Auf den Spuren der Nachhaltigkeit im Wald

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Mai 2015: BNE und der Lernort Wald in der KiTa
Ausgabe Nr. 260

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Titelthema: Bildung für nachhaltige Entwicklung in der KiTa

Auf den Spuren der Nachhaltigkeit im Wald


Nachhaltigkeit bedeutet nicht auf Kosten anderer Regionen oder zukünftiger Generationen zu leben. Der Grundstein dafür kann bereits in der Kita gelegt werden. Im Wald und vom Wald ausgehend bieten sich vielversprechende Möglichkeiten für eine kindgerechte Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Wald hat Potenzial

Durch den regelmäßigen Aufenthalt in der Natur erkennen die Kinder die wechselseitige Abhängigkeit von ihr und erfahren sich als Teil des Ganzen. Zentrale Themen nachhaltiger Entwicklung wie z.B. Klimawandel, der Verlust der biologischen Vielfalt, Bodendegradation, Wasserfragen oder nachhaltiger Konsum lassen sich anschaulich am Thema Wald vermitteln. Eine besondere Herausforderung für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung im Wald ist es dabei, die komplexen inhaltlichen, pädagogischen und methodisch-didaktischen Anforderungen von BNE so umzusetzen, dass Wald nicht lediglich als Kulisse der Bildungsveranstaltung fungiert. Vielmehr gilt es Wald als erfahrbare, zu entdeckende Natur, als Lebensraum für eine Vielzahl von Arten, als Lebensgrundlage für Mensch und Tier  sowie als Ressource zu berücksichtigen, die es weltweit und über Generationen hinweg zu erhalten gilt.

BNE-Coaching

In einem vom Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten (BvNW) und der Universität Freiburg initiierten und von weiteren Partnern unterstützten bundesweiten Projekt haben sich Experten aus der Praxis mit Experten aus Wissenschaft und Lehre zusammengetan, um gemeinsam Musterlösungen für eine NaturBildung für nachhaltige Entwicklung in der Kita zu entwickeln. Konkret wurden in dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der BINGO! Projektförderung Schleswig-Holstein geförderten Projekt FörsterInnen und ErzieherInnen aus 12 Bundesländern im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung qualifiziert und bei der Entwicklung von Praxisprojekten für die Kita gecoacht. Ferner standen die Akteure im ständigen Dialog mit Partnern aus Korea und Japan, die ebenfalls BNE-Projekte für die Kita entwickelten. Entstanden sind 21 Projekte, in denen Kinder ausgehend von Beobachtungen im Wald forschend-erkundend und spielerisch-kreativ in Themenfelder nachhaltiger Entwicklung eintauchen und lernen, welchen kindgerechten Beitrag sie zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten können.

Der Anspruch an die Praxis

Die entwickelten Projekte folgen den aktuell diskutierten Anforderungen von Bildung für nachhaltige Entwicklung. Fragen weltweiter und generationenübergreifender Gerechtigkeit sind dabei ebenso Thema wie zum Beispiel Zusammenhänge ökonomischer, ökologischer und sozialer Aspekte nachhaltiger Entwicklung, die Reflexion des eigenen Handelns in diesen Zusammenhängen sowie die Förderung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, um sich altersgemäß an der Gestaltung nachhaltiger Entwicklung zu beteiligen. Dabei gehen alle Projekte von einem beobachtbaren Phänomen im Wald aus und führen zu einem Themenfeld nachhaltiger Entwicklung, das im Alltagsleben der Kinder von Bedeutung ist und konkrete Handlungsmöglichkeiten bietet.

Besonderer Wert wurde zudem auf eine partizipative Projektentwicklung gelegt. Das heißt, die Projektinhalte werden den Kindern nicht einfach „übergestülpt“, sondern gehen von Entdeckungen und daraus resultierenden Fragestellungen der Kinder aus und setzen so unmittelbar an dem vorhandenen Wissen und den Interessen der Kinder an. Ein weiterer Anspruch an die zu entwickelnden Projekte ergibt sich aus der Komplexität von Nachhaltigkeitsthemen, die nicht allein aus einer Sichtweise oder Fachrichtung heraus erfasst werden können. Aus diesem Grund werden neben der forstlichen Expertise weitere das Projektthema betreffende Fachrichtungen berücksichtigt – dies durch Einbindung von Fachleuten und/oder den Besuch weitere Lernorte neben Kita und Wald.

Die in den Projekten angewandten methodisch-didaktischen Herangehensweisen orientieren sich an dem Anspruch der Ganzheitlichkeit. Im Idealfall schließen die Projekte mit einem „Handlungsprodukt“ ab, das in der Öffentlichkeit präsentiert wird. Dies kann eine  Ausstellung, ein Theaterstück oder ein Aktionstag sein. Die Projekte richten sich in erster Linie an Vorschulkinder und eignen sich damit auch für ein gemeinsames Lernen von Kita-Kindern und Grundschülern im Lernübergang Kita-Grundschule.

BNE konkret

Das Themenspektrum der entwickelten Projekte ist groß. So verfolgt eines der entwickelten Projekte den Weg von der Keimung des Baumes bis zu seiner Fällung und Verarbeitung. Sie Kinder lernen die Arbeit des Försters kennen und dürfen selber bei der Aufarbeitung der Hölzer im Wald sowie bei der Herstellung der Bauklötze mitwirken. So erfahren sie Schritt für Schritt, dass Nutzen, Schützen und Genießen des Waldes eng miteinander zusammenhängen.

Ein anderes Projekt geht der Frage nach, wie der Saft in den Apfel kommt und warum die Supermarktäpfel viel schöner sind als die aus Omas Garten. Dabei beobachten die Kinder einen Apfelbaum im Verlauf der Jahreszeiten. Sie lernen den Wildapfel im Wald, Streuobstwiesen und Plantagenwirtschaft kennen und stellen auch selber leckere Dinge aus Äpfeln her.

Wieder in einem anderen Projekt dreht sich alles um die Heidelbeere, die nicht nur schmeckt und gesund ist, sondern die man auch zu Marmelade, Gelee und Tee verarbeiten kann. Dabei erkennen die Kinder die Bedeutung der Artenvielfalt für Mensch und Natur und wissen um die ökologischen Vorzüge regionaler und saisonaler Produkte im Vergleich zu Produkten aus Übersee.

Und auch die Tierwelt kommt nicht zu kurz. In einem weiteren Projekt geht es um Wild- und Hausschweine. Die Kinder gehen auf Spurensuche im Wald und im Tierpark und sie besuchen sogar „Bauer Ludwig“, der ihnen seinen Stall zeigt.

Weitere Projektthemen sind Ernährung (ausgehend vom Spiel im Matsch) oder das nachfolgend ausführliche vorgestellte Projekt „Feuer und Flamme“, das sich mit dem Themenfeld Energie auseinandersetzt.

Alle Projekte sind dokumentiert und in Buchform veröffentlicht worden. Viele Praxistipps und Fotos zeigen, wie Nachhaltigkeit erlebt werden kann. Und eines sollte nach Lektüre des Buches klar sein: Bildung für nachhaltige Entwicklung muss nicht kompliziert sein sondern ist spannend und bringt Freude!

 

Dr. Beate Kohler (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald)

Ute Schulte Ostermann (Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten)

 

Kohler, B. & Schulte Ostermann, U. (2015): Der Wald ist voller Nachhaltigkeit. 21 naturpädagogische Projektideen für die Kita. Beltz, Weinheim und Basel. ISBN 978-3-407-62931-9

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