Herausforderungen bei Beteiligung und Wirkungserfassung

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April 2019: Beteiligung
Ausgabe Nr. 298

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Blickpunkt

Herausforderungen bei Beteiligung und Wirkungserfassung


Bei der Beteiligung von jungen Menschen an der Konzeption von Umweltbildungsangeboten gilt es, manche Details zu beachten. Teils sind der Partizipation beziehungsweise der Berücksichtigung der Ergebnisse aus Beteiligungsprozessen und der Wirkungsmessung von BNE-Angeboten sogar Grenzen gesetzt.

Bei der Planung von BNE-Projekten sind sowohl Analysen des Kontextes, in dem das Projekt stattfinden soll, als auch Recherchen zu den Zielgruppen von großer Bedeutung. Fördernde und hemmende Einflüsse können hierdurch besser berücksichtigt, angemessene Ziele klarer formuliert, Aktivitäten geplant und Indikatoren sowie Instrumente zur Erfassung der Zielerreichung festgelegt werden. Darüber hinaus sollten die Zielgruppen aber auch direkt einbezogen werden, damit sie ihre Interessen und Bedürfnisse selbst einbringen und einen stärkeren Bezug zu ihren Lebenswelten herstellen können.

Hierfür eignen sich Beteiligungsverfahren, zum Beispiel in Form von Zukunftswerkstätten oder Design-Thinking-Formaten, die sowohl mit Kindern im Grundschulalter als auch mit Jugendlichen umgesetzt werden können. Im Rahmen dieser Beteiligungsformate, die auch im Vorhaben „Beteiligung und Wirkung“ des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen e.V. (UfU) realisiert wurden, können Kinder und Jugendliche eigene Projekte entwickeln, die sie im Kontext der Umweltbildung bzw. der BNE spannend finden. Beim „Design Thinking“ werden Projekte beziehungsweise Projektideen speziell für sogenannte „Personas“, also von den Teilnehmenden selbst entwickelte, fiktive Typen einer Zielgruppe erdacht. Bei der Methode der Zukunftswerkstatt konzentrieren sich die Kinder und Jugendlichen wiederum auf die Entwicklung von Projekten für die eigene Zielgruppe. In der Zukunftswerkstatt können durch die drei nacheinander folgenden Phasen der Kritik- und Beschwerdephase, der Fantasie- und Utopiephase und der Realisierungsphase zunächst Informationen darüber gesammelt werden, was Kinder und Jugendliche an der derzeitigen Umweltsituation in ihrer Umgebung oder Region stört. Die Fantasie- und Utopiephase hingegen ermöglicht einen Einblick in die Wünsche und kreativen Vorstellungen der jungen Menschen und eine positive Wendung der zuvor geäußerten Kritik. Besonders die Kreativphasen im Kontext der Design-Thinking-Methode („Thinking with your hands“) und der Zukunftswerkstatt machen den Kindern und Jugendlichen erfahrungsgemäß großen Spaß. Sie ermöglichen die Entfaltung eines grundlegenden Interesses sowie die Entwicklung von persönlichen Bezügen zu den Inhalten und Zielen von Projekten im Kontext der Umweltbildung und der BNE. Mit der Methodik der Zukunftswerkstatt lassen sich in der Realisierungsphase eigene große Visionen in handhabbare und kleinere Zielsetzungen mit konkreten ersten Umsetzungsschritten überführen.

Wesentliche Herausforderungen bestehen in der Praxis jedoch sowohl in der differenzierten sozialen Kontextanalyse als auch hinsichtlich der Beteiligungsprozesse von Kindern und Jugendlichen. So gibt es einen Widerspruch zwischen dem Wunsch von Fördermittelgebenden nach Beteiligung von Zielgruppen und dem Anspruch, Projektanträge so zu gestalten, dass ein detaillierter Projektverlauf mit konkreten Zielen für mehrere Jahre im Voraus festgelegt wird. Beteiligung in Projekten bzw. deren Veränderung benötigt eine gewisse Ergebnisoffenheit und ein flexibles Vorgehen. Administrativ führt dies aber derzeit durch Umwidmungsanträge, Umwidmungsprüfungen und durch neue Bewilligungsbescheide zu erheblichen administrativen Anforderungen und zeitlichen Aufwänden. Dies motiviert nicht zu einem flexiblen Vorgehen und hier bedarf es auch auf administrativer Ebene flexibler und angemessener Verfahren.

Neben der Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in die Konzeption von Umweltbildungsprojekten beschäftigte sich das UfU in einem zweiten Schritt mit der zielgruppengerechten Wirkungsmessung verschiedener Umweltbildungsangebote. Hierzu wurde zunächst eine Bestandsaufnahme der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirkungsmessung im Bereich Umweltbildung durchgeführt und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Praxis diskutiert. Zudem wurde die Perspektive der Praxisakteurinnen und -akteure, die sich den Herausforderungen der Wirkungsmessung bei der Umsetzung von Angeboten der Umweltbildung immer wieder stellen müssen, gesondert berücksichtigt. Es fanden in mehreren Regionen Deutschlands Workshops statt, um die Erfahrungen und Ansichten der Akteurinnen und Akteure in Bezug auf die Wirkungsmessung mit verschiedenen Methoden zusammenzutragen.

Wirkungsanalysen sind unter den Umweltbildungsexpertinnen und -experten, die längerfristige Projekte durchführen, als unabdingbarer Bestandteil eines Projekts anerkannt. Kurzfristige Abfragen durch Fragebögen, die Fünf-Finger-Methode oder das Dartscheibenfeedback eignen sich hervorragend nach Projekttagen oder auch -wochen. Langfristige Evaluationen und Wirkungsanalysen hingegen sind der Bestandteil eines vermeintlich erfolgreich durchgeführten Projekts, der jedoch grundsätzlich als Erstes bei Personalmangel oder -überlastung, zu geringen finanziellen Ressourcen und zu wenig Kenntnissen über echte evaluatorische Ansätze gestrichen wird. Einige wenige BNE-Akteure gehen aber einen Weg als Pioniere auf diesem Gebiet. Dazu zählen die GemüseAckerdemie und BildungsCent.

Als eine Herausforderung zeigte sich zudem, dass eine reine Projektfinanzierung eine fundierte Wirkungsanalyse erschwert, denn die Wirkung fängt zumeist erst dort an, wo das Projekt endet. Auch eine positiv bewertete Wirkungsanalyse führt derzeit in der Regel nicht dazu, dass Projekte verstetigt werden. Häufig bleibt es bei einer weiteren Projektfinanzierung. Für eine gute Wirkungsorientierung bedarf es entsprechender Analysen und eines guten Verständnisses der Bedürfnisse der Zielgruppe, die aber im Rahmen nicht finanzierter Projektanträge von projektfinanzierungsabhängigen Trägern nicht mehr geleistet werden können. Um der Forderung „Vom Projekt zur Struktur“ Rechnung zu tragen, müssen also auch derzeitige Förderbedingungen überdacht und angepasst werden!

Eine Dokumentation der Abschlusskonferenz des Projektes „Beteiligung und Wirkung – Zielgruppengerechte Methodik und Wirkungsmessung in der Umweltbildung“ befindet sich unter www.kurzlink.de/BeteiligungWirkung.

Wer die noch folgenden fünf Maßnahmenpapiere erhalten möchte, kann sich an Dr. Dino Laufer oder Ulrike Koch wenden.

Dr. Dino Laufer und Ulrike Koch,
Unabhängiges Institut für Umweltfragen e.V.,
E-Mail: dino.laufer(at)ufu.de, ulrike.koch(at)ufu.de,
www.ufu.de

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