Trends in der Umweltkommunikation

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ökopädNEWS
August/September 2013: Transformation von unten
Ausgabe Nr. 243

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Titelthema: Transformation von unten

Trends in der Umweltkommunikation


 

Die 19. Internationale Sommerakademie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Ostritz-St. Marienthal widmete sich in diesem Jahr den „Aktuellen Trends und Entwicklungen in der Umweltkommunikation“. Dazu gehört auch stets die Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Zahlreiche Akteure aus Wissenschaft, Staat, Unternehmen und Zivilgesellschaft waren zur 19. Internationalen Sommerakademie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geladen. Zu den neuen Förderschwerpunkte der DBU zählen die Themen Energiewende als Kulturwende, Freiwilligenengagement Jugendlicher, Qualitätssicherung von Umweltbildungseinrichtungen und die Verbindung von Spielen und Lernen. Ob naturwissenschaftlich-technische Bildung, Konsum- und Kaufentscheidungen oder Energiewende: „Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen spielen gesellschaftlich mehr denn je eine entscheidende Rolle“, ordnet DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde das Tagungsthema ein.

 

Der Mensch im Anthropozän

Auffallend viele neue Vokabeln durchzogen die Beiträge. Nach Abkürzungen und Fremdwörtern wie LOHAS, also Menschen, die sich einem „Lifestyle of health and sustainability“ verschrieben haben, Suffizienz oder Rebound Effekt, kommen nun Anglizismen wie Transition, Prosumer, Change Agent oder Konzepte wie Große Transformation und Anthropozän in die Debatten.

Hinter Letzterem steht die auf Paul J. Crutzen zurückgehende Beobachtung, dass der Einfluss des Menschen auf die Erde sich bereits seit dem späten 18.Jahrhundert durch vermehrte Ablagerungen von Kohlendioxid und Methan im polaren Eis geologisch manifestiert hat. Est steht daher der Vorschlag im Raum, der Tatsache, dass der Mensch die Erde maßgeblich gestaltet, durch Ausrufung eines neuen Erdzeitalters Rechnung zu tragen. Laut dem Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU) liegt darin auch eine Chance, den Menschen ihre Verantwortung für die Gestaltung der Erde bewusst zu machen. Das könnte auch die gegenwärtige Krise beenden, die weniger eine ökologische, denn eine Krise des Verhältnisses des Menschen zu seiner Umwelt ist.

 

Neue Namen für neue Ideen?

Change Agents gestalten dabei Strukturveränderungen in unserer Gesellschaft – zum Beispiel die Energiewende oder die Transformation von Ökonomie und Konsum. Oft sind die Change Agents noch Pioniere des Wandels, doch wir brauchen mehr von ihnen. An der Universität Kiel ist die Changemaker-Community „YooWeeDoo“ entstanden: Studierende lernen, wie sie mit eigenen Projekten die Welt verändern und Verantwortung übernehmen können. Das „YooWeeDoo“-Projekt besteht aus einem einjährigen Lernprogramm, in dem Studierende lernen, eigene Projekte zur Lösung gesellschaftlicher Probleme zu planen und umzusetzen, sowie dem „YooWeeDoo“-Ideenwettbewerb, in dem Studierende Startkapital zur Umsetzung der im Lernprogramm entwickelten Changeprojekte gewinnen können.

Prosumenten – eine weitere neue Vokabel in der Transformationsdebatte – sind Menschen, die gleichzeitig Konsumenten und Produzenten sind. Sie verbrauchen beispielsweise den Strom aus ihren eigenen Solar- oder Bürgerwindanlagen oder produzieren und reparieren in sogenannten „FabLabs“ (Fabrikationslaboren) oder „Offenen Werkstätten“, die es mittlerweile in vielen deutschen Städten gibt und die von jedem Interessierten gegen einen kleinen Unkostenbeitrag genutzt werden können.

 

Vom Handeln zum Wissen

Umweltpsychologin Lenelis Kruse-Graumann forderte unter dem Titel „Vom Handeln zum Wissen“ eine Lern- und Experimentiergesellschaft. Isoliertes Wissen habe die geringste Korrelation mit konkretem Handeln. Handeln hingegen könne auch ohne tiefer gehendes Wissen forciert werden, sagte sie. Auch die Umweltbewusstseinsstudie des Umweltbundesamtes ging 2012 erstmals genauer auf die Handlungsebene ein.

Auch in der Wissenschaft werden handelnde BürgerInnen inzwischen anders wahr- und ernst genommen. Die Transition-Forschung des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie spricht von Crowdsourcing, wenn WissenschaftlerInnen und Unternehmen mit NutzerInnen gemeinsam an Entwicklungen arbeiten. In der Citizen Science (Bürgerwissenschaft) kann jeder Daten oder Erfahrungswissen beitragen, wodurch nachhaltige Handlungsoptionen und Umgestalten gemeinsam entwickelt werden.

Parallel arbeiten seit 2006 in vielen Städten und Gemeinden der Welt „Transition Town Bewegungen“ am Übergang in eine postfossile Wirtschaft. 2011 gehörten offiziell 450 Städte und Gemeinden den Transition Towns an. Mit Gemeinschaftsprojekten betreiben sie Anpassung an eine Welt mit knapper werdenden fossilen Rohstoffen.

 

Handprint und Footprint

Die gesellschaftliche Wirksamkeit von nachhaltigem Handeln wird mit dem Handprint (Handabdruck) beschrieben. Es gilt, den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern und den Handabdruck zu vergrößern. Alle können dieses aus Indien stammende Konzept nutzen und weiterentwickeln. Germanwatch hat es in Deutschland aufgegriffen.

Aktionsformen für den Handprint gibt es viele. Neue Grassroot-Initiativen fallen besonders auf, die häufig von jungen Menschen initiiert und oft mit Web 2.0 unterstützt werden. Modern und traditionell mischen sich beim Urban Gardening oder beim „Do It Yourself“, das in vielen Bereichen aus dem klassischen Basteln und Reparieren entstanden ist. Umweltbildungszentren sind Teil dieser Transformationsbewegung, viele Aktionen finden aber auch ohne Kontakt zu den üblichen Institutionen statt.

Mit dem Zusammenwirken von Umweltbildungs- und Transformationsszene sowie neuen Wohlstands- und Wachstumsmodellen und deren Beitrag zur Ressourcenschonung beschäftigt sich auch die diesjährige Bundestagung der ANU „Transformation von unten – Grassroots 2.0“.

 

Annette Dieckmann,

Vorsitzende ANU Bundesverband

 

www.umweltbildung.de

www.yooweedoo.org

uba-bewusstseinsstudie 2012

www.fablabinternational.org

 

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