BNE und erneuerbare Energien: Mit einer offenen Zukunft umgehen lernen

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ökopädNEWS
April 2012
Ausgabe Nr. 229

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BNE und erneuerbare Energien: Mit einer offenen Zukunft umgehen lernen


Im Februar und März veranstaltete der ANU-Bundesverband die Tagungsreihe BNEE – Bildung für nachhaltige Entwicklung und Erneuerbare Energien. Auf vier Tagungen arbeiteten ExpertInnen heraus, was Bildung für die Energiewende tun kann. Bildungsmethoden, um den Wandel zu begleiten und auch das Gehen auf unsicherem Terrain auszuprobieren, gibt es bereits.

Die bevorstehende Transformation des Energiesystems stellt uns vor große Herausforderungen in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Bildung ist dabei ein unerlässlicher Baustein im Umbauprozess, der die Menschen befähigen kann, sich komplexes, neues Wissen zu erarbeiten, Unsicherheiten auszuhalten, Emotionen zu hinterfragen sowie Entscheidungen zu treffen und umzusetzen.

Wo stehen wir in diesem Prozess und wie sieht diese Bildung für den Wandel aus? Folgende Punkte wurden auf den Tagungen angesprochen:

Wenig Wissen für die offene Zukunft

Für die nähere und fernere Zukunft ist das Wissen über die Veränderungen im Rahmen der Energiewende teilweise noch sehr gering und geprägt von Unsicherheit. Über die Potenziale der einzelnen Energieträger und die Zusammensetzung des Energiemix in der Zukunft existieren verschiedene Szenarien. Der Aus- und Umbaubedarf der Energieinfrastruktur, insbesondere der Stromnetze, ist für viele noch nicht verständlich genug dargestellt und abgewogen worden. Über die zukünftigen Bedarfe und Lebensstile, über technische und wirtschaftliche Entwicklungen ist wenig bekannt. Vor allem Lebensstilfragen und die Energieeinsparung durch Suffizienz sind schwierig vorauszusagen. Gleichzeitig ist die Informationsflut zu Themen der Energiewende groß und hoch dynamisch, was die Orientierung erschwert und dem Wissen teilweise kurze Halbwertszeiten beschert.

Emotionen begründen Entscheidungen

Aufgrund der Unsicherheit im Wissen über die Zukunft und der gleichzeitigen Ahnung, dass sich vieles ändern wird, ist die Diskussion um die Energiewende stark von Emotionen begleitet. Urteile und Entscheidungen beruhen stärker auf Annahmen und Glauben, wenn das Wissen unsicher ist. Bei verschiedenen wissenschaftlichen Szenarien, politischen Programmen und der ideologiegeprägten Frage, ob die Energiezukunft zentral oder dezentral ist, fällt das Bewerten und Urteilen und in der Folge das Entscheiden für individuelle Handlungen schwer.

Interdisziplinäre Bildung für die Energiewende

Die Energiewende erfordert ein noch viel stärkeres Ineinandergreifen und Zusammenarbeiten von Fachgebieten aus dem wissenschaftlichen, technischen, politischen, juristischen und ökonomischen Bereich gemeinsam mit Sozialwissenschaften und dem globalen, interkulturellen Lernen. Das stellt die beteiligten Akteure vor große Herausforderungen, weil die Bildungsstrukturen noch stärker an diese Anforderungen angepasst werden müssen und das Lernen im und mit einem Tandem aus Energiefach- und Bildungsbereich gestärkt werden müsste.

Den Wandel wagen

Von entscheidender Bedeutung für das Gelingen der Energiewende – und damit ist nicht nur das technische, sondern insbesondere das gesellschaftliche Gelingen gemeint – ist das Vermitteln des Wandels. Es kommt darauf an, ehrlich zu benennen, was die Energiewende für den Einzelnen und für die Gemeinschaft bedeutet. Derzeit werden viele Ziele ausgegeben, zum Beispiel das Zwei-Grad-Ziel als Maximum der Erderwärmung oder Einsparziele für 2020 und 2050. Aber der Weg oder die Wege dorthin und die Schritte auf diesen Wegen sind noch nicht klar erkennbar.

