Jung und frech die Welt retten

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Juni 2017: Politische Aktion
Ausgabe Nr. 281

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Blickpunkt

Jung und frech die Welt retten


Die Welt retten – und zwar frech, das wollen Melanie Albert, Lara Busse und Stefan Asenbeck von der Jugendorganisation Bund Naturschutz in Bayern (JBN), Bayerns größter Jugendumweltorganisation.

Der Versuch, die Welt zu retten, treibt sie auf die Straße. Zum Beispiel bei der Demo „Wir haben Agrarindustrie satt!“ in Berlin. 45 junge Leute des JBN fuhren im Januar 2017 nach Berlin, um gemeinsam mit weiteren 18.000 AktivistInnen für gesundes Essen, eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft, artgerechte Tierhaltung und fairen Handel zu demonstrieren. „Wir wollen uns einmischen, mitbestimmen und mitgestalten“, so Melanie Albert, die in den Landesvorstand des JBN gewählt worden ist. Das ist einer der Gründe, warum junge Leute, bunt und laut, mit Trommeln, in Tier- und Gemüsekostümen auf der Straße tanzen. Ein weiterer Aspekt ist die Gemeinschaft in der großen Gruppe. Sie haben Spaß, lernen Leute kennen und schauen über den Tellerrand. „Nach der Demo geht es weiter“, erzählt FÖJ-Teilnehmerin Lara Busse. Am Abend nach der Demo hätten alle Lust, sich weiter zu engagieren. Man trifft sich, diskutiert über die Themen, kocht und isst möglicherweise zusammen und es finden Workshops statt. Hier kommen die jungen Leute vielleicht zum ersten Mal mit politischen Themen in Kontakt und können ihre Möglichkeiten im Rahmen von friedlichen und legalen Aktionen ausschöpfen.

Diskussionen werden gepflegt, plurale Meinungen unterstützt

Im Rahmen von Gesprächen und Diskussionen können sie sich eine Meinung bilden. „Die sind sich auch nicht immer einig“, so Asenbeck, Bildungsreferent der JBN. „So wird beispielsweise diskutiert, wie viel bio und wie viel regionale Produkte es beim Konsum sein sollten, ob überhaupt Fleisch gegessen werden darf oder völlig darauf, sogar auf Milchprodukte, verzichtet werden sollte.“ Die Diskussionen werden bei der JBN gepflegt, plurale Meinungen unterstützt und jeder wird dort abgeholt, wo er steht. Authentisch sein, um Werte glaubhaft vorzuleben, ist angesagt. Das Wichtigste ist jedoch, dass sich die jungen Leute wohlfühlen in der Gemeinschaft, Spaß miteinander haben und dass jeder so sein darf, wie er ist. Daher sind die Aktionen bewusst niederschwellig gehalten. Dennoch geht es um die Sache. „Es ist schön zu erfahren, ich kann etwas bewirken, wir können gemeinsam etwas bewirken“, so Albert.

 „Wir lassen uns nicht verschaukeln“

Gemeinsame Aktionen, so frech wie möglich, stehen im Mittelpunkt des Verbandgeschehens. So auch die Aktion in den Allgäuer Bergen, rund um das Riedberger Horn. Hier will die Bayerische Staatsregierung eine Skischaukel trotz Schutzgebiet genehmigen und hat beschlossen, den Alpenplan, ein landesplanerisches Instrument, das die Verkehrserschließung im Bayerischen Alpenraum regelt, entsprechend zu ändern. „Wir lassen uns nicht verschaukeln“, lautet die Parole des JBN, die gegen diese Erschließung ist. Dazu sind rund 20 junge AktivistInnen Ende Januar mit Schneeschuhen auf das Riedberger Horn gestiegen. „Weil es eine angemeldete Demo war, wurden wir von vier Polizisten begleitet“, grinst Albert. „Die waren alles andere als begeistert, mit uns da raufzumarschieren!“ Oben am Berg angekommen packten die jungen Leute eine Schaukel aus und zückten die Kamera, um auch bildlich zu verdeutlichen, dass sie sich nicht einschüchtern und verschaukeln lassen. Die Fotos wurden in den sozialen Medien Instagram und Facebook veröffentlicht, mit der Aufforderung an die „Fangemeinde“ ähnliche Fotos zu schießen und diese ebenfalls auf den Aktionsseiten des JBN zu veröffentlichen.

Inzwischen ist der JBN älter als die meisten seiner Mitglieder: Der 40. Geburtstag wird 2017 gefeiert und die rund 32.000 Mitglieder können auf viele freche und kreative Aktionen, politische Einmischung und Einflussnahme zurückschauen. So hat sich die Jugendorganisation mit kreativen Aktionen erfolgreich gegen den Ausbau der Donau gewehrt, protestiert(e) mit politischen Festivals, Ausstellungen, Demos, Informationen in der Öffentlichkeit sowie auf ihren Internetseiten und in den sozialen Medien, beispielsweise gegen die dritte Startbahn am Münchner Flughafen, gegen TTIP, CETA, Fracking, Atomkraft und für die Energiewende.

Weiterführende Links:

Jugendorganisation BUND Naturschutz, E-Mail: info@jbn.de, www.jbn.de

Websites zu Aktivitäten für eine Agrarwende: www.meine-landwirtschaft.de und

www.wir-haben-es-satt.de

Mareike Spielhofen; Journalistin, Ökoprojekt MobilSpiel e.V.,

Ökoprojekt MobilSpiel e.V., E-Mail:

 

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