Ein Jahr Landwirtschaft Live

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Februar 2020: Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ)
Ausgabe Nr. 306

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Blickpunkt

Ein Jahr Landwirtschaft Live


Der Jugend-Naturschutz-Hof Ringstedtenhof ist ein außerschulischer Lernort, der die reale Arbeitswelt eines landwirtschaftlichen Betriebes, der nach BIOLAND-Richtlinien geführt wird, als Grundlage für die pädagogische Arbeit nutzt. Themen sind ökologische Landwirtschaft, gesunde Ernährung, Naturerleben und Naturschutz. Während der Schulzeit kommen regelmäßig Kindergärten und Schulklassen aller Altersstufen für ein bis fünf Tage vormittags auf den Hof, um ökologische Landwirtschaft zu erleben. Der Hof ist ein NUN zertifiziertes Bildungszentrum für „Bildung für nachhaltige Entwicklung" des Landes Schleswig-Holstein.

Jedes Jahr können bei Ihnen drei junge Menschen ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren. Was erwartet sie?

Bei uns erwartet die FÖJ‘lerInnen ein lebendiges, kreatives und erlebnisvolles Jahr. Es gibt den jungen Menschen die Chance, für ihre persönliche und berufliche Orientierung Erfahrungen in der ökologischen Landwirtschaft, im Naturschutz und in der Bildung für Nachhaltige Entwicklung zu machen. Sie bekommen dadurch Zugänge zu Bildungs- und Nachhaltigkeitsthemen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dieses Jahr bei den meisten AbsolventInnen unglaublich prägend für ihr restliches Leben ist und für uns jedes Jahr wieder eine außerordentliche Bereicherung unserer Arbeit.

Welche Elemente einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung erleben FÖJler*innen bei Ihnen besonders? Welche Kompetenzen sind Ihnen wichtig zu vermitteln?

Da unser gesamtes pädagogische Angebot unter der Prämisse von BNE steht, erfahren die jungen Menschen, die bei uns ein FÖJ absolvieren ganz direkt, wie dieser pädagogische Ansatz wirkt. Sie können tagtäglich das Zusammenspiel der verschiedenen Dimensionen erleben, dadurch, dass die pädagogische Arbeit auf einem realen, ökologisch bewirtschafteten Landwirtschaftsbetrieb stattfindet. Partizipation und selbständiges Handeln stehen bei uns ganz oben bei der Anleitung der FÖJ’lerInnen. Wir verfolgen einen Whole Institution Approach, sodass die jungen Menschen im Laufe des Jahres verstehen, dass man nachhaltiges Handeln nur vermitteln kann, wenn man es auch selber lebt. Es ist uns sehr wichtig, dass die FÖJ’lerInnen vollwertige Mitglieder des Teams sind, die an allen Sitzungen teilnehmen können sowie gleiches Mitsprache- und Entscheidungsrecht haben. Veränderungswünsche und Vorschläge der TeilnehmerInnen sind erwünscht und werden ernst genommen. Da sich alle sehr bewusst sind, dass „frischer Wind in den Segeln“ und neue Ideen immer von Vorteil sind. Wir möchten sie am Ende des Jahres gestärkt und mit klaren Bild, wie ihr Weg in eine zukunftsfähige Welt aussehen muss verabschieden können.

Seit wann ist der Jugend-Naturschutz-Hof Ringstedtenhof zertifiziert und welche Erfahrungen haben Sie mit der NUN-Zertifizierung gemacht, gute wie herausfordernde?

Der JNH Ringstedtenhof ist seit 2005 als Bildungseinrichtung für Nachhaltigkeit des Landes Schleswig-Holstein zertifiziert. Seit 2019 sind wir als Bildungszentrum für Nachhaltigkeit anerkannt. Wir sehen die Zertifizierung sehr positiv und vorteilhaft. Die Zertifizierung hat großen Anteil daran, dass wir professioneller in unserer Organisation und Weiterentwicklung geworden sind. Nicht zuletzt deshalb haben wir in den letzten Jahren viel Anerkennung bekommen: 2014 den Nachhaltigkeitspreis Zeitzeichen N, 2016 waren wir Werkstatt N Projekt des Deutschen Nachhaltigkeisrates, einer der ersten „ausgezeichneten Lernorte“ der Bundesregierung im Rahmen des Weltaktionsprogrammes und nominiert für den deutschen Engagementpreis. Das hätten wir ohne die Zertifizierung so nicht erreicht. Bei der Akquise von Stiftungen und Spendern für neue Projekte erweist sich das Zertifikat als nützlicher Türöffner. Zum einen als Nachweis für die Qualität unserer Angebote; die Geldgeber müssen nicht lange darüber nachdenken, ob unsere Arbeit qualifiziert genug ist, um gefördert zu werden. Zum anderen, weil viele der geforderten Formalien durch den Zertifizierungsprozess bereits vorhanden sind. 

Haben sich Ablauf und Ausrichtung des FÖJs seit der NUN-Zertifizierung geändert?

Es ist unsere feste Überzeugung, dass unsere pädagogische Arbeit schon BNE war, bevor es so genannt wurde. Von daher hat sich seit der Zertifizierung für den Ablauf und Ausrichtung des FÖJ’s nur insofern etwas verändert, dass wir im Zuge unserer Professionalisierung öfter interne Fortbildung explizit zum Thema BNE anbieten, an denen natürlich auch die FÖJ’ler teilnehmen.

Kontakt:

Landwege e.V.
Jugend-Naturschutz-Hof Ringstedtenhof
Vorrader Straße 81
23560 Lübeck
Tel.: 04 51 – 522 12
E-Mail: info@vereinlandwege.de

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