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Februar 2019: BNE und kulturelle Bildung
Ausgabe Nr. 296

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Titelthema - BNE und kulturelle Bildung

KunstWerkZukunft


Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene regen mit ihren Kunstwerken im öffentlichen Raum einen Diskurs über nachhaltige Lebensstile an. Das war das Ziel von Akteuren der Umweltbildung mit ihrer bayernweiten Aktion „KunstWerkZukunft“. Die jungen Kunstschaffenden haben sich über ihre Lebensweisen, ihre Werte und ihre Zukunft Gedanken gemacht und sie in Filmen, Plastiken, Gedichten, Gemälden, Theaterstücken und vielen anderen Formen öffentlich dargestellt.

Die Schönheiten der Natur und die Verantwortung der Menschen für die Eine Welt als buntes, beeindruckendes Gemälde an der Außenmauer eines Freizeit-Treffs; der „Plastik-Planet“ – eine Großskulptur aus gesammelten Plastikabfällen an der Donau –, der für plastikfreie „Wild Islands“ am Fluss steht; eine bunte Säule der Nachhaltigkeit, die in einer öffentlichen Freifläche SpaziergängerInnen fasziniert – alles Kunstwerke, die bewegen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene schufen sie in Aktionen, die von UmweltbildnerInnen zusammen mit KünstlerInnen geleitet wurden. Sie tauschten sich über vielfältige Aspekte und Herausforderungen eines klima- und umweltfreundlichen Lebens in einer globalisierten Welt aus und traten in einen kreativen Schaffensprozess. Diese Aktion wurde von 21 Umweltbildungseinrichtungen, Selbstständigen und der ANU Bayern e.V., alle Träger des Qualitätssiegels Umweltbildung.Bayern, mit zahlreichen Partnern von Februar bis Dezember 2018 in Bayern durchgeführt und vom Bayerischen Umweltministerium gefördert. (1) Entstanden sind mehr als 60 kleine und große Kunstaktionen, Filme und Ausstellungen zu nachhaltigen Lebensstilen und mit diesen wurden mehr als 25.000 Menschen erreicht. Kinder und Jugendliche fungierten dabei als BotschafterInnen für Lebensstile der Zukunft. Eine Aktion, die junge Menschen zu Change Agents im Sinne des Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) qualifizierte und dabei auf die Kooperation von BNE und kultureller Bildung setzte.

Die „Soziale Plastik“ in der Bildung für nachhaltige Entwicklung

„Jeder Mensch ist ein Künstler“, postulierte einst Joseph Beuys. Er erweiterte den Kunstbegriff zur Sozialen Plastik, womit gemeint ist, jeder Mensch könne durch kreatives Handeln zum Wohl der Gemeinschaft beitragen. „Die primären Werkstoffe der Sozialen Plastik sind das Denken, Fühlen, Wollen. Auch das Wahrnehmen, Sprechen, Hören und der Austausch gehören dazu“, erläutert die Kulturwissenschaftlerin Dr. Hildegard Kurt.(2) Kunst kann Visionen und Utopien sichtbar machen, Emotionen hervorrufen, Perspektivenwechsel ermöglichen und dadurch in unserer postfaktischen Zeit neue Zugangsweisen für eine enkeltaugliche Zukunft schaffen. Und die Kunstschaffenden müssen sich im Prozess selbst definieren, sich mit unterschiedlichen Rollen und Ideen auseinandersetzen, um zu einer für sie stimmigen Ausdrucksform zu gelangen.

Ein gemeinsames Vorgehen ist nicht einfach, aber gewinnbringend

Menschen zu nachhaltigen Lebensstilen zu bewegen, ist ein Ziel der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Über neue Narrative und verschiedene Kunstformen kann Zukunft aktiv gestaltet werden. Kulturelle Bildung zeigt uns, mit welchen Techniken und Methoden wir uns die Welt kreativ erschließen, formen und künstlerisch umgestalten können. Der künstlerische Prozess ist geprägt durch Kreativität, Experimente, offene Strukturen, nie einem Zweck untergeordnet, während Bildung für nachhaltige Entwicklung pädagogisch, zielorientiert, partizipativ und normativ vorgeht. So verschieden diese Ansätze sind, sie treffen sich in ihrem Anliegen, Vorstellungen von nachhaltiger Entwicklung als Inspiration zu etwas Neuem zu erzeugen. Dass diese Prozesse für die Akteure nicht einfach sind und ein Aufeinanderzugehen erfordern, hat das Projekt auch bewiesen. Normative Bildung und ästhetisches Kunstempfinden passen nicht immer zusammen. Wichtig ist ein Reflektieren der eigenen Rolle, ein Sich-Annähern und Vertrauen in die Schaffenden. KunstWerkZukunft hat gezeigt, dass die künstlerische Auseinandersetzung mit einer sozial gerechten und ökologisch verantwortlichen Zukunft bei den jungen Kunstschaffenden von Lebendigkeit und Wertschätzung geprägt war, Stolz und Selbstwirksamkeit hervorgerufen hat und sie in der öffentlichen Diskussion in ihrer Haltung für zukunftsfähige Lebensstile bestärkt wurden.

Anmerkungen
1) Zum Projekthintergrund und den einzelnen Kunstaktionen siehe www.kunstwerkzukunft.de; die Projektdokumentation ab Ende Februar 2019.
2) www.erziehungskunst.de/archiv/jahrgang-2010-2019/jahrgang-2018/spezial-juliaugust-2018-waldorf100, abgerufen am 04.01.2019

Marion Loewenfeld, ANU Bayern e.V.,
verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit im Projekt KunstWerkZukunft.
Kontakt:
E-Mail: marion.loewenfeld(at)anu.de
www.kunstwerkzukunft.de
www.umweltbildung-bayern.de

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