Bildung für nachhaltige Entwicklung in Großbritannien - Ein Blick über den Kanal

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ökopädNEWS
Juni 2011
Ausgabe Nr. 221

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Bildung für nachhaltige Entwicklung in Großbritannien - Ein Blick über den Kanal


Die britische Unesco-Kommission hat eine landesweite Evaluation zur BNE in den letzten beiden Jahren veröffentlicht. Sowohl die politischen Entscheidungen als auch die schulische und außerschulische Bildung wurden untersucht und bewertet. Die Studie begreift ihren Gegenstand als Wertesystem, bei dem eine Kultur des Respekts im Mittelpunkt steht.

Im September 2010 veröffentlichte die britische Unesco-Kommission eine Evaluation der Entwicklungen im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Großbritannien in den letzten beiden Jahren. Die Untersuchung bezieht sowohl politische Entscheidungen als auch schulische und außerschulische Bildung ein.

Wie weit wird BNE umgesetzt?

Das britische Bildungsministerium DCSF versucht im schulischen Bereich BNE voranzubringen, zum Beispiel durch das Programm „Sustainable Schools“, Weiterbildungs- und Beratungsangebote für Schulen und ein Netzwerk für Lehrkräfte. Insgesamt werden die Programme und Projekte in den Bereichen Nachhaltigkeit/BNE und Globales Lernen in der formalen Bildung gut angenommen.

An Hochschulen gibt es regionale und überregionale Arbeitskreise, die sich mit der Integration des Nachhaltigkeitsgedankens in Forschung und Studium befassen. Auch von studentischer Seite wurden schon mehrere Projekte gestartet, darunter „Snap it Off – a campaign to get unnecessary lights switched off“ oder „Carbon Ambassadors – a scheme to train students to carry out community carbon audits“.

In der beruflichen Aus- und Weiterbildung gibt es in einigen Branchen wie dem Baubereich durchaus gewisse BNE-Aktivitäten. Insgesamt ist zwar das Interesse an Nachhaltigkeit gestiegen, jedoch sind nur wenige Fortschritte in der Bildungspraxis erkennbar. In der Erwachsenenbildung gibt es einige Ansätze zur Umsetzung von BNE, insbesondere ein Positionspapier „From Here to Sustainability“, zu dem auch Fortbildungen angeboten werden.

Der aktuelle Bericht gibt auch Hinweise auf den außerschulischen Bereich. So werden nationale Vereinigungen und Nichtregierungsorganisationen (NGO) aufgeführt, die BNE auf unterschiedliche Art und Weise betreiben, darunter Friends of the Earth, Oxfam und der WWF. Der Bericht nennt auch wichtige außerschulische BNE-Akteure, allen voran die Organisation Sustainable and Environmental Education (SEEd), die aus einem nationalen Umweltbildungsrat hervorgegangen ist und ihren thematischen Schwerpunkt 2009 in Richtung BNE erweitert hat.

Darüber hinaus gab es 2009 in Großbritannien insgesamt sechs sogenannte Regional Centres of Expertise, die von der United Nations University (UNU) anerkannt sind und als regionale Netzwerke für verschiedenste Akteure fungieren. Die Studie geht davon aus, dass Entwicklungen in diesem Bereich eher von der Politik ausgehen und einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel anstoßen, nicht umgekehrt.

Auch die Auswirkungen internationaler Konferenzen im Jahr 2009 wie der Unesco-Weltkonferenz „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und der UN-Klimakonferenzen in Bonn und Kopenhagen werden in dem Report speziell in Großbritannien positiv bewertet.

Definitionsschwierigkeiten bei BNE

Wie in Deutschland wird auch in Großbritannien der Begriff BNE von den verschiedenen Akteuren wie Regierung und Verwaltung, formalen Bildungsanbietern, NGOs, Hochschulen, in der Freiwilligen- und Jugendarbeit bis hin zu Medien, Wirtschaft und Glaubensgemeinschaften verwendet und sehr unterschiedlich interpretiert. Die Verfasser der Studie haben sich darauf geeinigt, BNE als Wertesystem zu begreifen, in dessen Mittelpunkt Respekt vor den – auch zukünftigen – Menschen, vor der Natur und den natürlichen Ressourcen steht. Weiterhin sei BNE lebenslanges Lernen von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter, und zwar in jeder denkbaren Lebens- und Arbeitssituation, sei es formelle oder informelle Bildung.

Die unklare Definition macht es schwierig, tatsächliche Erfolge von BNE zu messen. Zählbar sind zwar die Gelder, die in BNE-Programme fließen, die Zahl neuer Lehrerfortbildungen oder die Anzahl der Schulen, die sich an einem BNE-Projekt beteiligen – aber schwerlich der ursächliche Zusammenhang zwischen BNE und dem Bewusstseinswandel oder der Veränderung im täglichen Leben der Menschen.

Auswirkungen von BNE

Aus einem anderen Blickwinkel bemühen sich in der Unesco-Evaluation erwähnte Studien, den Erfolg von BNE anschaulich zu machen. 2009 untersuchten der WWF Großbritannien und der Ofsted Report mit einer Langzeitstudie die Auswirkungen nachhaltigen Lernens aus Schülersicht. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren wurden Schüler immer wieder nach BNE-spezifischen Veränderung ihres Verhaltens befragt. Feststellen ließ sich dabei, dass nachhaltige Entwicklung aus den Schulen weit in den Lebensraum der Schüler, deren Familien und ihr ganzes Umfeld hineinstrahlt. Eine weitere Ofsted-Studie aus dem Jahr 2010 zeigt an einer Vielzahl von Beispielen, dass BNE sich langsam in den Köpfen der britischen Schüler verankert und immer mehr an Bedeutung gewinnt. [Lisa Hübner, Jürgen Forkel-Schubert]

Studie: www.eauc.org.uk/from_the_chair_of_uk_national_commission_for_un

 

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