Gib Abfall einen Korb!

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Oktober 2016: Aktiv gegen To-go-Konsum und Müll, der bleibt
Ausgabe Nr. 274

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Blickpunkt

Gib Abfall einen Korb!


Es ist erschreckend, wie viel Müll am Wegesrand zu entdecken ist, schaut man genauer hin. Dieses „Littering“ findet sich leider überall. Um der Vermüllung so früh wie möglich etwas entgegenzusetzen, gibt es seit Juni 2013 bundesweit das Programm „Gib Abfall einen Korb“.

Das Projekt „Gib Abfall einen Korb“ ist eine Kooperation der ANU und dem Zeitbild-Verlag, bei dem eine Materialmappe mit Arbeitsblättern und Lehrerhandreichung in Schulen zum Einsatz kommt. Das Phänomen „Littering“ kennt jeder. Aber jeder reagiert auch anders darauf. Die meisten lediglich kopfschüttelnd. Und wie lässt sich das ändern? Durch ein Sensibilisieren schon im Kindesalter. In den Schulen zum Beispiel.

“Igitt, da liegt ja noch mehr Müll!“ Der Aufschrei hallte quer über den gesamten Innenhof der Mittelschule in Füssen, als Schülerinnen und Schüler ihren Schulhof intensiver anschauten. Anlässlich des Programms „Gib Abfall einen Korb“ war nach einer vierwöchigen Sammelaktion ein immenser Müllberg entstanden. „Aus Unachtsamkeit“, „Weil es dem anderen egal ist“ oder „Um den Ordnungsdienst zu ärgern, der muss es ja aufheben“ sind Gründe, die Fünft- bis Siebtklässler für liegen gelassene Getränkepackungen und Co. nennen. Und die formulierte Konsequenz: „Wir gehen wohl mal öfter zum Mülleimer.“ Aber mit dem Weg zum Mülleimer ist ja noch nicht der Müll vermieden. Wie viel Verpackung wir im Alltag produzieren, lässt sich mit einem gemeinsamen Frühstück zeigen. Jeder brachte sein Essen mit – auch die Lehrer. So auch geschehen am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching. Mittels Arbeitsblatt haben die Schüler sehr schnell herausgefunden, was an Verpackung wirklich notwendig ist, was hilfreich – und was komplett überflüssig. Was kann man recyceln, wie kann man vielleicht andere Verpackungsarten nutzen?

Erstaunlich schnell kommen die Kinder darauf, dass die Erwachsenen oft die wahren „Litterer“ sind. Und sie reagieren oft – durch starke Moralität – hochemotional. Genau zu diesem Zeitpunkt droht dann häufig die Stimmung zu kippen, Hilflosigkeit und Verzweiflung, teilweise echter Zorn machen sich breit. „Was können wir Kinder denn dann überhaupt tun?“

Dies kann der so wichtige Anknüpfungspunkt für Bildung für nachhaltige Entwicklung sein.

Handeln im eigenen Lebensumfeld

Genau jetzt ist es möglich, die Kinder zum eigenen Handeln zu motivieren. Dank des Arbeitsmaterials vom Zeitbild-Verlag bieten sich verschiedene gute Möglichkeiten, sie dies kreativ tun zu lassen. Als Verbindung zu ihrer Lebenswelt kann die Werbung dienen, die mit mit Plakaten und TV-Spots großen Einfluss auf uns ausübt. Markige Sprüche und deutliche Bilder bleiben im Kopf. Gemeinsam entwickeln die Schülerinnen und Schüler eigene Sprüche. In Kleingruppen erstellen sie sogar eigene Werbeanzeigen. Und auf die Ergebnisse können die Kids dann wirklich stolz sein: „Müll trennen nicht verpennen!“ In der gesamten 6. Klassenstufe des Lise-Meitner-Gymnasiums entstanden weitgehend selbst organisiert kleine Filmclips, die im Prinzip alle eine Botschaft hatten: Ändert euer Verhalten in Bezug auf Littering. Krönender Abschluss war eine gemeinsame Filmvorführung mit Anmoderation, Ehrung der Filmemacher und Abschlusspräsent. Zu Recht waren alle stolz auf sich und ihr kleines Kunstwerk.

Egal ob Videofilm oder Werbeanzeige: Durch diesen umweltpädagogisch geprägten Tag sind alle Schülerinnen und Schüler ohne Druck ein bisschen stärker sensibilisiert worden in Bezug auf Müll und dessen Vermeidung.

Der Einstieg ist alles

Die Erfahrung zeigt, dass am Beginn einer solchen Unterrichtseinheit etwas Konkretes stehen muss. Möglich wäre zum Beispiel, dass man vorher mit den LehrerInnen der Schule abspricht, dass am Vortag der Mülleimer im Klassenraum nicht geleert wird. Mit Handschuhen ausgestattet, kann man den Inhalt vor der Klasse auf einer Folie ausbreiten. Denkbar ist auch der von Schülern über einen längeren Zeitraum gesammelte Müll vom Pausenhof. Besteht diese Möglichkeit nicht, so ist eine Bilderserie eine Alternative. Abfall im Meer und dessen Folgen zum Beispiel für Tiere sind gut zu zeigen. Das Foto einer verendeten Möwe mit dem Kopf in einer Bierdosen-Halterung aus Plastik ist natürlich nicht für jeden geeignet. Aber ein solch eindrückliches Bild bietet einen sofortigen Einstieg zum Thema. Der nicht ordentlich verlassene Grillplatz oder leere Chipstüten am Badestrand sind unverfänglicher und ebenso geeignet.

Und schon ist man mitten im Thema. Im offenen Gespräch kann man klären, wo der ganze Müll herkommt und warum viele Dinge nicht einfach von selbst verschwinden. Zum Ende der Diskussion kommen meist von allein Begriffe „Recycling“, „Entsorgung“ oder „Vermeidung“. Und: Der Müll räumt sich nicht von selbst weg. An dieser Stelle lässt sich gut eine aktive Phase anschließen, an der die Kinder mit Begeisterung teilnehmen, wie zum Beispiel beim Texten für Werbung. Dafür sind Recherchen im Internet und in Printmedien notwendig. Falls nichts gefunden wird, hilft das Suchstichwort „Kampagnen BSR“ der Berliner Stadtreinigung oder anderer städtischer Abfallentsorgungsunternehmen. Das anschließende eigene Texten bringt viel Spaß, das Präsentieren der Ergebnisse ebenso, vor allem in Form einer kleinen Ausstellung.

Etwas Besonderes für die Schülerinnen und Schüler und mit vielen positiven Rückmeldungen seitens Schule und auch Eltern verbunden ist es, wenn über die gelungene Aktion ein Artikel in der Presse erscheint.

 

E-Mail: info@anne-umweltbildung.de

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