetten, u.a. durch ein möglichst hohes Maß an Diversität seitens der Teilnehmenden und Einsatzstellen.

Langzeitwirkung des FÖJ

In über drei Jahrzehnten Bildungsarbeit im FÖJ ist in Erfahrungsberichten, Verbleibstudien und wissenschaftlichen Evaluationen immer wieder deutlich geworden, wie gewinnbringend das FÖJ im Zusammenspiel der täglichen Praxis in den Einsatzstellen und der begleitenden Bildungsseminare ist. Die Evaluationsstudie der Freiwilligendienste von 2012 durch das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH bestätigt dies. Sie zeigt anhand verschiedener abgefragter Kriterien, wie ein FÖJ zu einem handlungsorientierten Verständnis von Nachhaltigkeit führt. Mittlerweile werden die Sichtweisen und das Engagement ehemaliger FÖJ-Teilnehmender an vielen gesellschaftlich relevanten Stellen wirksam. Der Freiwilligendienst ermöglicht also erwiesenermaßen sowohl eine bedeutsame persönliche Entwicklung als auch berufliche Orientierung.

Nachfrage höher als Zahl der Plätze

In den meisten Bundesländern wächst die Nachfrage nach dem FÖJ weiterhin und nach wie vor können viele Interessierte keinen Platz bekommen. Das Engagement- und Bildungsangebot findet in den Bedürfnissen der jungen Generation seine Entsprechung: nach der Schule etwas Praktisches tun, dem Gefühl nachkommen „gebraucht zu werden“, dem täglichen Handeln einen Sinn geben, Orientierung finden, eigene Ideen einbringen, Selbstwirksamkeit spüren, Gemeinschaft erleben und an einem Prozess mitwirken, der uns allen eine lebenswerte Zukunft geben kann. Das FÖJ trifft auch heute noch den Puls der Zeit.

Kontakt:

Birgitt Fitschen
Ökologische Freiwilligendienste im Jugendpfarramt in der Nordkirche
fitschen@anu.de

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