Vom Modellprojekt zur Verstetigung: Den großen Dampfern voraus

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Februar 2014: Verstetigung
Ausgabe Nr. 247

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Titelthema: Verstetigung

Vom Modellprojekt zur Verstetigung: Den großen Dampfern voraus


Zwei hessische BNE-Projekte haben sich nach einer Pilotphase als Leuchtturmprojekte etabliert und werden nun in Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen in zehn Kommunen eingeführt. Wie aber wird aus einem lokalen Projekt ein Programm, das als Leuchtturm in die Region wirkt?

Auf dem letzten Nationalen Runden Tisch in Frankfurt sorgten zwei hessische Projekte für Aufsehen: Das „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ (Frankfurt) und die „Regionalen Netzwerke BNE“ (Fulda). Beide wurden in der lokalen Bildungslandschaft von Umweltzentren in Zusammenarbeit mit Kommunen und Partner aus NGOs und der Wirtschaft entwickelt.


Erfolgsrezept zur Transformation
Was ist das Erfolgsrezept zur landesweiten Verstetigung eines Projekts? Glückliche Umstände, strategisches Handeln oder der Lohn langjähriger Arbeit? Vielleicht von allem ein wenig. Aber vor allen Dingen wurde hier BNE vom Kopf auf die Füße gestellt. Für erfolgreiche Transformationen ist es erforderlich, dass die Veränderungen beispielhaft sichtbar und in konkret handhabbare Schritte aufgelöst werden, auch muss ein echter Dialog mit den Akteuren stattfinden. Der klassische Ansatz des Change Managements «analyze, think, change» wird inzwischen abgelöst von «see, feel, change». Oder in der Sprache der Umweltbildung: „Vom Wissen zum Handeln“ wird zu „Lernen durch Handeln“.


Schuljahr der Nachhaltigkeit
Im Jahr 2012 bewarb sich Frankfurt am Main als European Green Capital. Eine Expertengruppe erarbeitete einen Vorschlag, um auch im Bildungsbereich ein Leuchtturmprojekt zu etablieren. Die Strategie des „Schuljahrs der Nachhaltigkeit“: Verschiedene Aspekte von Nachhaltigkeit werden in zehn Doppelstunden in der vierten Jahrgangsstufe bearbeitet. Sie bleiben nicht isoliert, sondern werden mit Themen des Lehrplans verknüpft. Unter dem Überbegriff der Nachhaltigkeit verbindet sich das Thema „Strom“ mit „Klimaschutz“, die Fahrradprüfung mit „Mobilität“ oder „Ernährung“ mit dem fairen Handel. Die Schüler wissen nach der Grundschule, was nachhaltige Entwicklung bedeutet, können Handlungsmöglichkeiten benennen und für die Gestaltung des eigenen Lebens nutzen. Das Schuljahr der Nachhaltigkeit hat sich die Verankerung von BNE in den Schulcurricula und in der Schulentwicklung auf die Fahnen geschrieben. Daher müssen sich die teilnehmenden Schulen jeweils mit der ganzen Jahrgangsstufe beteiligen, an den Fortbildungen teilnehmen und mittelfristig BNE im Schulcurriculum festschreiben. Da die personengeleiteten Programme und die erprobten Materialien hinreichende Anreize bieten, ist das Interesse der Schulen groß. Möglich wurde das „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ durch Kompetenz von Akteuren (insbesondere die langjährige Erfahrung von Umweltlernen in Frankfurt e.V.) und die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die Nachhaltigkeit als Bestandteil ihrer unternehmerischen Tätigkeit ansehen. Begeisterte Schüler, zufriedene Schulen und ein gutes Presseecho sind Belohnung für die anstrengende Pilotphase.


Vom Projekt zum Leuchtturm
Essenziell für den Erfolg waren sowohl glückliche Umstände und strategische Überlegungen als auch die anerkannte Bedeutung der ANU-Hessen. Bereits zum Start der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Hessen hatte die ANU einen fundierten, allgemein gehaltenen Vorschlag zur Verstetigung von BNE in Hessen eingebracht, der zunächst nicht berücksichtigt wurde. Es folgten geduldige Netzwerkarbeit, Kooperationen im begrenzten Rahmen und die eingangs erwähnten Pilotprojekte in den Kommunen. Die Nachhaltigkeitskonferenz im Frühjahr 2013 war die rechte Zeit, einen weiteren Vorschlag einzubringen. Entscheidend war, dass mit dem „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ und den „Regionalen Netzwerken BNE“ diesmal ein erfahrungsgesättigtes Konzept vorlag, das nicht nur die technische und ökonomische Dimension des gewünschten Wandels berücksichtigt. Es zeigt auch ganz konkret, wie das Konzept in die Institution Schule eingebracht und mit der Lernkultur verknüpft werden kann. Die Pilotprojekte in den Kommunen hatten gezeigt, wie es geht. Und über die durch die ANU organisierte Verbreitung der in der Durchführung gemachten Erfahrungen erlangte das Programm überregionale Bedeutung.
Der Anfang ist gemacht. Von Umweltzentren in Zusammenarbeit mit Kommunen erprobte und erfolgreich umgesetzte Initiativen haben auch bei den „großen Dampfern“ der Umwelt- und Kultusministerien Anerkennung gefunden und wurden in das politische und finanzielle Programm des Landes Hessen integriert. Es ist nun an der Zeit, dass Kommunen und Umweltzentren zu selbstverständlichen Akteuren einer bürgernahen Politik für eine nachhaltige Entwicklung werden. Die Transformation hin zu einer nachhaltigen Bildungslandschaft wird am Horizont sichtbar: lokal vor Ort entwickelt und mit den übergreifenden Politiken verbunden.


Michael Schlecht
Umweltlernen in Frankfurt e.V.

www.bne-frankfurt.de
www.osthessen-nachhaltig.de

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