Anlaufstellen gegen Rechtsradikalismus

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Mai 2014: Rechtsextremismus
Ausgabe Nr. 250

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Blickpunkt: Anlaufstellen gegen Rechtsradikalismus

Anlaufstellen gegen Rechtsradikalismus


Mehrere Handlungsstrategien haben sich als besonders hilfreich gegen Rechtsradikalismus erwiesen.


Beratung
Mobile Beratungsteams gegen Rechtsextremismus beraten Einrichtungen und Institutionen, Parteien und Einzelpersonen, die mit Rechtsextremismus konfrontiert sind. Sie klären über Handlungsoptionen auf, führen Schulungen zu verschiedenen Themen durch und vermitteln zwischen lokalen Akteuren und Politik. Das heißt, sie versuchen gemeinsam mit den Anfragenden eine Lösung zu erarbeiten und umzusetzen. Eine Übersicht der bundesweit aktiven Mobilen Beratungsteams ist auf der Internetseite  von „Netz gegen Nazis“ zu sehen. Im Gegensatz zur juristischen Ebene, in der der Fokus auf TäterInnen gelegt ist, rücken die Opferberatungsstellen Betroffene in den Mittelpunkt. Sie bieten sowohl psychische Unterstützung als auch juristische Beratung und Prozessbegleitung.


Dokumentation
Eine kontinuierliche Analyse der Situation in einer Kommune können Register zur Erfassung von rassistischen, antisemitischen, homophoben, rechtsextremen und diskriminierenden Vorfällen liefern. Im Gegensatz zu polizeilichen Statistiken nehmen Register auch Vorfälle auf, die nicht strafrechtlich relevant sind. Darunter fallen Aufkleber, Sprühereien, Pöbeleien oder legale Veranstaltungen der rechten Szene. Zivilgesellschaft und Verwaltung leiten diese Vorfälle an das Register weiter, das damit inhaltliche, räumliche oder Tat-Schwerpunkte des Rechtsextremismus abbilden kann. Informationen zur Arbeit eines Registers sind auf der Internetseite des Registers Treptow-Köpenick zu finden. Um präventiv tätig zu werden, sind Fortbildungen oder Informationsveranstaltungen unerlässlich. Ob im Lehrerkollegium, in der Verwaltung oder für zivilgesellschaftliche Initiativen – unterschiedliche Einrichtungen bieten zu vielen der Themen Vorträge oder Workshops an. Schulungen zu rechter Symbolik, rechtsextremer Ideologie oder Argumentationstrainings gegen rassistische Stammtischparolen bilden häufig den Anfang der inhaltlichen Auseinandersetzung. Zunehmend sind auch Themen wie braune Ökologie, Verhalten auf Demonstrationen oder Fundraising für lokale Initiativen gefragt. Veranstalter für Projekttage an Schulen sind das Netzwerk für Demokratie und Courage, der DGB oder Schule ohne Rassismus. Unterstützung bei der Vermittlung von Referentinnen im Themenfeld Rechtsextremismus leisten bundesweit die Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München  oder das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin.


Initiativen
Jenseits von professioneller Beratungs- und Bildungsarbeit sind auf kommunaler Ebene die Vernetzung und Unterstützung von Engagierten notwendig, um Rechtsextremismus langfristig zurückzudrängen. Besonders erfolgreich sind lokale Bündnisse und Initiativen, in denen sich neben AnwohnerInnen auch Lokalpolitik und Verwaltung einbringen. Sie genießen durch die lokale Verankerung mehr Glaubwürdigkeit als externe ExpertInnen. Die größten Mobilisierungserfolge erzielen Aktivitäten, die zum Mitmachen anregen und einen niedrigschwelligen Zugang bieten. Gemeinsame Spaziergänge zur Entfernung rechter Propaganda tragen über das Gespräch mit den NachbarInnen zur Sensibilisierung für rechte Symbolik und Ideologie bei. Weiterhin wirkt sich die Unterstützung von alternativer Jugendkultur positiv auf eine Region aus. Viele Projektideen auf lokaler Ebene sind in lokalen Aktionsplänen umgesetzt worden. Sie sind Teil des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“ des Bundesfamilienministeriums. Dabei erarbeiten Kommunalpolitik, Verwaltung und Zivilgesellschaft gemeinsam lokale Aktionspläne. Greifen verschiedene Handlungsstrategien ineinander, kann Rechtsextremismus zurückgedrängt werden. Mobile Beratung, Opferberatung und Register liefern ein detailliertes Bild zu den Erscheinungsformen des Rechtsextremismus und helfen dabei, weitere Handlungsstrategien in den Kommunen zu entwickeln. Träger der politischen Bildung vermitteln die Inhalte, die für die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus nötig sind. Unerlässlich für eine erfolgreiche Strategie bleibt jedoch die Arbeit von Engagierten vor Ort, die die Kommunen unterstützen sollten.

[Kati Becker]
Die Autorin arbeitet beim Zentrum für Demokratie und ist Autorin der Heinrich-Böll-Stiftung

www.zentrum-für-demokratie.de
www.online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de
www.netz-gegen-nazis.de
www.register-tk.de.

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