Draußenlernen für Nachhaltigkeit

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Juni 2013: Real World Learning Network
Ausgabe Nr. 241

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Titelthema: Real World Learning Network

Draußenlernen für Nachhaltigkeit


Der Wert der originalen Begegnung kann in Zeiten von virtuellen Welten und Verstädterung gar nicht hoch genug geschätzt werden: Wie können sich verschiedene Ansätze des Draußenlernens wie Naturerfahrung, Wildnis- und Erlebnispädagogik gut mit BNE verbinden? Die ANU sucht im Rahmen des Real World Learning-Netzwerks nach Antworten.

Die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) Bundesverband e.V. ist der deutsche Partner im EU-Comenius-Projekt „Real World Learning Network“, einem entstehenden Netzwerk aus außerschulischen Bildungsanbietern, LehrerInnen und weiteren Bildungsakteuren in Europa. Das Netzwerk möchte „Outdoor Educators“, Anbieter des Draußenlernens, stärken und LehrerInnen motivieren, das Klassenzimmer zu verlassen um Lernen aus erster Hand zu ermöglichen. Außerdem werden dafür im Projekt Qualitätskriterien herausgearbeitet und die Kompetenzen ermittelt, die durch die originale Begegnung besonders gefördert werden.

 

Originale Lernorte- echtes Wissen

Primärerfahrungen für Kinder und Jugendliche in Natur und Umwelt sind vielerorts selten möglich geworden. Dabei eröffnet die unmittelbare Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand in seiner authentischen Umgebung emotionale Zugänge, die Wahrnehmungsvermögen und multisensorisches Lernen fördern. Lernstoff wird leichter verstanden und langfristiger behalten, wenn SchülerInnen persönliche Erfahrungen einbringen und individuelle Zugänge zum Thema „legen“ können. Lernsituationen in der realen Welt bieten ein anderes Gruppenerlebnis als im Klassenraum, neue soziale Erfahrungen werden begünstigt und manche Talente neu entdeckt. Die Lernmotivation wird erhöht, weil das daraus resultierende Wissen im Alltag anwendbar ist. Vor allem regelmäßige Bildungsaktivitäten über einen längeren Zeitraum hinweg erhöhen den Lernerfolg. Nicht zuletzt können außerschulische Lernorte wie Firmen und Betriebe die Berufsorientierung unterstützen.

Außerschulische Lernorte für RWL können intakte Natur- und Großschutzgebiete oder Kulturlandschaften sein, Natur- und Umweltzentren oder Lernbauernhöfe, alternative Kommune- oder soziale Stadtteilprojekte, erfindungsreiche Großunternehmen oder kleine Eine-Welt-Läden und Schülerfirmen - Orte die dazu anregen, das Spannungsfeld zwischen Bewahren und Verändern ganzheitlich zu erfahren.

 

Kompetenzerwerb für den Alltag

Real World Learning erarbeitet dazu einen Katalog von Kompetenzen, die durch das Draußenlernen besonders gefördert werden und nachhaltiges Verhalten im Alltag unterstützen. Im Projekt werden Kompetenzlisten und Modelle aus den Partnerländern und internationalen Netzwerken verglichen, so z.B. die OECD-Schlüsselkompetenzen, UNECE-Kompetenzen für BNE, das Scuola 21-Kompetenzmodell aus Italien, die Kompetenzen des Globalen Lernens und die Gestaltungskompetenz aus Deutschland.

Auf der ersten internationalen RWL-Konferenz im Januar 2013 im tschechischen Umweltzentrum Slunakov haben „Outdoor Educators“ und LehrerInnen die aus ihrer Sicht wichtigen Kompetenzen zusammengetragen. Kompetenzen sind im RWL-Projekt definiert als ein Konglomerat aus Werten (Values), Wissen (Knowlegde) und Fertigkeiten (Skills). Der Tagungs-Workshop „Our Common Cause“ (Unsere gemeinsame Sache) brachte ein bezeichnendes Ergebnis: Wir schätzen persönlich vor allem die Werte, die diametral gegensätzlich zu den Werten unseres Wirtschafssystems liegen, dem wir besonders im Berufsleben unterworfen sind. Kompetenzstärkung für nachhaltiges Verhalten im Berufsleben und im Alltag ist daher ein wesentliches Anliegen von RWL. Aus dem Pool von Kompetenzen sollen am Ende die europäischen RWL-Kompetenzen hervorgehen, die die originale Begegnung so besonders oder vielleicht sogar einzigartig machen.

 

Wie lässt sich Lernen messen?

Ein zweiter zentraler Baustein ist die Bewertung des Lernerfolgs durch das Draußenlernen. Hierzu werden verschiedene Qualitätskriterien- und Zertifizierungsmodelle in Europa verglichen, etwa die Qualitätskriterien aus Arbeitsgruppen der BNE-Dekade, der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof (BAGLoB), aus der Waldpädagogik und dem internationalen Netzwerk ENSI (Environment and Schools Initiatives) sowie des britischen Partners „Council for Learning Outside the Classroom“ (CLotC). Die Organisation bietet ein differenziertes, mehrstufiges Zertifizierungssystem für außerschulische Lernorte, Schulen und Bildungsangebote, das allen Beteiligten gute und schnelle Orientierung ermöglicht.

 

ANU Bundesverband e.V. leitet im Projekt die Arbeitsgruppe zu Qualitätskriterien und lädt Interessierte ein, sich zum Beispiel bei der nächsten RWL-Konferenz in das Projekt und in das internationale Netzwerk einzubringen.

 

Angelika Schichtel,

RWL-Projekt Deutschland

 

Real World Learning Network auf www.umweltbildung.de

www.rwlnetwork.de

 

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