Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband - Zwanzig Jahre ANU-Netzwerk

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ökopädNEWS
Mai 2009
Ausgabe Nr. 200

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Titelthema

Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband - Zwanzig Jahre ANU-Netzwerk


Als 1989 die Mauer fiel, war die Zeit reif für Veränderungen. Umweltprobleme konnten gesamtdeutsch angegangen werden. Einen wichtigen Beitrag zum heutigen Erfolg der Umweltbewegung leistet das ANU-Netzwerk durch seine Kommunikationsarbeit zwischen Umweltzentren und -pädagogInnen in ganz Deutschland.

Bereits Mitte der Siebzigerjahre regte sich Unmut unter engagierten PädagogInnen über die mangelhafte Behandlung von Umweltthemen in der Schule. Unter dem Dach der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft organisierten sie seit 1984 jährliche Tagungen über „Wege zur Naturerziehung“. Im Oktober 1987 verfassten sie auf der Insel Mainau eine Resolution zur Natur- und Umwelterziehung. Dieser Appell richtete sich an alle Bildungseinrichtungen in der Bundesrepublik: „Die Grundlagen unseres Lebens sind in größerer Gefahr als je zuvor. Die Zerstörung unserer natürlichen Umwelt hat globale Züge angenommen“, hieß es darin. Große Hoffnungen würden auf die Umwelterziehung gesetzt – jedoch: „In den meisten Schulen herrscht noch Vermittlung von Fachwissen vor. Vernetztes Denken, Fühlen und Handeln oder fächerübergreifender, ganzheitlicher Unterricht sind noch selten“, so das Grundsatzpapier. „Da Schule sich nur langsam verändert, verwundert es nicht, dass diese Art von Umwelterziehung überwiegend in den Umweltzentren, den Vereinen, Verbänden und Initiativen erfolgt.“

Keimzelle AGUZ in Nordrhein-Westfalen

Verfasser der Resolution war die Arbeitsgemeinschaft der Umweltzentren, kurz AGUZ. Ihrem Sprechergremium mit Sitz im Biologiezentrum Bustedt in Nordrhein-Westfalen gehörten neben dem Leiter Herrmann Diekmann und seiner Kollegin Regina Urban auch Otto Bünemann vom Schulbiologiezentrum (SBZ) Dortmund, Fritz Heidorn von der Ökologiestation Bremen, Eberhard Reese und Renate Grothe vom SBZ Hannover, Hans-Martin Kochanek vom SBZ Leverkusen und Martina Schmidt von der Waldschule Cappenberg an. Ihre 1988 erstellte Übersicht „Umweltzentren in Nordrhein-Westfalen“ rief großes Interesse hervor und verschaffte der Arbeitsgemeinschaft viele Adressen weiterer Einrichtungen aus ganz Deutschland.
Im folgenden Jahr veröffentlichte die AGUZ unter dem neuen Namen Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) die Dokumentation „Umweltzentren in der Bundesrepublik“. Diese systematische Erfassung von rund 150 außerschulischen Umweltbildungseinrichtungen in Westdeutschland erlaubte es erstmals breiten Kreisen, gleichgesinnte Institutionen aufzufinden und Kontakte zu knüpfen – eine echte Pionierleistung in der damaligen internetlosen Zeit.

Deutsch-deutsche Begegnungen

Parallel zu diesem Zusammenschluss der Bildungseinrichtungen organisierten sich seit Mitte der Achtzigerjahre die MitarbeiterInnen von Umweltzentren, Zoos und botanischen Gärten, aber auch freiberufliche NaturerlebnispädagogInnen in regionalen Arbeitskreisen, so etwa im Rheinland, im Ruhrgebiet, in Westfalen, Bayern und Norddeutschland. Auf Bundesebene lud Heinz Kissling vom Frankfurter Deutschen Panda Club jedes Jahr zum Kennenlernen und gegenseitigen Informationsaustausch ein. Im Mittelpunkt standen häufig die neuesten Naturerlebnisspiele des großen Vorbilds Joseph Cornell.
Als 1989 mit dem Mauerfall auch Menschen aus dem Osten Deutschlands in den Westen reisen konnten, war die Zeit reif für eine gesamtdeutsche Vernetzung in der außerschulischen Umweltbildung. Mit der deutschen Wiedervereinigung war zugleich die Idee eines gesamtdeutschen Zusammenschlusses geboren. So knüpfte Jürgen Forkel, damals Leiter des Düsseldorfer BUND-Naturschutzzentrums, Kontakte in die Partnerstadt Chemnitz und traf sich mit Manfred Hastedt, dem späteren Leiter des Chemnitzer Umweltzentrums, und Klaus Lindner, damals noch Leiter der Station Junger Naturforscher. Gemeinsam mit Heinz Kissling organisierten sie 1990 das erste deutsch-deutsche Treffen der UmweltpädagogInnen.

