Tiere als Bildungspartner

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November 2015: Tiergestützte Pädagogik
Ausgabe Nr. 265

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Titelthema: Tiergestützte Pädagogik

Tiere als Bildungspartner


Tiere sind in Krankenhäusern, Altenheimen oder Wohngruppen für Menschen mit Behinderungen im Einsatz. Das kennen die meisten. Tiere sind aber auch die Stars auf Lernbauernhöfen, in Umweltzentren, Kitas oder Schulen. Die tiergestützte Pädagogik wird zunehmend nachgefragt.

Eine aktuelle Fortbildungsreihe der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz und der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen bietet Kitas Austausch und Informationen rund um die Einbindung von Tieren in der frühkindlichen Bildung an. Dabei geht es um die pädagogische Konzeption, Fragen zur Haltung und die Kommunikation mit Behörden, Trägern und Eltern. Es stellen sich Kitas vor, die Heim- und/oder Nutztiere halten und mobile Anbieter, die mit Tieren zu Besuch in die Kita kommen und pädagogisch arbeiten. Auch Bauernhofkitas sind dabei, in denen Kinder Tag für Tag das Leben mit Tieren hautnah erleben.

Verantwortung übernehmen

Forschungen belegen, dass Tiere häufig das soziale Verhaltensrepertoire von Kindern stärken und erweitern. „Im Umgang mit Tieren können menschliche Fähigkeiten geübt werden“, so Ulrich Gebhard von der Universität Hamburg. Kinder lernten dabei die Aufnahme, Pflege und Verantwortung für fortdauernde Bindungen. Die Beziehung zu einem Tier kann ein Kind nur aufbauen, wenn es Mimik, Gestik und Gebärden genau beobachtet, deutet und darauf reagiert. Die Entwicklung nonverbaler, empathischer und intuitiver Kommunikationsarten wird im Umgang mit Tieren gestärkt. Zudem lernen Kinder dabei, für ein anderes Lebewesen verantwortlich zu sein. Gebhard berichtete von soziometrischen Tests, bei denen Kinder, die mit Tieren zusammenleben, von anderen Kindern als Vertrauenspersonen und Spielkameraden bevorzugt werden. Die Kinder seien kontaktbereiter und isolierten sich weniger.

Ingrid Stephan, Leiterin des Institutes für soziales Lernen mit Tieren, weiß aus vielen Jahren praktischer pädagogischer und therapeutischer Arbeit mit Tieren, dass diese als Vermittler zwischen der Welt des Kindes und der Erwachsenenwelt dienen und entspannend und stressreduzierend wirken. Tiere helfen Grenzen zu akzeptieren, sie erfordern Rücksichtnahme und Respekt und sie helfen den Umgang mit den eigenen Gefühlen zu lernen. Tiere steigern auch die Motivation und haben einen hohen Aufforderungscharakter – Kinder kommen leicht ins Handeln und erfahren ihr Tun als wirkungsvoll. Im Umgang mit Tieren lernen Kinder nebenbei Kenntnisse über Biologie und artgerechte Haltung. Viele Kompetenzen werden gestärkt, die auch im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung bedeutend sind.

Forschungen in Schulen belegen, dass die Arbeitszufriedenheit von LehrerInnen und SchülerInnen durch die Anwesenheit eines „Klassentieres“ wächst. Lebhafte Kinder werden ruhiger und stille Kinder kommen mehr aus sich heraus. Das Streit- und Aggressionspotenzial nimmt ab. Negative Verhaltensweisen reduzieren sich zugunsten positiver Wahrnehmung von Situationen. In den meisten Untersuchungen wurde mit Hunden gearbeitet. Zunehmend wird aber auch die pädagogische Arbeit mit Nutztieren nachgefragt, damit Kinder lernen, wo und wie ihre Lebensmittel entstehen.

Hühner in der Schule

Die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) hat zusammen mit Bioland Bayern das Schulhuhn-Projekt gestartet, eine von mehreren Initiativen im Projekt „Tiere live“, das die ANL mit der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen (ALP) durchführt und das als Beitrag zur UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet wurde. Für sechs Wochen ziehen Hühner in Schulen ein und neben der aktiven Pflege sind sie Gegenstand der Unterrichts. Die LehrerInnen erhalten Fortbildungen, Arbeitsblätter und Hintergrundmaterial.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof (BAGLoB) vernetzt bundesweit Bauernhofkindergärten und berät bei Neugründungen. Vor der Anschaffung von Tieren für den pädagogischen Einsatz in Kitas und Schulen gilt es, vieles zu planen: Das Kreisveterinäramt kann zu allen rechtlichen Vorschriften und notwendigen Versicherungen informieren. Auf jeden Fall sollten die Träger der Einrichtungen, KollegInnen, Nachbarn, und Eltern etc. frühzeitig einbezogen werden.

Fortbildungen zur tiergestützten Pädagogik werden oft in Kombination mit weiteren Ausrichtungen tiergestützter Arbeit angeboten: Dazu gehören Therapie oder Fördermaßnahmen, die die Lebensqualität steigern. Die Internationale Gesellschaft für tiergestützte Therapie (ISAAT) und ihr europäisches Pendant ESAAT zertifizieren Weiterbildungen in diesen Bereichen. Eine Anbieterliste findet sich auf der Website des Berufsverbandes für Tiergestützte Therapie, Pädagogik und Fördermaßnahmen.

www.kurzlink.de/ljaTiere

www.anl.bayern.de/projekte/tierelive/index.htm

www.tiergestuetzte.org

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