Transformation von unten und das world wide web

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ökopädNEWS
April 2014: Social Media
Ausgabe Nr. 249

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Gastbeitrag ANU Bayern

Transformation von unten und das world wide web


Transformation von unten und das world wide web

Unter dem Motto „Vom Handeln zum Wissen“ fand am 13. März in München das Netzwerk-Treffen Umweltbildung von Ökoprojekt Mobilspiel statt. Unter anderem berichteten vier junge ProtagonistInnen neuer Nachhaltigkeitsinitiativen, wie sie nachhaltige Lebensweisen erproben und gemeinsam mit anderen weiterentwickeln und verbreiten. Jede/r von ihnen hat seine Vision einer nachhaltigen, fairen Gesellschaft und gestaltet sie ganz konkret mit viel Lust und Begeisterung aus eigenem Engagement: Verena Hammes im „Idealistischen Salon“, Anja Heberle durch ihre KleiderTauschPartys, Ruth Heeren im ehrenamtlichen Vorstand der Jugendorganisation des Bund Naturschutz in Bayern und Daniel Überall mit seinem Kartoffelkombinat. Sie agieren gemeinsam mit anderen, die ähnlich denken, probieren sich und ihre Ideen aus und kommen so vom Handeln zum Wissen.
Im Laufe der Diskussion wurde die Frage gestellt: Wie kommunizieren sie ihre Ideen, wie gewinnen sie neue MitmacherInnen? Alle vier AktivistInnen sind vielfach vernetzt und nutzen je nach Zielsetzung unterschiedliche Medien. Für alle vier spielt Facebook eine herausragende Rolle bei der Information, Kommunikation und Vernetzung. Besonders wenn es darum geht, innerhalb einer Woche eine politische Aktion auf die Beine zu stellen, wie Ruth Heeren erzählt. Über Facebook sind alle über alles informiert und können – transparent für einander – die wichtigsten Infos einsehen und austauschen. Auf eine sehr aktuelle und gut gestaltete Website setzt Daniel Überall, um sein Kartoffelkombinat in der Weise wachsen zu lassen, wie es für diese Gemeinschaft zuträglich ist. Zu viel „Freunde“ kann das Kombinat, dem es schwerpunktmäßig um die gemeinsame Versorgung Münchner Haushalte mit regionalen Lebensmitteln geht, nicht verkraften. Ähnlich ist es bei Verena Hammes‘ Idealistischem Salon. Aus einer WG-Idee heraus entstanden, hat sich die Idee vom Küchentisch aus weiterentwickelt. 20 bis 50 Leute tauschen sich über Themen der Nachhaltigkeit wie Partizipation oder Utopien aus, die ihnen ein Anliegen sind. Die ganz persönliche, entspann­te, aber ernsthafte und doch lustvoll engagierte Atmosphäre trägt den Kreis, der sich im WG-Wohnzimmer oder in der Kulturjurte München trifft. Auch hier laufen Infos und Einladungen über Facebook, allerdings nicht für alle offen und zusätzlich über einen E-Mailverteiler. Wenn alle 250 Facebookfreunde einer Einladung folgen würden, wäre der persönlich Rahmen, der einen intensiven und produktiven Austausch gewährleistet, schnell gesprengt und ein neues Format stünde an. Anja Heberle nutzt Facebook, Internet, E-Mails und persönliche Netzwerke. Über Facebook kommen dann schon mal 600 Leute auf eine KleiderTauschParty – ein guter Erfolg!
So wichtig und entscheidend die sozialen Medien für Kommunikation, Information und Breitenwirkung sind, alle vier AktivistInnen betonen, dass es ohne persönliche Kontakte nicht geht. Die bilden trotz aller digitalen Vernetzung die Basis ihrer Aktivitäten. Aber wer das World Wide Web mit seinen vielen Möglichkeiten schlau und effizient zu nutzen versteht, kann trotz Studium, Arbeit und/oder Familie seine Visionen von einem nachhaltigen Leben gemeinsam mit anderen bewusst gestalten.

Marion Loewenfeld
Ökoprojekt MobilSpiel e.V.

www.facebook.com/KleiderTauschPartyAugsburg
www.jbn.de
www.kartoffelkombinat.de

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