Was ist das?

Ihr redet immer von Schutz der Artenvielfalt – aber die Auswahl im Supermarkt ist doch gigantisch.

Die Crux ist, als Verbraucher erlebt man scheinbar eine wahnsinnige Flut von Lebensmitteln im Supermarkt. Man kann alles zu jeder Zeit kaufen. Tatsächlich beschränkt sich das Angebot auf wenige Sorten, unabhängig von Region und Saison. Bei Äpfeln, Kartoffeln, Tomaten und Fleisch lässt sich diese Aussage am einfachsten nachvollziehen. Während Oma noch aus einer Palette von Apfelsorten auswählte, um Leckerbissen für die Familie zu zaubern: für Kuchen, zum so essen, für Apfelmus, als lagerfähigen Winterapfel, für Säfte -  greifen wir auf eine Auswahl von höchstens 5 Apfelsorten zurück, die nicht dem Geschmack oder der Zubereitung geschuldet ist, sondern wie praktisch sie zu produzieren und zu verkaufen sind.

Schade eigentlich, denn Apfel ist nicht gleich Apfel. Was wie Apfel, Tomate, Kartoffel aussieht, schmeckt weniger intensiv als man es aus Kindertagen in Erinnerung hält.    

Naturschutzgebiet, Nationalpark, Landschaftsschutzgebiet… und nun auch noch NATURA 2000?

NATURA 2000 ist im Grunde genommen kein neues Schutzgebietssystem, sondern es verbindet Orte, an denen seltene Tiere und Pflanzen leben. NATURA 2000 Gebiete werden nicht unter Schutz gestellt – es gilt lediglich ein Verschlechterungsgebot. Für die Arten, die so selten sind,  muss ihre Heimat  so bleiben, wie sie ist. Sie kann und muss weiter bewirtschaftet und genutzt werden.

Wenn NATURA 2000 so besonders ist, kann ich es auch erleben?

Na klar. Das sollten Sie keinesfalls verpassen! Das Brandenburger Umweltministerium hat auf der Seite  http://www.mugv.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.168563.de die schönsten Touren  zusammengestellt. Sie haben die Qual der Wahl zwischen Sonntagsspaziergang mit Kind und Kegel, mehrstündiger Radtour, glitzernden Seen, geheimnisvollen Mooren, tiefen stillen Buchenwäldern und mondartigen Bergbaufolgelandschaften.

Was habe ich denn von NATURA 2000?

Viele Tiere, ob große oder kleine sind für uns jeden Tag im Einsatz. Sie bestäuben unser Obst, sorgen für eine ausreichende Samenproduktion, verwerten all die Reste , graben den Boden um, trennen kranke von gesunden Tieren… Dafür brauchen Sie eine geeignete Umgebung und gute Arbeits- und Lebensbedingungen. So wie einige von uns sich noch nie aus ihrer Heimatstadt entfernt haben, ist eine Vielzahl von Tieren auf bestimmte Pflanzen angewiesen. Ohne die geht’s einfach nicht und dann bleibt ihre Arbeit liegen.

Das macht sich bei uns erst nicht, aber dann immer mehr bemerkbar. Nacktschnecken im Garten, Spinnen im Haus, immer umfangreichere Chemie- oder Gentechnikkeulen bei der Nahrungsmittelproduktion, weniger Schmetterlinge, eintönige Landschaften.       

Also brauchen wir möglichst viele heimische Pflanzen auf denen möglichst viele heimische Tiere leben sollen. Natura 2000 schützt Artenvielfalt im europäischen Rahmen. Und Artenvielfalt heißt für uns wiederum Lebensqualität.

Und die Landwirte, Jäger, Fischer, Sportler? Was sagen die dazu?

Grundsätzlich gilt: jede Nutzergruppe kann das weiter machen, was sie die Jahre vor der Ernennung zum FFH Gebiet gemacht hat, denn die seltenen Arten konnten nur oder auch durch die Nutzung im Gebiet siedeln.

Aber Sie ahnen es bereits. Die Meinungen sind geteilt. Vom positiv eingestellten Bauern bis zum empörten Fischer können Sie ein breites Meinungsbild finden. Wie in jedem sozialen Geflecht kann die Mischung aus mangelnder Kommunikation, Existenzängsten,  marginaler  Empathie, fehlender Wertschätzung, und latenten Kränkungen eine explosive sein.

Doch fest steht: wir brauchen all die Tiere und Pflanzen, um auch unseren Enkeln eine wirtschaftliche Existenz mit Lebensqualität zu bieten. Artenvielfalt und damit der Erhalt inzwischen seltener Pflanzen und Tiere bedeutet Erhalt von Lebensqualität, denn sie bedeuten Heimat, Kultur, altes Handwerk, Geschichte, regionale Wirtschaftskreisläufe, Impulsgeber für Innovation, Schönheit, Ruhe, Rückzugsort, Apotheke und Speisekammer – und zwar alles gleichzeitig!       

Fünf Punkte um die Artenvielfalt und damit auch NATURA 2000 zu unterstützen.

Sie sind kein Jäger, kein Landwirt, kein Fischer – und wollen trotzdem was für NATURA 2000 und die Artenvielfalt tun?

1.       Entspannen Sie sich von ihrem hektischen Alltag in Brandenburgs schönster Natur, z.B. auf Wanderungen mit der Naturwacht oder allein und mit Freunden in NATURA 2000 Gebieten.

2.       Können Sie überhaupt noch unterschiedliche Apfelsorten erschmecken? Machen Sie den Test und kosten Champagnerrenette, Berliner Schafsnase  oder den Winterbananenapfel erhältlich auf Wochenmärkten, wie auf dem Berliner Kollwitzplatz, der Domäne Dahlem, oder auf Apfeltagen im September und Oktober überall in Brandenburg.

3.       Lange nicht mit Oma gesprochen? Alte Rezepte sind doch ein guter Aufhänger. Welche Erinnerungen haben die Eltern und Großeltern an alte Traditionen bei der Zubereitung von Speisen und Festessen?

4.       Muss es denn immer der einfachste Weg sein? Balkon- und Gartenblumen, aber auch alte Nutzpflanzen, Erdbeerspinat und Gewürztangerine können Sie preiswert beim Brandenburger Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen  www.vern.de oder bei dessen Bruder Dreschflegel erhalten

Kaufen Sie Bio. Sie sind was Sie essen.  Lieber weniger und qualitativ hochwertiger konsumieren.