Norddeutsche BNE-Konferenz. Partizipation lernen

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ökopädNEWS
Oktober 2009
Ausgabe Nr. 204

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Titelthema

Norddeutsche BNE-Konferenz. Partizipation lernen


Partizipative Bildungsansätze standen im Mittelpunkt der dritten NUN-Konferenz der norddeutschen Länder zur Unterstützung der UN-Dekade BNE in Schwerin. Biosphärenreservate gelten dafür als Testfall. Beschlossen wurde auch, bis 2014 in allen Ländern ein norddeutsches Zertifikat für die außerschulische Bildung einzuführen.
Die norddeutschen Länder vereint eine gemeinsame Geschichte, Kultur und der prägende Lebensraum Küste. Sie haben deshalb einen regelmäßigen Austausch aller Akteure der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) vereinbart, um voneinander zu lernen und Synergien zu nutzen. Der Norddeutschen Partnerschaft zur Unterstützung der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005-2014 – kurz NUN – gehören Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein an, Bremen nimmt als Gast teil. In einer länderübergreifenden Projektgruppe sind Akteure aus Verwaltung und Nichtregierungsorganisationen vertreten. Alle zwei Jahre organisieren sie eine überregionale Konferenz. Die inzwischen dritte NUN-Konferenz fand Anfang September mit mehr als 220 Teilnehmern im Schweriner Schloss statt, hervorragend organisiert vom mecklenburg-vorpommerschen Umweltministerium.

Menschen an Bildungsprozessen beteiligen
Im Mittelpunkt stand die Diskussion darüber, wie weit die Partizipation in den einzelnen Bildungsbereichen vorangekommen ist. Es wurden gute Beispiele vorgestellt, Defizite benannt und neue Wege der Beteiligung an Bildungsprozessen herausgearbeitet. Lenelis Kruse-Graumann, Professorin an der Universität Heidelberg und Vizevorsitzende des Nationalkomitees der UN-Dekade BNE, sagte in ihrem einleitenden Vortrag, es genüge nicht, Wissen über Nachhaltigkeit zu vermitteln oder die Aneignung von Kompetenzen unabhängig von Inhalten zu fördern. Entscheidend sei vielmehr, Handlungserfahrungen in wichtigen Nachhaltigkeitsfeldern zu ermöglichen und die Menschen aufzufordern, tatsächlich etwas zu tun. Ähnlich argumentierte Herbert Asselmeyer von der Universität Hildesheim, der Partizipation als Teil des innovativen Lernens und in gewissem Grad als unerlässlich für ein autonomes Handeln ansieht.

Länderübergreifender Bildungsaustausch
Die in Deutschland wohl einzigartige länderübergreifende Zusammenarbeit in der NUN ermöglicht einen intensiven Erfahrungsaustausch in allen Bildungsbereichen. Die Akteure der frühkindlichen Bildung diskutierten verschiedene Materialkisten, mit denen BNE in Kindertagesstätten besser umgesetzt werden kann. In der AG Schule fand das Thema Energie und Klima großes Interesse – hier wurde ein Leitfaden entwickelt, um Potenziale zu erkennen und durch partizipative Methoden besser nutzen zu können. Die Teilnehmenden aus der Beruflichen Bildung befassten sich mit Energie- und Ressourceneffizienz. Wie man vom Süden lernen kann und welche Rolle Partizipation bei Nord-Süd-Kooperationen spielt, stand auf dem Programm der AG Internationale Weiterbildung.
Vertreter norddeutscher Unesco-Biosphärenreservate schlossen sich zu einer neuen NUN-Arbeitsgruppe zusammen und diskutierten informelle Lernprozesse anhand einer Klimaschutzerhebung für alle Landnutzungsformen. In Deutschland gibt es rund 30 solcher Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Welche Bedeutung BNE bei der Ansprache breiter Bevölkerungsgruppen haben kann, zeigte Klaus Jarmatz, Amtsleiter des Biosphärenreservates Schaalsee in Mecklenburg.

Schweriner Erklärung
In der außerschulischen Bildung läuft schon seit Jahren ein Zertifizierungsprozess in Schleswig-Holstein. Auf Grundlage der dortigen Erfahrungen arbeiteten Vertreter aus Behörden und Nichtregierungsorganisationen einen neuen Kriterienkatalog aus. In einer auf der Konferenz vorgelegten „Schweriner Erklärung“, die von einer großen Mehrheit in der AG Weiterbildung unterstützt wurde, heißt es:
„Die existierenden Instrumente zur Qualitätssicherung und -entwicklung, wie z. B. EFQM oder EMAS, sind überwiegend zu aufwändig, zu teuer oder nicht auf die speziellen Bedarfe von Anbietern außerschulischer BNE in Norddeutschland ausgerichtet. Der in allen NUN-Ländern geplante Qualitätsentwicklungsprozess bietet allen Einrichtungen und Anbietern die Möglichkeit, ein NUN-Zertifikat zu erhalten. Durch die dazugehörige NUN-Dachmarke soll eine hohe Akzeptanz und größere öffentliche Wahrnehmung erreicht werden und daraus den Bildungsanbietern ein Marketingvorteil erwachsen.“
Alle norddeutschen Behörden und Bildungseinrichtungen wurden aufgefordert, bis zur 4. NUN-Konferenz 2011 den vorgelegten Kriterienkatalog zu diskutieren und Wege der Umsetzung zu beschreiten. Bis zum Ende der UN-Dekade 2014 sollen abgestimmte Qualitätsstandards für die außerschulische BNE in allen NUN-Ländern gelten, spezielle Weiterbildungsangebote aufgebaut und eine Marketingoffensive für die NUN-Dachmarke etabliert sein.

Nächste Konferenz 2011 in Hannover

Am Ende der Konferenz übergab der mecklenburg-vorpommersche Umweltstaatssekretär Karl Otto Kreer symbolisch den Staffelstab für die nächste Konferenz in zwei Jahren an seinen Kollegen Bernd Althusmann aus dem niedersächsischen Kultusministerium. Beide zeigten sich beeindruckt von der geleisteten Arbeit und versprachen, das außerschulische NUN-Zertifikat voranzubringen. [Jürgen Forkel-Schubert]

Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Dirk Niewöhner, Schwerin, Tel. +49 / (0)385 / 588-6205, E-Mail: d.niewoehner@lu.mv-regierung.de, www.nun-dekade.de

Schweriner Erklärung und Kriterienkatalog: www.nun-dekade.de/fileadmin/nun-dekade/dokumente/materialie

 

 

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