Wie Umweltbildung zur Integration beiträgt

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Februar 2018: Umweltbildung mit Geflüchteten
Ausgabe Nr. 286

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Titelthema - Umweltbildung mit Geflüchteten

Wie Umweltbildung zur Integration beiträgt


Schneeschuhwanderungen, gemeinsam gärtnern, Multiplikator sein im Ressourcenschutz, Berufsausbildung in grünen Berufen: Es gibt eine breite Palette guter Beispiele, wie Akteure der Umweltbildung Geflüchtete in ihre Angebote einbeziehen oder spezielle Programme für sie kreieren. Auf ihrer Bundestagung im November 2017 stellte die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) gelungene Modelle der Arbeit mit Geflüchteten vor und diskutierte Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren.

Ende 2016 waren 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht, schwerpunktmäßig in den Ländern des globalen Südens. Nach Deutschland kamen 2015–17 circa 1,3 Millionen Flüchtlinge. Daraus erwuchs auch für die ANU die gesellschaftliche Anforderung, einen Beitrag zur Integration Geflüchteter zu leisten. Seit 2015 hat sich die ANU in mehreren, aufeinander aufbauenden Projekten in der Umweltbildung mit Flüchtlingen engagiert.

Ein Gewinn für alle Seiten

Ziele der Bildungsarbeit sind, Geflüchtete mit unserer Natur und Kultur bekannt zu machen, ihnen Umweltstandards zu vermitteln, Qualifizierung zu ermöglichen und mit ihnen in Austausch über Werte und nachhaltige Lebensstile zu treten. Nachhaltige Lebensstile sind durchaus ein Thema im neuen Miteinander. So registrierten syrische AsylbewerberInnen im Projekt „4R – Refugees reduce, reuse, recycle“ der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg mit Erstaunen, wie viele Lebensmittel in Deutschland in privaten Haushalten weggeworfen werden. Das sei in Syrien nicht üblich, denn es gelte als verboten, noch essbare Lebensmittel einfach wegzuschmeißen, man verwerte sie weiter.

Bewährt hat sich eine ressourcen- und kompetenzorientierte Bildungsarbeit, die Geflüchtete in ihren Bedürfnissen und Aktivitäten unterstützt. Wichtig ist dabei, die neuen MitbürgerInnen in Kontakt mit Menschen und Orten der neuen Umgebung zu bringen und ein Voneinander-Lernen zu ermöglichen.

Methodisch können viele UmweltbildnerInnen an ihr breites Methodenrepertoire wie spielerisches und erkundendes Lernen und Learning by Doing anknüpfen. Doch sie sind auch gefordert, sich auf die neue Zielgruppe und unerwartete Lernsituationen einzustellen und sich ggfs. weiterzubilden. Kulturelle Unterschiede, Traumata und Missverständnisse aufgrund fehlender sprachlicher Verständigungsmöglichkeiten sind im Bildungsalltag immer wieder Herausforderungen und Stolpersteine. Begegnung auf Augenhöhe, Lust auf interkulturellen Austausch und das Heranziehen neuer Methoden partizipativen, globalen Lernens seitens der UmweltbildnerInnen bringen dann für beide Seiten Gewinn. Dazu gehört auch, die Erfolge öffentlich zu machen, um anhand positiver Beispiele zu zeigen, wie Schritte der Integration gelingen können.

Die Angebote der Umweltbildung stehen gewöhnlich nicht für sich allein, sondern unterstützen die Arbeit von Helferkreisen und Wohlfahrtsverbänden. Eine gute Zusammenarbeit kann für beide Seiten entlastend sein. Eine bessere Vernetzung und der Wunsch nach mehr Kooperation wurden seitens der Caritas auf der ANU-Bundestagung deutlich artikuliert. Ein kontinuierlicher Austausch der Akteure wurde ebenfalls als wesentlich betont.

Weiterentwicklung von Bildungsangeboten

Seit 2015 hat sich der Bildungsbedarf der Geflüchteten geändert. Anfangs waren Freizeitangebote und Aktivitäten in der Natur wertvolle Hilfen, den Alltag in überfüllten Aufnahmeeinrichtungen zu strukturieren, in der Natur Kraft zu schöpfen und Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung zu vermitteln. Heute sind inhaltliche und kontinuierliche Angebote gefragt, wie die Mitarbeit Geflüchteter in den vielen Gartenprojekten zeigt. Auch längerfristige Freizeitangebote und ehrenamtliche Mitarbeit in Vereinen und im Naturschutz werden wahrgenommen. Das sind wichtige Möglichkeiten, da Geflüchtete aufgrund des anfänglichen Beschäftigungsverbots unter der erzwungenen Passivität leiden und sich in Gartenprojekten vielfältige und langfristige Aktivitäten ergeben können.

Qualifizierungsangebote können unterstützen, wie das Projekt „Flüchtlinge in der Biotop- und Grünpflege“ der Stiftung Mensch und Umwelt. Empowerment von Geflüchteten ist ein wichtiger pädagogischer Ansatz, der in vielen Angeboten der Umweltbildung zum Tragen kommt.

Bildungsarbeit ist immer Beziehungsarbeit und die sollte – auch personell – langfristig angelegt sein. Viele der Projekte mit Geflüchteten, wie auch zwei der Projekte des ANU-Bundesverbands, wurden bzw. werden von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert. Dies verdeutlicht, dass längerfristige Umweltbildung mit Geflüchteten nur möglich ist, wenn es dafür neue Finanzierungsmöglichkeiten gibt. Hier besteht weiter Bedarf. Die Stimmung unter den UmweltbildnerInnen ist gut, sie erfahren viel positive Rückmeldungen und Dankbarkeit seitens der Geflüchteten und wollen ihre Arbeit fortsetzen.

Dipl.-Päd. Marion Loewenfeld, Kooperationspartnerin im DBU-Projekt „Integration geflüchteter Menschen durch Umweltbildung“,

Vorsitzende der ANU Bayern und Mitglied im ANU Bundesvorstand, München,

E-Mail: marion.loewenfeld(at)anu.de,

www.umweltbildung-mit-fluechtlingen.de

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