Wir tun was für Bienen

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Dezember 2017: Bienen
Ausgabe Nr. 285

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Titelthema - Bienen

Wir tun was für Bienen


Der zunehmende Verlust von biologischer Vielfalt stellt die Umweltbildung wegen der komplexen Problematik und deren vielfältigen Ursachen vor große Herausforderungen. Die Bienen als Thema aber bieten die Chance, das Ganze anschaulich zu machen: große Artenvielfalt mit faszinierenden Lebensweisen, unersetzliche ökologische Bedeutung und die menschengemachte Gefährdung von Wild- und Honigbienen. Handlungsmöglichkeiten für Alt und Jung können praxisnah erklärt werden. 

Das große Medienecho auf eine kürzlich veröffentlichte Studie zum massiven Insektensterben in Deutschland zeigt, dass das Problem in seinem Ausmaß mittlerweile gesellschaftlich wahrgenommen wird. Die vielfältigen und komplexen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge wollen nun für die jeweilige Zielgruppe „handhabbar“ gemacht werden. Gute Pressearbeit ist ein wichtiger Baustein von Umweltbildung. In den letzten Jahren sind die Ursachen für den Verlust von Lebensräumen und Arten zunehmend in den Blick der Öffentlichkeit gekommen. Auf dieser neuen Bewusstseinsbasis können konkrete Umweltbildungsmaßnahmen neue Zielgruppen erreichen, zum Beispiel im Rahmen sogenannter „Social Days“ von Unternehmen. Auch haben klassische Formate wie Schaugärten, Lehrpfade, Lehrbienenstände und Seminare zum bienenfreundlichen Gärtnern in neuerer Zeit enormen Zulauf erfahren. Als Weiterentwicklung klassischer Formate ermöglicht zum Beispiel „HOBOS – HOneyBeeOnlineStudies“ der Uni Würzburg Schülerinnen und Schülern Livebeobachtungen am und im Bienenstock. Im „Bienenkoffer für Grundschüler und Kitas“ bietet die Stiftung für Mensch und Umwelt viele Materialien und Anleitungen. Übersichten über mögliche Aktivitäten und Materialien bietet das neue Handbuch „Bienen machen Schule“ von Mellifera, ebenso wie die Umweltbildungsseite von „Deutschland summt!“.

Neues Problembewusstsein

Am Beispiel der Bienen lassen sich ökologische Zusammenhänge äußerst gut aufzeigen; das oft beschworene „vernetzte Denken“ kann gefördert werden. Auch erzeugt der immense und dokumentierte Rückgang der Insekten ein neues Problembewusstsein, da niemand auf Obst und Gemüse verzichten mag. Die direkte Betroffenheit ist hier zu spüren, eine Vermittlung von Themen zwischen Schutz und Nutzung der Natur kann mithilfe des Schlüsselwesens Biene durch das emotionale Erleben verankert werden.

Hilfreich dabei ist, dass sich am Imkerstand die Faszination der Lebensweise der Honigbiene fast jedem Bürger, klein oder groß, auf einfache und anschauliche Weise vermitteln lässt. Auf einmal ist sie da, die Wertschätzung natürlicher Zusammenhänge und Abhängigkeiten. Es gibt viele Aha-Effekte. Es ist wichtig im Naturschutz, die Menschen wieder staunen zu lassen. Der Stachel der Honigbienen ist dabei übrigens mehr günstig als lästig. Denn Menschen mögen ihre anfängliche Angst gerne überwinden und sind den Umweltbildnern dankbar, die ihnen ermöglichen,  tausende von emsigen Insekten ganz nah zu erleben. Bienen sind zwar Nutztiere, verhalten sich aber im Gegensatz zum Haushund oder Rind eher wie Wildtiere. Das ist spannend für Jung und Alt.

Die Kunst der Umweltbildung besteht nun darin, vom Nutztier Honigbiene zur Vielfalt der 584 Wildbienenarten in Deutschland und damit zum Thema „biologische Vielfalt“ zu gelangen. Wenn die Menschen die Honigbienen erst einmal erlebt haben, ist es ihnen meist nicht mehr egal, dass bereits 37 Wildbienenarten ausgestorben und die Hälfte bedroht ist. Das gemeinsame Bauen von Wildbienen-Nisthilfen sorgt auch für mehr Verständnis dafür, dass Biene nicht gleich Honigbiene ist. Begleitend zu praktischen Erfahrungen sind viele Menschen gern bereit, auch spezielle Informationen zu Löcher-, Blattschneider-, Hosen- oder Seidenbienen zu erfahren. Außerdem ermöglicht eine Nisthilfe die Beobachtung des interessanten Brutgeschäftes der einzeln lebenden Wildbienen ohne Angst, gestochen zu werden. Das Erleben dieser kleinen Wildtiere bei ihren emsigen Polleneinträgen in ihr Nest stärkt den Wunsch, ihnen im eigenen Garten oder auf kommunalen Flächen mit Nahrungspflanzen und Niststrukturen unter die Flügel zu greifen.

Im Kleinen viel bewirken

Dies ist ein weiterer positiver Aspekt für Umweltbildner, sich mithilfe der Bienen an das große Thema „biologische Vielfalt“ heranzumachen: die Tatsache, dass im Gegensatz zu vielen anderen Naturschutzanliegen die Menschen auch im Kleinen etwas Positives bewirken können. Unsere Initiative „Deutschland summt! Wir tun was für Bienen“ stellte bereits zu Beginn im Jahr 2011 überrascht fest, wie erfolgreich ein Kommunikationskonzept sein kann, das genau den Spagat versucht: Probleme benennen und gleichzeitig niedrigschwellig, aber konkret Einzelmaßnahmen für jedermann aufzeigen. Inspirieren, informieren, mobilisieren – es folgen viele Menschen einer Einladung (nicht Aufforderung), mitzusummen.

Dr. Corinna Hölzer, Mitgründerin und Vorständin der Stiftung für Mensch und Umwelt, Initiatorin von „Deutschland summt!“

E-Mail: hoelzer(at)stiftung-mensch-umwelt.de, www.deutschland-summt.de

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