Klimaneutrale Zertifizierung -NaturGut Ophoven geht voran

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August/September 2010
Ausgabe Nr. 213

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Titelthema

Klimaneutrale Zertifizierung -NaturGut Ophoven geht voran


Viele Unternehmen engagieren sich für den Klimaschutz und kompensieren freiwillig ihre CO2-Emissionen. Die meisten Umweltzentren in Deutschland nutzen diese Möglichkeit aber noch nicht. Das Bildungszentrum NaturGut Ophoven in Leverkusen möchte hier Vorbild sein und hat sich klimaneutral zertifizieren lassen.
Der steigende Ausstoß von Treibhausgasen ist die Hauptursache für den Klimawandel. Die Vermeidung von CO2-Emissionen ist das wichtigste Element im Kampf dagegen. Alle Einrichtungen, auch Umweltzentren, belasten das Weltklima durch die Emission von Kohlendioxid. Es entsteht zum Beispiel durch Stromverbrauch, Heizung, Mobilität der Mitarbeiter und Besucher oder Versand von Waren. Durch bessere Energieeffizienz, Wärmedämmung oder die Vermeidung unnötiger Autofahrten kann CO2 eingespart werden. Komplett klimaneutral wird eine Einrichtung aber erst dann, wenn auch die nicht mehr vermeidbaren CO2-Emissionen durch Einsparungen an anderem Ort kompensiert – also ausgeglichen – werden. Das kann auch durch Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern geschehen.

Wie wird eine Einrichtung klimaneutral?
Der erste Schritt zur Klimaneutralität ist eine CO2-Bilanz des gesamten Geschäftsbetriebs. Die Quellen der Emissionen werden ermittelt und die Emissionen beziffert. Diese Bilanz muss jedes Jahr neu erstellt werden. Der zweite Schritt ist die CO2-Reduktion. Dazu müssen CO2-Einsparpotenziale aufgespürt und realisiert werden. Im dritten und letzten Schritt kann dann eine CO2-Kompensation erfolgen: Die nicht weiter reduzierbaren Emissionen werden durch international anerkannte Klimaschutzzertifikate ausgeglichen.
Da das Treibhausgas CO2 global wirkt, egal wo es entstanden ist, können auch die Maßnahmen zur Kompensierung global durchgeführt werden. Für jede nicht eingesparte Tonne CO2 kann ein bestimmter Geldbetrag gezahlt werden, mit dem internationale Klimaschutzprojekte finanziert werden. Das schafft zugleich eine gewisse Klimagerechtigkeit, denn ein Mensch in Afrika oder Indien emittiert im Durchschnitt wesentlich weniger Treibhausgase als ein Europäer oder US-Bürger.
Der CO2-Ausgleich wird durch Klimaschutzzertifikate bestätigt und dokumentiert. Eine Zertifizierung sollte nur durch eine neutrale, international anerkannte Organisation erfolgen. Die Zertifizierung führt in der Regel zu einer deutlichen Sensibilisierung für den Klimaschutz bei Mitarbeitern wie Besuchern. Die Glaubwürdigkeit des Zentrums steigt und die Einrichtung wird zu einem Vorbild für andere.

Kann ein Bildungszentrum klimaneutral sein?
Klimaschutz ist im Umweltbildungszentrum NaturGut Ophoven in Leverkusen seit vielen Jahren ein wichtiges Thema in der pädagogischen Arbeit. Jetzt ist das NaturGut als erstes CO2-neutrales Umweltinformationszentrum in Deutschland mit dem ersten klimaneutralen Bio- Bistro Deutschlands und der ersten klimaneutralen Biologischen Station zertifiziert worden. „Es geht um Glaubwürdigkeit“, sagt Hans-Martin Kochanek, Leiter der Einrichtung. „Wollen wir den Klimaschutz ernst nehmen, müssen wir auch in unserem eigenen Tun vorbildlich sein.“
Beim Umbau der Scheune im NaturGut Ophoven waren Nachhaltigkeit und Energiebewusstsein oberstes Gebot: Das Gebäude besitzt Niedrigenergiehausstandard. Bewegungsmelder im Flur schalten das Licht an. Als Heizung dienen ein umweltfreundliches Blockheizkraftwerk und ein Holzvergaserkessel. Die Unternehmensberatung ClimatePartner errechnete aus den Treibhausgasemissionen der Verwaltungsaktivitäten, des BioBistros und der im Zentrum ansässigen NABU-Naturschutzstation Rhein-Berg den „CO2-Fußabdruck“ des NaturGutes. Vermeidungs- und Reduktionspotenziale ergeben sich, wenn etwa der Verbrauch an Papier und Energie weiter eingeschränkt und die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefördert wird. Für das NaturGut Ophoven wurde ein Gesamtausstoß von 178 Tonnen CO2 ermittelt, für die Naturschutzstation 17 Tonnen – bezogen auf 2008.
Diese nicht mehr vermeidbaren CO2-Emissionen kompensiert das NaturGut durch Ausgleichszahlungen nach dem sogenannten CDM Gold Standard mit 24 Euro pro Tonne CO2. Das Geld fließt in ein entsprechend zertifiziertes Klimaschutzprojekt.

Der Gold Standard
Der Gold Standard wurde 2003 von Wissenschaftlern und Vertretern nichtstaatlicher Organisationen unter Federführung des WWF entwickelt. Der Fokus der Gold-Standard-Projekte liegt bei erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Investiert wird nur in Projekte, die unabhängig, validiert und verifiziert sind, sodass die Glaubwürdigkeit und die Integrität der Kompensationsprojekte garantiert werden kann.
Das NaturGut Ophoven investiert in ein Myclimate-Klimaschutzprojekt in Madagaskar. Dort werden effiziente Solarkocher verbilligt an die Bevölkerung abgegeben, um der voranschreitenden Abholzung entgegenzuwirken. Durch das Kochen auf den Solarkochern sinkt der Verbrauch von Brennholz und Holzkohle und klimaschädliche CO2-Emissionen werden reduziert. Vor Ort werden Schulungsprogramme für die Bevölkerung durchgeführt.
Aus Anlass der klimaneutralen Zertifizierung des NaturGuts Ophoven fand im Mai das Symposium „Klimaneutral zertifiziert! Chancen für Unternehmen und Bildungseinrichtungen“ statt. Die Fachbeiträge können von der Internetseite des NaturGuts heruntergeladen werden.

[Ute Rommeswinkel, Jürgen Forkel-Schubert]

Förderverein NaturGut Ophoven, Ute Rommeswinkel, Leverkusen, Tel. +49 (0)2171 / 7349941,
E-Mail: ute.rommeswinkel@naturgut-ophoven.de
www.naturgut-ophoven.de

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