Klimafreundliches Essen in Bildungseinrichtungen

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November 2019: Ernährung und Klimaschutz
Ausgabe Nr. 304

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Titelthema - Ernährung und Klimaschutz

Klimafreundliches Essen in Bildungseinrichtungen


Allzu oft klafft eine Lücke zwischen Klimawissen und klimagerechtem Handeln, so auch im Bereich Ernährung. Fünf außerschulische Bildungseinrichtungen, von der Nordsee bis ins Rheinland, bieten ihren BesucherInnen deshalb gezielt klimafreundliche Gerichte an. Kommunikation und Marketing spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Viele Menschen sind sich der Gefahren und Folgen des Klimawandels bewusst. Nicht nur in außerschulischen Bildungsorten lernen sie die Problematik kennen. Der Weg zur Verhaltensänderung ist jedoch lang. Wissen allein reicht meist nicht aus. Im Alltag werden wohlbekannte Verhaltensmuster beibehalten. Und beim nächsten Hunger erhält das bekannte, aber oftmals klimaschädlichere Menü doch den Vorzug gegenüber einer klimafreundlichen Alternative. Das Netzwerk „BildungszentrenKlimaschutz“ möchte diesen Konflikt im Rahmen des Projektsegmentes „Klimafreundliche Gastronomie“ lösen. Mithilfe von Werbemaßnahmen sollen KonsumentInnen auf ein klimafreundliches Essen eingestimmt werden. Im Fokus stehen dabei außerschulische Bildungseinrichtungen, deren BesucherInnen motiviert werden sollen, klimafreundliche Gerichte zu bestellen. Denn die Entscheidung, was wir essen, wird sowohl durch den Genuss als auch durch Kommunikation und Marketing im Vorfeld bestimmt.

Testphase soll Lust auf Neues machen

Vom 1. April bis zum 31. Dezember 2019 befassen sich fünf verschiedene Bildungseinrichtungen aus ganz Deutschland mit den Feinheiten erfolgreichen Gastro-Marketings. Gemeinsam entwickeln sie Werbestrategien und testen sie in ihren Bistros, Imbissen und Restaurants. Wichtig dabei ist, dass solche Kommunikationsmaßnahmen nicht an erster Stelle „bildend“ sind, sondern schlichtweg den Fokus auf Neues richten und Lust auf das Produkt machen. Denn in erster Linie gilt in der Gastronomie, dass Gäste genussvoll essen wollen. Sie wollen weder mit Informationen überschwemmt noch belehrt werden. Daher stehen auch nicht der Klimabezug und die Mission der Bildungseinrichtung im Vordergrund, sondern die Bedürfnisse des Gastes. Ein geschicktes „Wording“ bei Formulierungen von Werbemaßnahmen bedient diese Bedürfnisse, unterstreicht den Erlebniswert eines Produktes und spricht Lösungen sowie Lebensgefühle an.

Humor, die Nutzung von Adjektiven und ein kreativer Name für die Gerichte zählen dabei genauso zu den Zutaten erfolgreichen Wordings wie das Erzählen einer verlockenden Geschichte rund um das Produkt. So werden aus den für viele Zielgruppen unattraktiven „vegetarischen Klimafrikadellen“ beispielsweise „Bergische Gemüsebällchen nach Art des Hauses“. „Gegrilltes Gemüse“ wird umformuliert in „mediterranes Gartenfest“ und kommt so dem Bedürfnis des Gastes nach Urlaub entgegen. Solche Formulierungen lassen verlockende Bilder im Kopf entstehen, machen den Gast neugierig und animieren schlussendlich zum Bestellen eines klimafreundlichen Gerichts.(1)

Im Sektor Ernährung das Klima schützen

Doch welche Rolle spielt Ernährung beim Thema Klimawandel? Der Sektor Ernährung trägt mit 23 Prozent zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Sie entstehen auf dem Acker, bei der Verarbeitung und beim Transport bis in die Küche. Darüber hinaus werden durch einen übermäßigen Konsum und das Wegwerfen von Lebensmitteln weitere Ressourcen verschwendet.(2)

Das Klima wiederum beeinflusst unser Essen und hat Auswirkungen auf unsere Lebensmittelversorgung: Dürren und andere Extremwetterereignisse häufen sich, die Wahrscheinlichkeit von Missernten ist erhöht und die Qualität des Ertrages verschlechtert.(3) Eine klimafreundliche Ernährung jedoch, bestehend aus saisonalen und regionalen Produkten, weniger Fleisch und vorwiegend Biolebensmitteln, reduziert CO2-Emissionen.

Alle fünf teilnehmenden Bildungseinrichtungen – das Naturerbe Zentrum Rügen, das NABU-Erlebniszentrum Blumberger Mühle in Brandenburg, das Erlebniszentrum Naturgewalten auf Sylt, die Jugendherberge Lindlar und das NaturGut Ophoven als Projektleitung – haben daher als ersten Maßnahmenschritt die Klimafreundlichkeit ihrer Speisekarten analysiert und optimiert. Auf diese Weise sind neue klimafreundliche Gerichte entstanden. In einem weiteren Schritt haben die Lernorte in Rücksprache mit Werbeexperten Marketingmaßnahmen entwickelt, um den Verkauf der Klimagerichte zu befördern. Diese wurden pilothaft in den jeweiligen Einrichtungen getestet und anschließend hinsichtlich ihrer Wirkung ausgewertet (siehe Blickpunkt, S. 30).

Links und Literatur:

(1) Schwarz, Valerija (2018): Erfolgreicher mit Neuromarketing: Wie die Gastronomie das Unterbewusstsein von Gästen nutzen kann. URL: https://blog.gastromatic.de/neuromarketing-gastronomie-erfolg/ [Stand 13.09.2019]

(2) IPCC (2019): Climate Change and Land – Summary for
Policymakers: www.ipcc.ch/site/assets/uploads/
2019/08/Edited-SPM_Approved_Microsite_FINAL.pdf
[Stand 13.09.2019]. Dtsch. Übersetzung/Hauptaussa­gen: www.de-ipcc.de/media/content/Hauptaussagen_SRCCL.pdf

(3) www.16bildungszentrenklimaschutz.de

Kontakt: Christoph Hoppe ist Projektmitarbeiter beim
Förderverein NaturGut Ophoven, Leverkusen.
E-Mail: christoph.hoppe(at)naturgut-ophoven.de,
www.16bildungszentrenklimaschutz.de

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