BNE und Jugendsozialarbeit funktioniert. Und wie!?

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Mai 2018: Jugendsozialarbeit
Ausgabe Nr. 289

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Blickpunkt

BNE und Jugendsozialarbeit funktioniert. Und wie!?


Junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen finden oftmals keinen Zugang zu herkömmlichen Bildungsangeboten und werden auch von den Angeboten einer Bildung für nachhaltige Entwicklung bisher nur wenig erreicht. Doch gerade sie sind eine wertvolle Zielgruppe für dieses Arbeitsfeld. Wie können also wirksame Angebote in der Praxis aussehen?

Im Rahmen des bayerischen Förderprogrammes „BNE trifft Jugendsozialarbeit“ werden non-formale Bildungsangebote gefördert. In lebensweltnahen, handlungsorientierten und partizipativen Formaten sollen die jungen Menschen von neuen Erfahrungsräumen und Möglichkeiten in ihrem Lebensumfeld profitieren. Erlebnisorientierte Methoden und praktische Zugänge zu Bildung können negative Erfahrungen und Misserfolge ausgleichen und Teilhabechancen eröffnen. Durch den persönlichen Bezug der Teilnehmenden sollen praktische Handlungsmöglichkeiten zu einer nachhaltigen Alltags- und Freizeitgestaltung aufgezeigt werden. Dadurch sollen sie erfahren, welche Rolle und Verantwortung jeder Einzelne für eine zukunftsfähige Gesellschaft trägt und wie das Gelernte auf den persönlichen Alltag übertragen werden kann.

In Upcycling-Workshops wurden Verpackungsmüll oder ausgemusterte Kleidungsstücke umgestaltet und neu genutzt, entsorgtes Baumaterial fand ein zweites Leben als Wohnzimmerregal. Arbeitsweisen der ökologischen Land- und Forstwirtschaft konnten in mehrtägigen Aktionen und Praktika kennengelernt werden und die BesucherInnen eines Tierparks freuen sich über einen Klangpfad aus Recyclingmaterial. Außerdem nutzen die Bewohnerinnen eines Wohnheims ihren Innenhof als Treffpunkt, den sie mit einem gemauerten Grill, selbst gebauten Sitzmöbeln aus Holzresten und einem Graffiti aus Moos gestaltet haben.

BUNT- Projekt: Gärten als Orte der Begegnung – Kulturvielfalt im Gartenbeet

Im Ökologischen Bildungszentrum in München wurde gemeinsam mit dem Verein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. zusammen mit 10 bis 15 unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten aus unterschiedlichen Nationen ein interkulturelles Gartenprojekt durchgeführt. Die Teilnehmenden trafen sich von April bis Oktober einmal pro Woche im Gemeinschaftsgarten. Ziel war es, durch gemeinschaftliches Gärtnern, Kochen und Essen von selbst erzeugtem ökologischem Gemüse ein Bewusstsein für eine nachhaltige Lebensführung zu schaffen und gleichzeitig damit in der neuen Kultur erste Wurzeln zu schlagen. Dabei konnten die Teilnehmenden kulturelle Vielfalt erleben, Kontakte zu anderen herstellen und ihrer Heimatkultur Ausdruck verleihen. Weitere Themen wie Mülltrennung, Ernährung, Wasserverbrauch, Energienutzung oder nachhaltiger Konsum knüpften daran an. Bei praktischer Gartenarbeit und gemeinsamen Kochaktionen mit- und füreinander war Zeit für Gespräche: www.kurzlink.de/BUNTprojekt

Alles Müll oder was?

Im Projekt „Alles Müll oder was?“ der AWO soziale Dienste GmbH wurde in Kooperation mit dem Recycling-Informations-Zentrum der niederbayerischen Stadt Straubing eine Wanderausstellung rund um das Thema Müll zusammengestellt. Zentrale Fragestellungen waren die Wechselwirkung zwischen Natur und Mensch, die Auswirkungen des eigenen Verhaltens und welche Handlungsmöglichkeiten sich daraus im Alltag ergeben. Im Zuge des Projekts entstand nicht nur die Ausstellung „So fühlt sich ein Fisch im Wasser“ rund um Plastikmüll in den Gewässern, sondern die Teilnehmenden wurden weiter kreativ und designten Taschen oder Lampen aus Plastikmüll. Durch das Konzept wurden junge Menschen zu Multiplikatoren, die das erarbeitete Wissen an Schulen oder anderen öffentlich zugänglichen Stellen wie im Tierpark präsentierten und somit an die Kommune weitergeben konnten. Für die Jugendlichen, die im Rahmen der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit an dem Projekt teilnahmen, ergab sich die Gelegenheit, einen positiven Beitrag zur Stadtgestaltung zu leisten. Dadurch erfuhren sie ein hohes Maß an Wertschätzung und Selbstwirksamkeit. Doch sie setzten sich auch intensiv und über einen langen Zeitraum mit einem zentralen Thema der alltäglichen Lebensführung auseinander und erarbeiteten auf kreative Weise Handlungsmöglichkeiten: www.lagjsa-bayern.de/projekte/alles-muell-oder-was-2

Kreativ mit Nadel und Zwirn – ein Projekt zu fairer Kleidung mit Jugendlichen

Wie vielschichtig kreative Ansätze sein können, war in dem Kooperationsprojekt „Faire Kleidung“ zwischen IN VIA Bayern e.V. und der Landesstelle Jugendorganisation Bund Naturschutz zu sehen. Dort nahmen junge Frauen im Alter von 14 bis 26 Jahren aus den IN VIA-Jugendwohnhäusern in Nürnberg, Würzburg und München Mode unter die Lupe. Hauptaugenmerk lag darauf, den Blick der Teilnehmerinnen für einen kritischen Umgang mit Konsumgütern zu schärfen und für den Umgang mit Mode faire Lösungen zu finden. In verschiedenen Workshops und Aktionen gingen sie den Fragen nach, welchen Einfluss Kaufentscheidungen auf eine sozial und ökonomisch nachhaltige Entwicklung haben und worauf beim Kleidungskauf zu achten ist. Sie beschäftigten sich mit Produktionsbedingungen von Kleidungsstücken, der Bedeutung von ökologischen Gütesiegeln und dem Entstehungsweg der Jeans von der Ladentheke zurück bis zu den Baumwollfeldern. Bei einem Upcycling-Nähworkshop wurden alte T-Shirts neu kreiert und mit besonderen Prints versehen oder Taschen und Kissen daraus genäht. Um die selbst gestalteten Werke und die erarbeiten Inhalte zu präsentieren, konzipierten sie gemeinsam mit der Künstlerin Naomi Lawrence die Bildausstellung „Shirtopoly – Fair Kleiden ist besser“: www.lagjsa-bayern.de/projekte/in-via-umweltprojekt-faire-kleidung
Die Angebote sollen bewusst niederschwellig und prozessorientiert sein, um hemmende Barrieren zu vermeiden. Dies ist wichtig, damit junge Menschen überhaupt einen Zugang zu diesen Angeboten finden und sie auch nutzen können. Ist der Start erst gelungen, bringen sie viele kreative Ideen mit ein, durch die sie die Projekte entsprechend ihren Interessen, Fähigkeiten und Möglichkeiten mitgestalten.

Jessica Schleinkofer – Projektkoordination „Bildung für nachhaltige Entwicklung trifft Jugendsozialarbeit“, Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern, E-Mail: schleinkofer@ejsa-bayern.de, Tel. +49 (0)89 / 159187-84, www.ejsa-bayern.de/umweltprojekt

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