Klimabildung in Hessen

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Dezember 2019: Bildungslandschaften
Ausgabe Nr. 305

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Blickpunkt

Klimabildung in Hessen


Im integrierten Klimaschutzplan Hessen 2025 (IKSP) spielt Bildung als prioritäre und übergreifende Maßnahme eine große Rolle. Alle Projekte zur Klima- und Ernährungsbildung werden dabei am Leitbild von BNE ausgerichtet. Die ANU Hessen ist hier Partner des Landes.  

Die vielfältigen BNE-Programme und Strukturen in Hessen erfahren durch die Klimabildung im Rahmen des IKSP eine Ausweitung und inhaltliche Fortentwicklung. Mit dem Klimaschutzplan werden diese nun hessenweit in die Breite getragen und verstetigt. Aber es werden auch neue Ansätze entwickelt und neue Akteure einbezogen, etwa in der Zusammenarbeit mit der Energieberatung oder in der Ernährungsbildung. Im Bereich der Klimabildung fördert der IKSP das Schuljahr der Nachhaltigkeit (SdN) sowohl für die Primarstufe als auch für die Sekundarstufe I, die Lernwerkstatt Klimawandel für die Sekundarstufe I sowie ein Pilotprojekt zur Kooperation von Klimabildung und Energieberatung.

Projektträger für die vier Klimabildungsprojekte sind die ANU Hessen und zwei Umweltbildungszentren. In die Durchführung werden alle hessischen Umweltbildungszentren aus dem Programm Umweltschule und die regionalen BNE-Netzwerke einbezogen. Die Klimabildungsprojekte laufen von 2018 bis zunächst 2021 und werden vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz finanziert. In der Ernährungsbildung werden für Schulen zahlreiche Projekte zum nachhaltigen Ernährungsverhalten etabliert. Und auch das Netzwerk hessischer Schulgärten macht sich auf den Weg zu Klimaschutz und Klimawandelanpassung. Das breite Spektrum von Themen und Bildungsakteuren soll dabei helfen, Klimabildung in Hessen dauerhaft zu verankern – vom Projekt zur Struktur, von der pädagogischen Nische zum Mainstream.

Das seit 2014 für Grundschulen etablierte Schuljahr der Nachhaltigkeit Primar (SdN Primar) wird aus den bisherigen Modellregionen in die Breite getragen. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Umweltzentren führen gemeinsam mit den Lehrkräften Lernwerkstätten zu Themen wie Klimaschutz, Energie und Ernährung in der Schule durch. Zusätzlich werden Fortbildungen und Beratungen zur BNE angeboten und die Schulen können sich praxiserprobte Lernwerkstatt-Materialkisten ausleihen. Mit diesen Materialien entdecken die Kinder den Treibhauseffekt anhand eines Legebilds und experimentieren zur Wärmewirkung von CO2, zur Eisschmelze und zum Meeresspiegelanstieg. So werden die Folgen des Klimawandels erfahrbar. In einer weiteren Lernwerkstatt des SdN überprüfen sie die Lagerung von Lebensmitteln zu Hause. In der Schule vertiefen sie ihre Kenntnisse zu Saisonalität und Regionalität von Lebensmitteln, zum Konsum tierischer Produkte und zum fairen Handel. Ziel ist, dass die Schulen ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten auf den gesamten Schulbetrieb ausweiten und damit über den Unterricht hinaus einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten.

In einem Pilotprojekt mit sechs Schulen verschiedener Schulformen wird getestet, wie sich das Schuljahr der Nachhaltigkeit auf die 6. und 7. Klassen der Sekundarstufe I ausweiten lässt: Jeweils ein gesamter Jahrgang einer Schule setzt sich mit Energie, Mobilität oder Ernährung und ihren Auswirkungen auf das Klima auseinander. Die Jugendlichen befassen sich mit der Veränderung des Verkehrs im Laufe der Geschichte und entwickeln gemeinsam Ideen für eine Mobilität der Zukunft. Sie ziehen eine CO2-Bilanz ihrer Lieblingsgerichte und hinterfragen so ihre Ernährungsgewohnheiten. Ergänzend gibt es wie beim SdN Primar Fortbildungen für Lehrkräfte und Beratungen für Schulen.

Die modular aufgebaute Lernwerkstatt Klimawandel für die 8. bis 10. Klassen der Sekundarstufe I beschäftigt sich mit Klimaschutz, naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels, seinen Folgen und möglichen Anpassungsstrategien. Die Jugendlichen erarbeiten im Zusammenspiel mit externen Umweltpädagoginnen und -pädagogen in naturwissenschaftlichen Experimenten den Unterschied von Wetter und Klima und „erspielen“ die Wirkung von Kohlendioxid beim Treibhauseffekt mit eigens dafür entwickelten Klimaflippern. Globale Aspekte, die Auswirkungen auf Hessen und den persönlichen Lebensstil haben, werden in den Blick genommen. Hinzugezogen werden dazu auch die regionalisierten Daten des Fachzentrums Klimawandel und Anpassung.

Im Rahmen der Ernährungsbildung wird das Landesprogramm „Bauernhof als Klassenzimmer“ durch Fortbildungen für Landwirtinnen und Landwirte zu Klimaschutz auf dem eigenen Betrieb und zu BNE weiterentwickelt. Die Teilnahme daran und die Ausarbeitung eines hofspezifischen Klimabildungskonzepts sind die Voraussetzung für die finanzielle Förderung der Schulbesuche durch das Umweltministerium. Auch die Werkstatt Ernährung für die Sekundarstufe I und der Ernährungsführerschein, der gemeinsam mit dem hessischen Landfrauenverband für Grundschulen angeboten wird, sind um BNE- und Klimaschutzinhalte erweitert worden.

Das Netzwerk Schulgarten – Bildungsräume für nachhaltige Entwicklung – bietet neben Anregungen für BNE-Unterricht im Schulgarten, Bildungsmaterialien und praktischen Gartentipps auch Fortbildungen unter anderem zu Klimaschutz, Biodiversität und Ernährung im Schulgarten an. Regelmäßige Rundbriefe sowie eine Internetseite mit Forum für Austausch und Vernetzung runden das Angebot ab.

Informationen zu Klimabildung in Hessen und zur Qualitätsentwicklung (s. Themenseite) sowie umfangreiche Materialien zum Download finden sich unter www.klimabildung-hessen.de

Silvia Fengler, Referatsleiterin I 3 B „Aus- und Fortbildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung“, Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV)

Koordinator/Koordinatorin der Maßnahmen zur Klimabildung im Rahmen des IKSP: Andreas Öhlschläger, HMUKLV,
E-Mail: andreas.oehlschlaeger(at)umwelt.hessen.de,

Isabel Häfner, ANU Hessen e.V.,
E-Mail: isabel.haefner(at)anu-hessen.de

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