Ressourcenbildung mit Nachholbedarf

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August/September 2015: Ressourcenbildung
Ausgabe Nr. 263

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Titelthema: Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz

Ressourcenbildung mit Nachholbedarf


Das Projekt „BilRess“ hat den bundesweiten Status quo der Bildung zu Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz in den Bereichen schulische Bildung, Berufsausbildung, Hochschul- und Weiterbildung untersucht und Lösungsvorschläge für eine verbesserte Ressourcenbildung erarbeitet. Das Wuppertal Institut, das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und Faktor 10 – Institut für nachhaltiges Wirtschaften – haben ein bundesweites Netzwerk gegründet.

Die derzeitige Nutzung der natürlichen Ressourcen ist nicht nachhaltig. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung 2012 das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm „ProgRess“ verabschiedet. Als ein wesentlicher Ansatzpunkt für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft und zur Umsetzung von ProgRess ist eine Bildung für Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz notwendig. Das Projekt BilRess – als zentrales Bildungsprojekt im Kontext von ProgRess – hat seit 2012 Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien untersucht.

Nachholbedarf in Lehrplänen und -büchern

In der Schule ist die Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) inzwischen bundesweit weitgehend in den Lehrplänen aller Schulformen und Klassenstufen angekommen. Die für nachhaltige Entwicklung zentralen Aspekte Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz finden sich hingegen selten als Begriffe in den schulischen Lehrplänen. Der Ressourcenbegriff ist darin vor allem mit dem Thema Energie (fossile Ressourcen) und häufig mit Umweltmedien besetzt (Luft, Boden, Wasser). Zudem wird das Thema nicht in den Schulbüchern aufgegriffen. Um die Situation zu verbessern, ist es notwendig, die Lehrkräfte durch vielfältige Unterstützungsangebote zu animieren, die verschiedenen Wege und Arten stofflicher Ressourcennutzung im Unterricht zu thematisieren.

Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz werden nur in wenigen Rahmenlehrplänen in der beruflichen Ausbildung erwähnt (zum Beispiel in der Ausbildung als Produktionstechnologe/-in), in einigen anderen Fällen steht der energetische Aspekt im Vordergrund (Sanitär-Heizung-Klima und Elektrikerausbildung). Die Ressourcenbildung kann aber sowohl in den allgemeinbildenden Fächern wie Politik und Sozialkunde (zum Beispiel Nachhaltigkeit als gesellschaftliches Prinzip oder Ressourceneffizienz als wirtschaftliches Prinzip) als auch im Fachunterricht (Themenfeld Umweltschutz oder unter dem Stichwort Materialeffizienz) aufgegriffen werden. In vielen kaufmännischen Berufen wäre die Materialwirtschaft ein geeigneter Ansatzpunkt, um über Kostenaspekte das Ressourcenthema vertieft aufzunehmen und zu behandeln.

In der Hochschule wird das Ressourcenthema, wenn überhaupt, vor allem in den ingenieur- und betriebswirtschaftlichen Disziplinen und dort zumeist unter Kostengesichtspunkten und selten unter ökologischen Gesichtspunkten behandelt. Studiengänge, die sich explizit mit der Thematik befassen, sind nur vereinzelt vorhanden.

Im Bereich der Weiterbildung wird zum einen das Thema Ressourceneffizienz nicht von Kunden nachgefragt, zum anderen ist in der geregelten, formalen Weiterbildung das Thema nicht in den Lehrplänen verankert. 

Lösungsansätze

Das BilRess-Projekt suchte nach Lösungsansätzen, wie die Ressourcenbildung verbessert werden kann. Auf Basis der Status- quo-Analyse wurden Roadmaps entwickelt, die Ziele, Handlungsschritte und avisierte Ergebnisse für eine Verbesserung aufzeigen. Die Entwicklung der Roadmaps zeigt zahlreiche Gemeinsamkeiten der Bildungsbereiche, daher werden sowohl bildungsbereichsspezifische als auch -übergreifende Roadmaps im BilRess-Projekt erarbeitet. Dazu zählen beispielsweise die Initiierung einer Öffentlichkeitskampagne zum Thema Ressourcenbildung oder die Entwicklung von Lehr-/Lernmaterialien. Um die Ressourcenbildung voranzutreiben und die vorhandenen Ansätze zu unterstützen, bedarf es einer Verstetigung, etwa durch einen Netzwerkkoordinator in bestehenden Strukturen, der die unterschiedlichen Themenstränge der Roadmaps aufgreift. Das BilRess-Projekt hat die Grundlage für einen solchen Aufbau- und Verbesserungsprozess gelegt. Als wichtiger Meilenstein wurde das Netzwerk „Bildung Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz (BilRess)“ in 2014 unter Schirmherrschaft von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks gegründet. Inzwischen zählt das Netzwerk mehr als 150 Mitglieder und Gründer. Mit der Netzwerkkonferenz am 22. und 23. September 2015 in Berlin soll der Prozess verstetigt und weitere Interessierte am Thema Ressourcenbildung aus allen Bildungsbereichen gewonnen werden. BilRess wird durch das Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt gefördert, nach Projektende ab März 2016 wird das BilRess-Netzwerk im Rahmen des bundesweiten Zentrums für Ressourceneffizienz (ZRE) von den Partnern Faktor 10 sowie IZT weitergeführt.

 

 

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