Zentrale Ergebnisse der Begleitforschung des Modellprojekts für BNE im Elementarbereich

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Juli 2013: BNE im Elementarbereich
Ausgabe Nr. 242

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Blickpunkt: „Forschung. Beratung. Evaluation. Leuchtpol.“

Zentrale Ergebnisse der Begleitforschung des Modellprojekts für BNE im Elementarbereich


Das Projekt „Leuchtpol. Energie & Umwelt neu erleben!“ war das erste bundesweite Modellprojekt zur Implementation von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) im Elementarbereich. Das Institut für integrative Studien (infis) der Leuphana Universität in Lüneburg führte das Projekt durch. Die Aufgaben des infis-Forschungsteams sind im Projekttitel der Begleitforschung zusammengefasst: „Forschung.Beratung.Evaluation.Leuchtpol.“ Die kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung bot die Chance, in einem transdisziplinären Arbeitsprozess zwischen Wissenschaft und Praxis die Realisierung des Konzepts „BNE im Elementarbereich“ mit dem Schwerpunkt „Energie & Umwelt“ weiterentwickeln zu können. Die Beforschten wurden deshalb zugleich als ExpertInnen für die Arbeit in der Kita in den Prozess der wissenschaftlichen Begleitung einbezogen.

Das Forschungsteam konnte einen umfangreichen Datensatz erheben: 9.510 Fragebögen, die die TeilnehmerInnen jeweils nach einem Fortbildungsabschnitt ausfüllten, und zusätzlich 2.564 Fragebögen aus Nachbefragungen (sechs bzw. zwölf bis 36 Monate nach Projektteilnahme) wurden einbezogen. Darüber hinaus gaben 3.585 Praxisdokumentationen Einblick in die Arbeit der ErzieherInnen in den Kitas.

 

Zentrale Ergebnisse:

 

1. Fortbildung ist eine geeignete Implementierungsstrategie für BNE im Elementarbereich

Wenn Innovationen durch Fortbildung in der Praxis ankommen sollen, ist die Zufriedenheit der TeilnehmerInnen und die Beurteilung der Fortbildungsinhalte als praxistauglich eine gute Voraussetzung. Die Leuchtpol-Fortbildungen wurden von insgesamt 96 Prozent der TeilnehmerInnen mit sehr gut oder gut beurteilt. Die pädagogischen Fachkräfte konnten ihr Wissen zum Bildungskonzept und über Wirkungszusammenhänge von Energie erweitern. Großen Anklang fanden die konkreten Praxisanregungen, der kollegiale Austausch und die Reflexionsangebote.

Sechs Monate nach Fortbildungsende gibt die überwiegende Mehrzahl der Befragten an, dass die Fortbildung Auswirkungen sowohl auf ihre Arbeit als auch auf ihr Selbstverständnis als pädagogische Fachkraft hatte – und auf ihre persönliche Entwicklung.

 

2. BNE kann die Institution Kita professionalisieren

Zugang zu BNE finden die TeilnehmerInnen insbesondere über das ethische Leitbild. So empfinden die meisten von ihnen das „Bewusstsein für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen“ als zentrale Aspekte des Konzeptes. Eine Teilnehmerin ergänzte , dass für sie das Gefühl, „dass wir alle gemeinsam dazu beitragen, dass unsere folgenden Generationen gleiche, lebenswerte Voraussetzungen finden“ besonders ausschlaggebend sei. Die große Motivation, Veränderungsprozesse zu initiieren, zeichnet die pädagogischen Fachkräfte aus. Besonders gute Möglichkeiten sehen die ErzieherInnen darin, im Alltag Gelegenheiten zur Auseinandersetzung mit Fragen nachhaltiger Entwicklung zu schaffen („Wo geht eigentlich das Wasser hin, das wir verbrauchen?“) oder praktische Beiträge zum Ressourcenschutz zu vereinbaren. Die Integration in den Alltag hilft, die Eltern einzubeziehen, die Kita als Teil des Gemeinwesens stark und für die Kinder erlebbar zu machen sowie den Austausch mit ExpertInnen oder Kooperationspartnern zu suchen.

 

3. Energie und Umwelt – ein innovatives Themenfeld in der Kita

Das in der Kita relativ neue Themenfeld Energie und Umwelt wurde äußerst positiv aufgenommen. Vielen Teilnehmenden gelang es, etablierte Themen wie Ernährung und Mobilität neu zu denken, Alltagsbezüge herzustellen, komplexere Wirkungszusammenhänge nachzuvollziehen und Handlungsoptionen zu erarbeiten. Sie ermöglichten es so den Kindern und deren Eltern, Energie als Schlüsselthema der Zukunftsgestaltung zu verstehen. Ein anderer Teil der ErzieherInnen erschloss sich neue Themenfelder wie Strom, regenerative Energie- oder Wärmeerzeugung bzw. -isolierung und initiierte entsprechende Projekte mit den Kindern.

 

4. ErzieherInnen sind Change Agents

In der Innovations- und Transferforschung ist in den letzten Jahren die Bedeutung einzelner Personen als Motoren sozialer Innovationen besonders herausgestellt worden. Sie „bezeugen, dass eine Transformation zur Nachhaltigkeit möglich ist und gesellschaftliche Spielräume für die Umsetzung der entsprechenden Werte und Positionen in konkrete Handlungen existieren“(1). Die pädagogischen Fachkräfte in den Kitas sind motiviert und in der Lage als solche Change Agents zu wirken. Sie ermöglichen es Kindern und deren Familien, sich mit nachhaltigkeitsrelevanten Fragen auseinanderzusetzen sowie nachhaltiges Handeln zu erproben.

 

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist in den Kitas angekommen und hat sich als geeignetes Konzept erwiesen. Jetzt sind Trägerverbände, Wissenschaft, Aus- und Weiterbildungsakteure und die Bildungspolitik gefordert, dieses Engagement vor Ort entsprechend zu (unter)stützen.

Einen ausführlichen Einblick in die Arbeit der Begleitforschung und die Ergebnisse der Evaluation gibt der im VAS-Verlag erschienene Band „Modellprojekte verändern die Bildungslandschaft. Am Beispiel des Projekts Leuchtpol“ des AutorInnenteams Ute Stoltenberg, Barbara Benoist und Thorsten Kosler.

 

Barbara Benoist und Thorsten Kosler

sind wissenschaftliche Mitarbeiter im Projekt F.B.E:Leuchtpol des Instituts für Integrative Studien der Leuphana Universität Lüneburg

 

(1) WBGU (2011): Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation, Seite 84. Online (PDF, 5 MB): www.kurzlink.de/wbgu2011grtransf

www.leuphana.de/institute/infis/forschung-projekte/forschungberatungevaluationleuchtpol.html

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