Bildungsräume jenseits des Wachstums

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Oktober 2018: Umweltbildung und (Bildung für) Degrowth
Ausgabe Nr. 293

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Blickpunkt

Bildungsräume jenseits des Wachstums


Es gibt sie – die Pioniere einer wachstumskritischen Umweltbildung. Hier finden Sie eine unvollständige, subjektive Auswahl von pädagogischen Räumen und Initiativen, in denen Kooperation, ökologische Integrität und das gute Leben für alle Vorrang haben vor Gewinnstreben, Wettbewerb, Ausbeutung und Wachstum. Schauen Sie bei den Initiativen und Organisationen vorbei – mitmischen lohnt sich.

 

Methodenhefte von FairBindung e.V. und Konzeptwerk Neue Ökonomie

Die Methodensammlung leistet einen Beitrag dazu, sich in der schulischen und außerschulischen Bildung kritisch mit unserem Wirtschaftssystem, insbesondere dem Wirtschaftswachstum zu beschäftigen. Das Methodenset hat zum Ziel, die Privilegien des Globalen Nordens in den Blick zu nehmen und das allgemeine Wohlstandsmodell zu hinterfragen: In was für einer Welt wollen wir leben? Wie kann ein gutes Leben für alle erreichbar sein? Ist dies mit dem bestehenden Wachstumsmodell möglich? Welche Alternativen innerhalb und jenseits dieses Systems gibt es bereits? 2017 erschien der zweite Band, es gibt auch ins Englische übersetzte Methoden sowie ein Schwerpunktheft zu Lebensmitteln: www.endlich-wachstum.de

 

Degrowth.info – Online-Portal

Unter www.degrowth.info gibt es Informationen rund um das Thema Degrowth: Antworten auf die Frage „Was ist Degrowth?”, Neuigkeiten zu aktuellen Projekten und Informationen zu den internationalen Degrowth-Konferenzen. Außerdem gibt es eine Degrowth-Mediathek mit Audio-, Video- und Textmaterialien, einen Blog mit internationalen Artikeln zum Thema sowie einen Veranstaltungskalender. Das Portal informiert auch über die jährliche Degrowth-Sommerschule, auf der Perspektiven für eine Welt entwickelt werden, in der ein gutes Leben für alle möglich ist sowie über weitere Aktionen wie den Tag des Guten Lebens für alle.

 

DFG-Kolleg Postwachstumsgesellschaften

Für alle WissenschaftlerInnen und wissenschaftlich Interessierte: Die Arbeit des DFG-(Deutsche Forschungsgesellschaft)-Kollegs Postwachstumsgesellschaften setzt an der Erkenntnis an, dass moderne kapitalistische Gesellschaften ihre Stabilität nur dynamisch erhalten können. Gegenstand der Kollegforschung sind daher strukturelle Dynamisierungsimperative der kapitalistischen Moderne: die Steigerungslogik fortwährender Landnahmen, Beschleunigungen und Aktivierungen, die in ihrem Zusammenwirken weltweit historisch neuartige ökonomische, ökologische und soziale Krisen hervorbringen. Die Webseite www.kolleg-postwachstum.de bietet Einblicke in die aktuellen Forschungen, Termine, Zeitungsartikel sowie einen Blog mit Interviews und Videos zu Postwachstumsthemen.

 

Blog Postwachstum

Der Blog www.postwachstum.de möchte ein Schaufenster für eine vom Wachstumszwang befreite Gesellschaft sein. Hier werden Visionen und Gestaltungsideen für eine Postwachstumsgesellschaft entwickelt: eine nachhaltige Gesellschaft, die nicht auf Wirtschaftswachstum angewiesen ist und in der es sich gut leben lässt. Im Mittelpunkt steht der gemeinsame Suchprozess statt eines Masterplans. Grundannahme: Eine Postwachstumsgesellschaft geht aus zahlreichen Experimenten hervor, die einzelne Akteure oder Gruppen wagen. Experimente, die suffiziente Lebensstile in der Praxis verwirklichen, Unternehmensziele neu definieren oder jenseits des wissenschaftlichen Mainstreams forschen.

 

Netzwerk Wachstumswende

Das Netzwerk Wachstumswende ist ein nichtkommerzielles Projekt des gemeinnützigen Fördervereins Wachstumswende e.V. (wachstumswende.de). Es bietet Werkzeuge für eine dezentrale Kommunikation und Kollaboration. In einem Veranstaltungsfeed werden Informationen, Termine, Vortragsveranstaltungen und Publikationen rund um das Thema Degrowth veröffentlicht. Die Plattform ist sozusagen ein sozialökologisches Facebook und bot die Basis für das BNE-Netzwerk WECHANGE (www.wechange.de), das ähnliche Features bietet.

 

Netzwerk Plurale Ökonomik

Das Ziel des Netzwerks Plurale Ökonomik (www.plurale-oekonomik.de) ist es, der Vielfalt ökonomischer Theorien Raum zu geben, die Lösung realer Probleme in den Vordergrund zu stellen sowie Selbstkritik, Reflexion und Offenheit in der VWL zu fördern. Dabei geht das Netzwerk bewusst über einen VWL-internen Diskurs hinaus und richtet ihr Anliegen gezielt an Zivilgesellschaft, Politik und mediale Öffentlichkeit. An vielen deutschsprachigen Universitäten und in verschiedenen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es Ortsgruppen, die zum Thema Plurale Ökonomik arbeiten.

 

Transition-Town-Initiativen

Aus Totnes in Großbritannien, wurde die Idee der Transition Towns in die ganze Welt exportiert. Mittlerweile bestehen weltweit über 4.000 regionale Gruppen, die vor Ort den sozialökologischen Wandel umsetzen. Repair-Cafés, Umsonstläden, Akteursvernetzung, Stadtgärtnern, autofreie Tage, Verbraucher-Erzeuger-Gemeinschaften, Regionalgeld, ehrenamtlich organisierter Nahverkehr – Transition folgt keinem klaren Regelwerk, sondern ist Anlauf- und Unterstützungspunkt für alle, die sich am Wandel beteiligen möchten.

 

Zu guter Letzt: Literaturempfehlungen zum Weiterdenken

Crutzen, Paul J. (2011): Die Geologie der Menschheit. In: Crutzen, P. u. a.: Das Raumschiff Erde hat keinen Notausgang. Energie und Politik im Anthropozän. Berlin: Suhrkamp, S. 7-10.

Hopkins, R. (2008): Energiewende. Das Handbuch. Frankfurt: Zweitausendeins.

Konzeptwerk Neue Ökonomie, DFG-Kolleg Postwachstumsgesellschaften (Hrsg.) (2017): Degrowth in Bewegung(en). 32 alternative Wege zur sozial-ökologischen Transformation.

Le Monde diplomatique (Hrsg.) (2015): Atlas der Globalisierung. Weniger wird mehr.

Paech, N. (2006): Nachhaltigkeitsprinzipien jenseits des Drei-Säulen-Paradigmas. In: Natur und Kultur 1/2006, S. 42–62.

Santarius, T. (2012): Der Rebound-Effekt. Über die unerwünschten Folgen der erwünschten Energieeffizienz. Wuppertal: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH.

Lewis, Simon L., Maslin, Mark A. (2015): Defining the Anthropocene. In: Nature, Vol. 519, S. 171–180.

Steffen, W. et al. (2015): Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. In: Science, Vol. 347, S. 736–746.

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