Kommune als Lernort

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Oktober 2019: Schüler*innenbeteiligung
Ausgabe Nr. 303

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Titelthema - Schüler*innenbeteiligung

Kommune als Lernort


Das Projekt „Lernort Kommune für Klimaschutz“ (LeKoKli) soll das Interesse junger Menschen an ihrer Kommune und deren Aktivitäten in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit fördern. Kooperativ erkunden die Beteiligten aus Schule und Kommune die Möglichkeiten, Chancen sowie Grenzen der Kommune als „Lernort“. Eine gute Grundlage hierfür bietet der von der Kultusministerkonferenz entwickelte „Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung“ (2016).

In verschiedenen Veranstaltungsformaten haben die Projektbeteiligten über die Hürden, mögliche Ansätzen, Ideen und Impulse für eine SchülerInnenbeteiligung an kommunalen Entwicklungsprozessen reflektiert. In den Fokusgruppen und Reallaboren waren 18 Lehrkräfte aus 13 Schulen, 156 SchülerInnen, 16 kommunale VertreterInnen sowie 9 externe BildungspartnerInnen beteiligt. Hinzu kamen als erweitertes Fachpublikum über 300 Teilnehmende der Werkstätten und Fachtagungen. Während der Veranstaltungen wurden folgende zentrale Erkenntnisse gesammelt:

Was wünschen sich die SchülerInnen (SuS)?

Die Erwachsenen sollten persönlich und in ihrer jeweiligen Funktion als Vorbilder dienen. SuS wünschen sich eine stärkere Beachtung ihrer Interessen und sind motivierter, wenn in der Schule Fragen und Probleme aus ihrem persönlichen Lebens­umfeld behandelt werden: Themen wie Mobilität von Jugendlichen (vor allem im ländlichen Raum) oder Entwicklung von Quartieren in den Städten können in der Schule zu einem höheren Engagement von Jugendlichen führen. Dabei wird ein wertschätzender Umgang zwischen allen Beteiligten gewünscht, auch im Verhältnis zu den MitarbeiterInnen der Kommunalverwaltung.

Was ist aus schulischer Sicht wichtig?

Die in Schulen Wirkenden sollten über (aktuelle) kommunale Prozesse, Konzepte und Planungen informiert sein, um mögliche inhaltliche Ansätze einer projektbezogenen Zusammenarbeit zu erkennen und diese in den Kontext der Fächer und Altersstufen einordnen zu können. Innerhalb der Institution Schule ist eine Abstimmung und Verankerung über die Schulgremien wichtig (Schulprofil/Schulprogramm), damit möglichst viele Lehrkräfte motiviert sind, sich aktiv an der Projektumsetzung zu beteiligen, und der Aufwand in einem angemessenen Rahmen bleibt. Ein fächerübergreifender Ansatz ist wünschenswert, um Sachfragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Der damit verbundene Mehraufwand kann durch jährlich wiederkehrende Projekte, die diesen Austausch standardisieren und zu einer Routine werden lassen, reduziert werden.

Was ist aus Sicht der Kommunalverwaltung wichtig?

Für MitarbeiterInnen der Verwaltung ist es wichtig, die Strukturen in Schulen zu kennen und diese gezielt nutzen zu können: Zentrales Instrument der Schulentwicklung ist das Konferenzsystem, über das alle relevanten Entscheidungen erfolgen. Das Wissen um mögliche inhaltliche Ansätze einer Zusammenarbeit mit Schulen im Rahmen von Lehrplänen und Curricula ermöglicht es, Lehrkräfte gezielt anzusprechen und in gemeinsame Projekte einzubinden. Die Öffnung von Verwaltung hin zu einer aktiven Zusammenarbeit mit Schulen wird durch die bisherige Verwaltungsroutine nicht unbedingt gefördert. Unterstützt und befördert werden kann diese Öffnung von kommunalpolitischer Seite (zum Beispiel Ratsbeschlüsse/BürgermeisterIn) auch durch Stärkung der Jugendbeteiligung (Jugendparlamente) und durch die aktive Implementierung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung zum Beispiel im Kontext von Klimaschutzkonzepten.

Was ist für die partnerschaftliche Zusammenarbeit wichtig?

Ein regelmäßiger Austausch untereinander ermöglicht eine frühzeitige Abstimmung und Planung. Das ist gerade vor dem Hintergrund unterschiedlicher Entwicklungsgeschwindigkeiten in schulischen und kommunalen Prozessen unabdingbar. Da die personellen Kapazitäten meist weder in der Schule noch in der Verwaltung ausreichen, um eine Zusammenarbeit professionell zu initiieren und zu gestalten, bietet sich an, vorhandene Strukturen zu nutzen, die diese Aufgabe übernehmen können, zum Beispiel externe Bildungsanbieter.

Impulsgeber

Die Erkenntnisse aus den verschiedenen Projektphasen werden in einem impulsgebenden Leitfaden zusammengeführt, der neben motivierenden Komponenten die wichtigsten fachlichen Hintergrundinformationen beinhaltet. Die Onlineversion ist als „living document“ geplant, in die auch die fachliche Expertise des jeweiligen Diskussionsstandes einfließen und somit aktuelle Entwicklungen aufgegriffen werden können. Der Impulsgeber soll den InteressentInnen praktische Anleitungen geben, sich mit ihrer jeweiligen Perspektive „auf den Weg“ machen zu können und dabei die verschiedenen Aspekte einer Zusammenarbeit zwischen Schulen und Kommune zu erkennen und zu berücksichtigen.

Dipl.-Päd. Dirk Schröder-Brandi, Multiplikator für Bildung für nachhaltige Entwicklung, Projektleiter im Energie- und Umweltzentrum am Deister e.V. und Mitarbeiter von RENN.nord
E-Mail: schroeder-brandi(at)e-u-z.de,
www.e-u-z.de/projekt_lekokli.html

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