Kultur und Nachhaltigkeit. Über Lebenskunst

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April 2011
Ausgabe Nr. 219

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Titelthema

Kultur und Nachhaltigkeit. Über Lebenskunst


Im April 2010 startete in Berlin das Projekt Über Lebenskunst. Es will künstlerische und kulturelle Initiativen für nachhaltige Lebensmodelle präsentieren. Mehr als 850 Ideen aus der ganzen Welt wurden eingereicht. Die besten werden in diesem Jahr präsentiert – als Veranstaltungsreihe, Aktionen, Installationen und Festival.

Berlin ist eine Metropolregion, in der Menschen aus über 190 Ländern wohnen. Klimawandel und globale Umweltkrise werden hier besonders intensiv wahrgenommen. Berlin könnte zu einer Modellstadt für nachhaltigen Alltag im 21. Jahrhundert werden. Die Kulturstiftung des Bundes rief daher im Jahr 2009 die Initiative „Über Lebenskunst“ ins Leben. Sie soll sich mit den Perspektiven eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbaus hin zu einer nachhaltigen Lebensweise befassen und der Frage nachgehen, welche Rolle die Kultur in einem solchen Prozess spielen kann. Die Stiftung stellt dafür bis 2012 insgesamt 3,5 Millonen Euro zur Verfügung.

Über Lebenskunst.Initiativen
Eine internationale Jury wählte im August 2010 nach weltweiter Ausschreibung 14 Initiativen aus. Gesucht waren künstlerische Projekte, soziale Initiativen und Ideen, die neue Formen der Zeitnutzung, der Organisation und Kooperation erproben, alltagstaugliche Alternativen aufzeigen oder zum Mit-, Nach-, Selber- und Andersmachen einladen. Mehr als 850 Projekte wurden im „Call For Future“ eingereicht und setzten sich auf vielfältige Weise mit der Frage auseinander: Stell dir vor, der Tag hat eine Stunde mehr, wie können wir diese 25. Stunde nutzen, um etwas anders zu machen? Ein Jahr lang werden die ausgewählten Initiativen seit September 2010 mit bis zu 20.000 Euro gefördert. Auf der Über-Lebenskunst-Webseite führen die ProjektträgerInnen Blogs und geben Einblicke in ihre Arbeit.

Über Lebenskunst.Schule
Für die Teilnahme an dem Vorhaben wurden 18 KünstlerInnen und Kulturschaffende aus sieben Bundesländern ausgewählt. Sie arbeiten in verschiedenen Tätigkeitsfeldern wie Bildende Kunst, Fotografie, Design, Theater, Performance, Musik, Textildesign, Tanz und Stadtforschung. Bis Juli 2011 werden sie in zehn Modulen fachlich umfassend qualifiziert und auf die Arbeit mit SchülerInnen in der Praxis vorbereitet. Gemeinsam mit Partnerschulen entwickeln sie Ideen für Kultur- und Nachhaltigkeitsprojekte. Die Projektideen werden beim Festival Über Lebenskunst im August präsentiert und ab dem kommenden Schuljahr an den Schulen umgesetzt.

Vorratskammer
Das einjährige Projekt „Vorratskammer“ der Künstlerinnen-Initiative Myvillages.org setzt sich mit Nahrungsanbau, Ernährung und Bewirtung in und um Berlin auseinander. Seit Juli sind Kathrin Böhm, Wapke Feenstra und Antje Schiffers damit beschäftigt, gemeinsam mit Initiativen und einzelnen ProduzentInnen eine Vorratskammer anzulegen, aus der die BesucherInnen des Festivals Über Lebenskunst im August 2011 bewirtet werden. Zum Festival Über Lebenskunst im August werden alle Vorräte in einem großen Lagerraum im Haus der Kulturen der Welt zusammengetragen. Täglich werden verschiedene Speisen für verschiedene Anlässe zubereitet, vom Stehimbiss bis zur gemeinsamen Tafel. Während der Bewirtung erfahren die BesucherInnen Wissenswertes über die geografische und historische Herkunft der Nahrungsmittel.

Festival Über Lebenskunst
Vom 17. bis 21. August wird Berlin durch das Festival Über Lebenskunst zum Umschlagplatz für künstlerische Positionen und praktische Modellversuche. Mit Installationen, Performances, Konzerten, Filmen, Workshops, Lesungen und Gesprächen im Haus der Kulturen der Welt und im Berliner Stadtraum eröffnet das Festival neue Perspektiven auf eine nachhaltige Lebenskunst. Die BesucherInnen sind stets aktiv dabei. Sie können mit einem Solarboot ankommen, in temporären Bauten des Festivals übernachten oder sich mit den KünstlerInnen austauschen.

Weitere Projekte und Veranstaltungen sind in Bearbeitung. „Mein Lieblingsteil“ erzählt Geschichten einzelner Kleidungsstücke und thematisiert zugleich Textilproduktion, -handel und -konsum. Urban Mobility will auf Grundlage von „Nutzungsinnovationen“ neue Ansätze städtischer Mobilität entwickeln und für das Festival modellhaft umsetzen. „Anthologie Über Lebenskunst“ versammelt neue literarische und essayistisch-philosophische Texte, die sich mit zukünftigen Lebensweisen unter den Bedingungen der ökologischen Krise auseinandersetzen. Der Über Lebenskunst.Klub widmet sich in experimentellen Formaten Fragen der Nachhaltigkeit. In WortWelten finden Gespräche und Lesungen mit ExpertInnen und AutorInnen aus aller Welt statt. Und nicht zuletzt gibt es natürlich Musik aus der internationalen Musikszene Berlins, speziell komponiert und live zum Projekt Über Lebenskunst. [Jürgen Forkel-Schubert]

www.ueber-lebenskunst.org

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