Atmosfaire CO2-Kompensation

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Juni 2014: Klimaschutz in Bildungseinrichtungen
Ausgabe Nr. 251

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Blickpunkt: Atmosfaire CO2-Kompensation

Atmosfaire CO2-Kompensation


Technologische Innovation wie der Einsatz von erneuerbaren Energien sind ein notwendiger Bestandteil des Klimaschutzes, genauso wie der bewusstere Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Seit 2003 bietet die Bonner gGmbH atmosfair ergänzend für unvermeidbare CO2-Emissionen Kompensationsmöglichkeiten. Auch Bildungsprojekte können als Kompensatoren gefördert werden.

Atmosfair entstand als Gemeinschaftsinitiative des Reiseveranstalterverbandes forum anders reisen und der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. Klimabewusste können inzwischen außer Flugreisen auch Kreuzfahrten und Veranstaltungen oder einfach eine Wunschmenge Kohlendioxid kompensieren. Der Emissionsrechner auf der Homepage berechnet beispielsweise für Veranstaltungen den CO2-Verbrauch nach den Parametern Teilnehmerzahl, Gebäudealter und -größe, Anfahrt, Verpflegung (bio, vegetarisch, regional und saisonal), Dauer, Materialien(-transport) und Übernachtungen. BNE-Anbieter können auf diesem (Um-)Weg ihre eigenen Veranstaltungen wie mehrtägige Workshops, Versammlungen und Tagungen oder auch nur einzelne Lehrveranstaltungen klimaneutral anbieten. Eine Berechnung des Verbrauchs jedes Teilnehmenden verbunden mit der Möglichkeit zur sofortigen freiwilligen Kompensation wäre auch ein guter Multiplikationsansatz für mehr Klimabewusstsein.
Kompensiert wird dann durch atmosfair über die Förderung CO2-sparender Projekte, die nach dem Clean Development Mechanism (CDM) Gold Standard zertifiziert sind. Hauptsächlich werden in Nichtindustrieländern Projekte aus dem Bereich Energieeffizienz, Windkraft, Biogas, Wasserkraft und Solarenergie gefördert.
Aber auch Umweltbildungsprojekte können Zuschüsse erhalten.


Fifty/Fifty für den Klimaschutz

Bisher steht bei von atmosfair geförderten Projekten in Deutschland die Umweltbildung an Schulen im Vordergrund. Die einzelnen Projekte führen zwar nur zu geringen direkt messbaren CO2-Einsparungen. Aber auch wenn sie nicht messbar sind, brauchen die Effekte eines gestärkten Klimabewusstseins Förderung.

Gefördert wird bereits das Projekt „50/50 Energiesparmeister an Schulen“, eine freie Initiative an über 3500 Schulen in Deutschland. Dabei erhalten die teilnehmenden Schulen 50 Prozent der durch bewusstes Nutzerverhalten eingesparten Energiekosten zur freien Verwendung. Die anderen 50 Prozent verbleiben beim Schulträger. Dieser Anreiz trägt zum Umwelt- und Klimaschutz sowie zur Senkung der Kosten bei. Klima und Energie wird dabei Gegenstand des Unterrichts, von Projekttagen, Arbeitsgemeinschaften und Exkursionen. Dafür brauchen die Schulen eine qualifizierte fachliche Betreuung. Die Fördergelder von atmosfair gehen an die Energieexperten, die die Schulprojekte vor Ort beraten und die Schüler- und Lehrerteams anleiten, sowie an die nötige Ausstattung mit Messinstrumenten, Versuchsmaterialien und Ähnlichem.


Energiesparmeister
Im Rahmen des bundesweit ausgeschriebenen Klimaschutzwettbewerbes „Energiesparmeister“ für Schulen übernimmt atmosfair seit 2009 Schulpatenschaften. Dabei wählt eine Expertenjury für jedes Bundesland eine Energiesparmeisterschule aus, die einen besonderen Beitrag zum Klimaschutz leistet. 2009 unterstützte atmosfair das Gymnasium Neutraubling finanziell beim Bau einer Solaranlage. Die Fotovoltaikanlage erzeugt pro Jahr circa. 1000 kWh klimafreundlichen Strom. Betrieben wird die Anlage von dem schulinternen Klimaschutz- und Solarförderverein.
Im Jahr 2011 hat atmosfair eine Patenschaft für die Heinrich-Mann-Schule aus Berlin-Neukölln übernommen, die den Bau eines energieautarken Raumes plant, der die Energie für die hocheffiziente Beleuchtung selbst erzeugt. 2012 war atmosfair Pate für die Lilli-Martius-Schule in Kiel und das THEPRA-Förderzentrum in Bruchstedt.

Auch außerschulische Bildungszusammenarbeit findet bereits statt, beispielsweise am Flughafen Stuttgart. Die Flughafenbetreibergesellschaft kooperiert mit der Universität Hohenheim im Bereich Bildung zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit. atmosfair ist hier Projektpartner des fairport STR Bildungsrundganges, einem Bildungsparcours am Flughafengelände. Die atmosfair-Station ist Teil dieses Parcours, der sich mit der Beziehung von Flugreisen zu Biodiversität, Gewässerschutz, emissonsfreier Mobilität oder Recycling beschäftigt. Spezielle Führungen zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen werden ebenfalls angeboten.

Im Gespräch ermuntert Robert Müller, zuständig für CDM Projekte bei atmosfair, auch ausdrücklich Bildungsprojekte, sich zu bewerben. „Bei der Förderung von Bildungsprojekten in Deutschland geht es nicht um nachweisbar eingespartes CO2, deswegen rechnet atmosfair sich diese Projekte auch nicht als Einsparungen an. Das für die CO2-Kompensation gespendete Geld wird für nachweisbare Einsparungen bei Projekten in Entwicklungs- und Schwellenländern verwendet.“ Bildungsprojekte in Deutschland seien ein kleines Extra-Angebot der gGmbH, um auch hierzulande Menschen einbeziehen zu können. „Um sich zu bewerben, reicht eine informelle Bewerbung, zum Beispiel eine Mail an mich. Wichtig ist eigentlich nur, dass sich das Projekt tatsächlich mit dem Klimaschutz und der Einsparung von Treibhausgasen beschäftigt.“ Auf diesem Weg kann auch die Umweltbildung vom wachsenden Klimaschutzbewusstsein profitieren.


[Lisa Hübner]


www.atmosfair.de
www.fifty-fifty.eu
www.klima-sucht-schutz.de

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