Aktiv gegen To-go-Konsum und Müll

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Oktober 2016: Aktiv gegen To-go-Konsum und Müll, der bleibt
Ausgabe Nr. 274

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Titelthema: Littering und Plastikmüll

Aktiv gegen To-go-Konsum und Müll


Müllinseln im Meer, Müllberge im Stadtpark: Die Bilder von schwimmenden Plastikinseln auf den Ozeanen und vermüllten öffentlichen Flächen sind präsent und leider schon Normalität. Beides sind keine neuen Phänomene, aber die Müllmengen haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Woran liegt es und was kann die Umweltbildung ausrichten?

Abfalleimer gibt es genügend in unseren Parks, auf Schulhöfen und an Straßen. Oft wird Müll aber dort fallen gelassen, wo der Imbiss aufgegessen oder die Flasche leer getrunken wurde. Littering ist der englische Begriff für dieses Phänomen. Obwohl das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung sich laut den regelmäßigen, repräsentativen Umfragen des Umweltbundesamtes kontinuierlich weiterentwickelt, nimmt das Littering zu. In der Schweiz wird die Vermüllung öffentlicher Räume schon länger und intensiv untersucht. Im „Handbuch Littering“ wird erläutert, dass die veränderten Lebensstile ein Grund sind. Mobilität und mit ihr der Konsum von Lebensmitteln unterwegs haben stark zugenommen. Essen und Trinken „to go“, zum Mitnehmen, bedeutet Zeitersparnis und weniger Organisation als selbst gemachte Verpflegung für unterwegs oder Einkehr in ein Restaurant. Ein weiterer Grund ist die „Mediterranisierung“  des öffentlichen Raums. Parkanlagen oder Plätze sind für viele Aktivitäten zum zweiten Wohnzimmer geworden. Während das eigene Wohnzimmer aufgeräumt ist, wird im öffentlichen Raum „gelittert“. Besonders auffällig ist dies bei Großveranstaltungen. In der Anonymität großer Gruppen sind die Hemmungen, Abfall einfach liegen zu lassen, geringer. Auch an Orten, die bereits vermüllt oder durch Vandalismus gekennzeichnet sind, wird mehr Abfall außerhalb der Sammelbehälter hinterlassen.

Konsum to go – Müll to stay

Die Abfallmengen der kurzlebigen Essens- und Getränkeverpackungen hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Beispiel der Becher für Kaffee und andere Getränke „to go“ errechnet. Durchschnittlich fallen mit 34 Bechern pro Bundesbürger im Jahr insgesamt 2,8 Milliarden Becher an. Die Lebensdauer eines To-go-Bechers beträgt etwa 15 Minuten. So landet rund 320.000 Mal pro Stunde ein Becher im Mülleimer – oder irgendwo im öffentlichen Raum. Für diese Menge Becher müssen 64.000 Tonnen Holz und 11.000 Tonnen Kunststoff eingesetzt werden. Um das Bewusstsein für die Ressourcenverschwendung zu bilden und dem Littering vorzubeugen, führt die DUH die Kampagne „Sei ein/e BecherheldIn“ durch, die dazu aufruft, Mehrwegbecher für den Kaffee zum Mitnehmen zu nutzen. Die DUH hat neben den für alle nutzbaren Kampagnenmaterialien auch Faktenblätter erstellt. Dazu gehört zum Beispiel ein Hygieneleitfaden zur Wiederbefüllung von mitgebrachten Mehrwegbechern. Das ist rechtlich erlaubt und bereits gelebte Praxis. Ein Mehrwegbecher-Pfandsystem könnte eine neue Ökoroutine ermöglichen: Becher, die am Startbahnhof gekauft wurden, können am Zielbahnhof wieder abgegeben werden.

Müllbewusstsein schaffen

Um Schülerinnen und Schüler für ihr Abfallverhalten zu sensibilisieren, bietet die ANU in Kooperation mit dem Zeitbildverlag bundesweit Unterrichtseinheiten und Schulaktionen zum Thema Littering an. Seit drei Jahren führen ANU-UmweltpädagogInnen im Projekt „Gib Abfall einen Korb“ zum Beispiel „Müll-Frühstücke“ durch, bei denen über die Reduzierung von Lebensmittelverpackungen diskutiert wird. Ein Schulweg-Check zu Abfällen im persönlichen Lebensumfeld der SchülerInnen führt vor Augen, wie Littering das Wohlbefinden beeinträchtigt. Ein Flashmob auf dem Schulhof, eine kurze, überraschende Gruppenaktion im öffentlichen Raum, wirbt für eine saubere Schule und macht Spaß. Interessierte Schulen und UmweltpädagogInnen können sich bei der ANU melden.

Im Wissenschaftsjahr 2016/2017 des Bundesbildungsministeriums zum Thema Meere und Ozeane startete Mitte September die Aktion „Die Plastikpiraten“. Bis Mitte November 2016 sammeln Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren bundesweit Daten zu Kunststoffvorkommen an und in Fließgewässern. Das Projekt folgt dem Citizen-Science-Ansatz, bei dem BürgerInnen ihre Beobachtungen und Datensammlungen der Wissenschaft zur Verfügung stellen. Die Plastikpiraten erforschen mit wissenschaftlichen Methoden Plastikmengen und -arten, die auf einer digitalen Deutschlandkarte dokumentiert werden. Sie unterstützen damit Forschungsprozesse zu Makro- und Mikroplastik und Plastikzersetzung in deutschen Flüssen. Auch die Naturschutzjugend NAJU ruft mit ihrer bundesweiten „Trashbusters H2O-Kampagne“ junge MülljägerInnen auf, Gewässer plastikfrei zu halten.

Die Wertschätzung von Ressourcen und von Abfällen als Rohstoffe für Neues ist die Grundlage des Upcycling-Trends, der bei jungen Menschen populärer wird. Portemonnaies aus Milchtüten, Taschen aus alten Jeans, Mehrwegbehältnisse selbst machen – das ist cool und macht Spaß. Im Netz gibt es dazu beispielsweise bei der Jugend-Community der WWF Tipps und Tricks und eine Plattform zum Austauschen.

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