Jugendliche stärken und ihnen eine Stimme geben

Ausgabe direkt auswählen:

Suchen in allen Ausgaben:

ökopädNEWS
April 2013: Jugendengagment international
Ausgabe Nr. 239

Inhaltsverzeichnis | nächster Artikel

Titelthema:Partizipation Jugendlicher

Jugendliche stärken und ihnen eine Stimme geben


Die Jugend ist unsere Zukunft. Das hört man immer wieder. Doch gibt die Gesellschaft ihnen die richtigen Impulse und Anreize mit auf den Lebensweg? Wo sind ihre Vorbilder? Und wer macht den Jugendlichen Mut? Das Projekt „youthinkgreen“ motiviert Jugendliche, sich für Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit einzusetzen.

 

Donnerstagmittag am Brandsberg in Namibia. Unweit eines zerstörten Brunnens haben Schüler der Höheren Deutschen Handelsschule Windhuk, ihre Lehrer sowie ein Filmteam ihre Zelte aufgeschlagen. Die Schüler sind Klimabotschafter des internationalen Projekts „youthinkgreen – jugend denkt um.welt“. Sie reparieren den Brunnen zusammen mit den Anwohnern, drehen darüber zwei Umweltwerbespots mit Profis gedreht – und erleben, dass sie etwas bewegen und verbessern können. Wie kommt es dazu, dass die Jugendlichen eigene Motivation entwickeln um solche Projekte in die Hände zu nehmen und zu ihrer Aufgabe zu machen?

Global denken, lokal handeln

Mehr als 200 Jugendliche aus zehn Ländern und vier Kontinenten beschäftigen sich seit mehr als einem Jahr im Projekt „youthinkgreen“ mit den Schwerpunktthemen „Nachhaltiger Konsum“, „Nachhaltige Mobilität“ und „Erneuerbare Energien“. Sie haben sich selbst hinterfragt, haben Bekannte, Unternehmer und Politiker interviewt. Sie setzen sich ein für einen nachhaltigeren Lebensstil. Weltweit.

Jede Gruppe hat mindestens ein lokales Nachhaltigkeitsprojekt initiiert. Die Jugendlichen – und auch ihre Betreuer – standen vor vielen Fragen: Was wollen wir machen? Was sollten wir machen? Was können wir machen? Brauchen wir externe Partner? Youthinkgreen-Klimabotschafter der Ursulaschule Osnabrück produzieren monatlich eine Radiosendung zu ihren Themen und Aktionen. In Neu-Dehli wurde der „Green Carnival“ ins Leben gerufen. Drehbuchworkshops geben den Jugendlichen beispielsweise die Möglichkeit, Medien und Werbung kritisch zu hinterfragen und eigene Ideen und Appelle kreativ in Umweltwerbespots umzusetzen. Die Arbeit mit einem Theaterpädagogen macht sie selbstbewusst für Auftritte und Kampagnen. Experten bei nationalen und internationalen Seminaren bestärken sie. So können die Jugendlichen wachrütteln, Menschen zusammenführen, und sie für ein verantwortungsbewusstes Handeln motivieren.

Neben der inhaltlichen Arbeit und den lokalen Nachhaltigkeitsprojekten haben die Jugendlichen starke Symbole gefunden. Sie verleihen weltweit den grünen Faden, so zum Beispiel an Bundesumweltminister Peter Altmaier. Sie haben beim UN-Klimagipfel in Doha den „Baum der Hoffnung“ ins Leben gerufen. Auf die Blätter schrieben Menschen aus der gesamten Welt Wünsche, Forderungen und Ängste.

Motivation und Persönlichkeitsentwicklung besser fördern

Doch was treibt die Jugendlichen an? Es kommen Jugendliche in das Projekt, die ein latentes Interesse für Themen rund um den Klimaschutz haben. Sie wollen etwas verändern. Sie suchen und finden im Projekt Gleichgesinnte. Sie wachsen. Sie wirken auf ihr Umfeld. Sie hinterfragen, sie sensibilisieren, sie gestalten. Es motiviert sie, dass ihnen etwas zugetraut wird und sie Entdeckungsmomente erleben. Die Jugendlichen finden einen Bereich, indem sie ihrer „Suchbewegung“ nachgehen können und sie unterstützt werden, den „richtigen“ Weg zu finden. Auch erlebte Trotzreaktionen und Abqualifizierungen der Jugendlichen durch die „ältere Generation“ oder Entscheidungsträger können motivieren.Die Jugendlichen reifen im Projekt zu kritischen Verbrauchern, zu aufgeschlossenen Weltbürgern, zu entschlossenen Akteuren.

Von der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung

Pädagogische Wege abseits des gängigen Schulalltags, das Aufgreifen der aktuellen Themen und Herausforderungen wie Klimawandel, nachhaltige Entwicklungen, Verzicht gegen Gewinn, „De-Globalisierung“ und Nicht-Fremdbestimmung durch die Medien sind zentrale Erfolgsfaktoren. Youthinkgreen sorgt dafür, dass diese Themen altersgemäß für die Jugend weltweit auf vielfache Weise aufgearbeitet, hinterfragt, vertieft und bewusst verinnerlicht – also Bestandteil ihres Denkens und Handelns – werden.

1. Weltjugend-Nachhaltigkeitsgipfel im Mai 2013 in Berlin

All dies kumuliert nun unter dem Motto „Jugend und Nachhaltigkeit im Alltag – Globale Lebensweisen hinterfragen, überdenken und neu entwickeln“ beim 1. Weltjugend-Nachhaltigkeitsgipfel vom 10. bis zum 20. Mai 2013 in Berlin. Mehr als 150 Jugendliche aus 25 Ländern werden dann zusammentreffen. Sie ziehen an einem Strang. Sie spüren die Kraft der internationalen Bewegung. Entstehen soll dann ein handlungsorientiertes Positionspapier von der Jugend – ein Fundament für die Gestaltung ihres Alltags.

 

Nadine Böttcher ist Projektmitarbeiterin von „youthinkgreen – jugend denkt um.welt“.

Dr. Tobias Romberg ist Journalist und Betreuer der Osnabrücker youthinkgreen-Gruppe.

 

Nächster Artikel: Jugendliche gestalten Nachhaltigkeit in Namibia lebensnah