Es muss klar gesagt werden, dass Veränderungen bevorstehen, auch erhebliche, etwa die Umstellung von nachfrage- auf angebotsorientierte Energieverfügbarkeit oder Veränderungen im Landschaftsbild. Dabei ist wichtig, zuerst die normative Zielsetzung zu klären – was wir uns wünschen und wie wir zum Beispiel 2020 oder 2050 leben wollen – und dann die technischen Machbarkeiten zu beleuchten. Verschiedene Szenarien beschreiben die Wege in die Zukunft, und eine zentrale Aufgabe der Bildung ist es, mit diesen Szenarien zu arbeiten und die möglichen Wege zwischen heute und den Zielen verständlich zu machen. Dazu gehört auch, ehrlich zu sagen, dass wir mit unsicheren, unvollständigen und überkomplexen Informationen umgehen müssen und dass die Bereitschaft, sich etwa mit der Komplexität der Energieinfrastruktur zwischen Stromnetzen, Speichern und Kraftwerken auseinanderzusetzen, notwendig ist, um besser fundierte Urteile in der Energiewende bilden zu können.

Methodenwahl am Wandel ausrichten

Die Bildungsmethoden, die den Wandel gut begleiten können, sind vor allem Szenario-, Plan- und Rollenspiele. Ihr Vorteil ist, dass man die Zukunft „ausprobieren“ kann – mit der Möglichkeit der Umkehrbarkeit. Sich der Zukunft spielerisch nähern, die Auswirkungen von Entscheidungen kennenlernen können, ohne irreversible Fehler in der Realität zu machen, und auch Wege zu erkennen, die vielleicht vorher nicht sichtbar waren, erleichtert den Zugang zu Zukunftsoptionen und ihrer Bewertung. Diese Methoden unterstützen den Transfer von der Wissenschaft in die Bildung. Zu den vorgestellten Plan- und Rollenspielen gehören „Changing the Game“, ein Energieplanspiel aus Dänemark, das Planspiel „Windkraftkonflikt“ vom Wissenschaftsladen Bonn, das Rollenspiel „Zukunft der Energieversorgung“, entwickelt im Wissenschaftsjahr Energie 2010 des Bundesbildungsministeriums, sowie die Onlinespiele „Energetika“ und „Energie online“.

Um die technischen und weiteren Entwicklungen besser einschätzen und beurteilen zu können, ist mehr Basiswissen über technische, raumplanerische und wirtschaftspolitische Zusammenhänge nötig. So wurde etwa auf einer der Tagungen ein „Grundkurs Stromnetze“ angeboten.

Auch die Reflexion über Energie-Leitbilder ist eine wichtige Herangehensweise, um den Wandel zu thematisieren. So wurde auf der BNEE-Tagung zu Energielandschaften über das Leitbild Landschaftsbild reflektiert. Die Landschaft wird sich mit der fortschreitenden Energiewende noch weiter verändern – auch das gilt es zu kommunizieren. Neue Kulturlandschaften entstehen. Um sich ein Bild von den Veränderungen zu machen, bieten sich Exkursionen zu Erneuerbare-Energie-Anlagen und Ansätze zur ästhetischen Bildung aus den Spaziergangswissenschaften an.

Den Wandel kommunizieren bedeutet auch eine intensive Bürgerbeteiligung. Auf den Tagungen wurde festgestellt, dass es für die Akzeptanz von Veränderungen von großer Bedeutung ist, dass die Ergebnisse aus Beteiligungsprozessen bei der Umsetzung auch tatsächlich berücksichtigt werden oder sogar rechtliche Verbindlichkeit erreichen.

Kontakt: ANU-Bundesverband, BNEE-Tagungsorganisatorin Angelika Schichtel, Frankfurt/M., Tel. +49 (0)69 / 310192-43,

www.umweltbildung.de/bnee.html

 

 

 

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