Jugendliche wollen eine lebenswerte Zukunft gestalten!

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ökopädNEWS
Oktober 2019: Schüler*innenbeteiligung
Ausgabe Nr. 303

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Blickpunkt

Jugendliche wollen eine lebenswerte Zukunft gestalten!


Die inzwischen weltweite Bewegung „Fridays for Future“ zeigt, dass es Jugendlichen sehr ernst ist mit einer positiven Perspektive für ihre persönliche Zukunft. Und sie haben recht, wenn sie uns Erwachsenen die Verantwortung dafür zuschreiben, dass unser bisheriges (globales) Handeln nicht wirklich Anlass zu Optimismus gibt. 

Die an dem Projekt LekoKli beteiligten Kommunen und Schulen wurden innerhalb eines Schuljahres aktiv vom Projektteam begleitet. In insgesamt elf Fokusgruppen und sechs Reallaboren wurde zusammen mit SchülerInnen (SuS), Lehrkräften, außerschulischen Bildungspartnern, VerwaltungsmitarbeiterInnen oder kommunalen KlimaschutzmanagerInnen überlegt, welche Themen auf kommunaler Ebene aktuell und perspektivisch bearbeitet werden, die auch in den schulischen Kontext einfließen könnten. Die Teilnehmenden waren häufig überrascht, wie viele inhaltliche Schnittmengen sich offenbarten.

Koordinierung paralleler, aber vorher unabhängiger Prozesse

Wie wichtig ein regelmäßiger Austausch ist, zeigte sich in den Reallaboren vor Ort: Vielfach gab es thematisch relevante Prozesse in der Kommune, die einfach nur zeitlich mit parallel laufenden schulischen Inhalten koordiniert werden mussten, um SuS partizipieren lassen zu können. So hatte eine Kommune das Überplanungsverfahren eines Kohlekonversionsgebietes eingeleitet. Dabei wurde zeitlich parallel, aber inhaltlich unabhängig vonseiten externer Bildungspartner eine große Schülerwerkstatt geplant. Durch die Zusammenarbeit im LekoKli-Projekt wurden die möglichen Synergieeffekte offenbar und so konnten diese Prozesse in der Folge zusammengeführt werden: Die mehrtägige Schülerwerkstatt mit 80 SuS befasste sich unter anderem mit der Frage, welche Ideen diese in Bezug auf die Konversionsfläche haben. Die Impulse und Ideen der SchülerInnen wurden dann der Politik (Landrat/Bürgermeister) präsentiert und diskutiert.

Nutzung inhaltlicher Synergieeffekte

Häufig reicht allein die gegenseitige Kenntnis von jeweiligen Aktivitäten in Kommune und Schule(n), damit eine Zusammenarbeit gelingt. So wurden in einer Kommune vorhandene inhaltliche Bezüge im Kontext einer Gewässerrenaturierung mit schulischen Aktivitäten zusammengeführt. Da die beteiligte Schule direkt an diesem Gewässer liegt, konnten die SuS im Rahmen eines Neigungskurses eigene Ideen entwickeln, wie sie diese Thematik bearbeiten wollten. Die Formate reichten von Gewässeruntersuchungen über Recherchen zu Tier- und Pflanzenwelt bis hin zu einem begleitenden Videoprojekt (Dokumentierung des Projektes, Interviews, Öffentlichkeitsarbeit). In einem anderen Beispiel wurden SuS aktiv in die kommunale Konzeptentwicklung und Planung im Kontext von Energie- und Klimaschutz-, Mobilitäts- und Stadtentwicklungsprozessen einbezogen. Dieser lebensweltliche Bezug von Unterricht kann bei den SchülerInnen das Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken und deren Verständnis und Interesse für unsere demokratische Kultur wecken.

Schulinterne Entwicklungsprozesse

Die curricularen Vorgaben und die schulischen Formate (zum Beispiel Fachunterricht/Kurse/Projektarbeit) lassen durchaus Spielraum für die Bearbeitung von Themen aus dem kommunalen Raum. Daher ist es wichtig, die entsprechenden Rahmenbedingungen innerhalb der jeweiligen Schule daraufhin zu überprüfen, wo diese Möglichkeiten schon bestehen und schon wahrgenommen werden könnten.

So wurde in einer beteiligten Schule die kontinuierliche Zusammenarbeit mit einer Klimaschutzleitstelle (zum Beispiel im Rahmen von Projektwochen und Unterrichtseinheiten) in das Schulprogramm formuliert und operationalisiert. In einem anderen Fall ist die Schule dabei, sich in Richtung eines gebundenen Ganztagsbetriebes zu entwickeln – im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Einbeziehung außerschulischer Bildungspartner

In wohl allen Bundesländern gibt es professionelle Bildungsanbieter, die eng mit Schulen zusammenarbeiten – sei es in der aufsuchenden Bildungsarbeit oder der stationären, außerschulischen Bildung. Der Vorteil dieser freien Bildungsanbieter liegt darin, dass sie nicht an curriculare „Zwänge“ gebunden sind, sondern viel eher den Ansatz einer Bildung für nachhaltige Entwicklung oder einer transformativen Bildung verfolgen und umsetzen können. Vor diesem Hintergrund sind sie ideale PartnerInnen, neue Impulse in Schulen hineinzugeben, die Zusammenarbeit aber auch qualifiziert zu begleiten, da die schulischen und kommunalen Beteiligten kaum zusätzliche Kapazitäten haben, diese selber zu gestalten. Als Beispiel für eine mögliche externe Begleitung entsprechender Prozesse mögen die BNE Regionalzentren in NRW oder anerkannte außerschulische BNE-Lernorte sein. Viele dieser Lernorte sind Teil des Netzwerks der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) und können über deren Webseite gefunden werden (www.umweltbildung.de). Die Mitarbeitenden in diesen Strukturen sind gut qualifiziert, um diese Aufgaben übernehmen zu können. Die Erfahrungen der Reallabore zeigen, dass es „Kümmerer“ bedarf, die den Beteiligungsansatz von SchülerInnen ggf. auch in laufende kommunale Prozesse aktiv einbringen können. Darüber hinaus gibt es sicher weitere Beteiligte, die diese Prozesse steuern könnten.

Fazit

Viele Schulen haben sich bereits auf den Weg gemacht, die auch im LeKoKli-Projekt gewonnenen Erkenntnisse aufzunehmen und werden dabei von Netzwerken unterstützt: „Schule der Zukunft“, „Umweltschule in Europa“, „Unesco-Projektschulen“ oder „Schule im Aufbruch“ stehen hier synonym für die vielen regionalen, länder- und bundesweiten Netzwerke, die Schulen auf ihrem Entwicklungsweg begleiten. Kommunen öffnen sich ebenfalls immer stärker einer an BNE orientierten Zusammenarbeit und werden darin ebenfalls von übergreifenden Strukturen unterstützt wie zum Beispiel den Netzwerken der KlimaschutzmanagerInnen, dem Partnernetzwerk der BNE-Kommunen sowie den Angeboten der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW).

Dipl.-Päd. Dirk Schröder-Brandi, Multiplikator für Bildung für nachhaltige Entwicklung, Leiter im Energie- und Umweltzentrum am Deister e.V. und Mitarbeiter von RENN.nord,
E-Mail: schroeder-brandi(at)e-u-z.de, www.e-u-z.de/projekt_lekokli.html

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