Ein gesamtdeutscher Dachverband

Im Sommer 1990 wurde im Ökowerk Berlin der ANU-Bundesverband als gemeinnütziger Verein aus der Taufe gehoben. Mitglieder konnten sowohl Einzelpersonen als auch Umweltzentren werden. Im ANU-Vorstand, dem Sprecherrat, müssen stets VertreterInnen aus Zentren und Einzelpersonen vertreten sein.
Bald zeigte sich, dass die ANU auch in den Bundesländern präsent sein musste. So wurden ab 1992 in kurzer Folge ANU-Landesverbände gegründet, zunächst in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen/Bremen, dann in Hamburg und Sachsen. Heute ist die ANU in 13 Bundesländern vertreten und hat 740 Mitglieder, darunter etwa 300 Umweltzentren.
Um ihren Zielen näherzukommen, führt die ANU regelmäßig bundesweite Projekte durch. „Entwicklung und Erprobung von Konzepten zum Schutz der Erdatmosphäre in der Weiterbildung“ hieß das erste Projekt, das gemeinsam mit der Pädagogischen Arbeitsstelle des Deutschen Volkshochschulverbandes von 1993 bis 1995 durchgeführt wurde. Weitere Projekte folgten, darunter das ANU-Netzwerk und „ANU 2000 – Förderung einer Bildung für Nachhaltigkeit in den Umweltzentren“.

Das ANU-Netzwerk entsteht

Für ein funktionierendes Netzwerk ist eine gute Kommunikation das A und O. Deshalb wurde der 1991 von Jürgen Forkel in Düsseldorf gegründete BUND-Rundbrief ökopädNEWS zum neuen Informationsdienst der ANU ausgebaut. Monatlich konnten sich nun Mitglieder und Interessierte über die Fortschritte in der Verbandsarbeit informieren. Wegen der wachsenden Zahl der Mitglieder ließ die ANU die ökopädNEWS später professionell über den oekom verlag in München erstellen und vertreiben. Dort erscheinen sie bis heute als Bestandteil des umweltpolitischen Informationsdienstes – zunächst punkt.um, heute umwelt aktuell, herausgegeben vom Deutschen Naturschutzring.
Mit dem Aufkommen von E-Mail und Internet Mitte der Neunzigerjahre wurden völlig neue Formen der Kommunikation möglich. Hier leistete Wolfgang Schröder vom Hamburger Verein Mensch – Umwelt – Technik als Pionier der Szene und technischer Berater der ANU entscheidende Geburtshilfe für den Aufbau der heutigen Netzwerkstrukturen.
Mit Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) wurde in den Jahren 1996 bis 1999 im Hamburger Umweltzentrum das ANU-Netzwerk aufgebaut. Die MitarbeiterInnen Sybille Hielscher und später Birgit Farnsteiner und Ralf Behrens wurden begleitet von einem Beirat, in dem neben Jürgen Forkel und Wolfgang Schröder auch Walter Leal, Professor an der TU Harburg, und Wolfgang Prott von der Hamburger Umweltbehörde mitwirkten.

Steigende Zugriffe im Internet

Zunächst entstand eine noch statische Internetpräsenz der ANU, schon bald ergänzt durch einen interaktiven Veranstaltungskalender, eine Materialiensammlung und eine Referentenbörse. Erfinder dieser für die damalige Zeit sehr progressiven Werkzeuge war der junge Hamburger Schüler Tobias Jeske. Später wurde die Webseite durch ein Content-Management-System ersetzt und durch weitere Funktionen wie den nur mit einem Passwort zugänglichen „Mitgliederraum“, ergänzt. Ein anderer wichtiger Baustein ist die von Webmasterin Birgit Paulsen betreute ANU-Mailingliste, die zum Teil mehrmals in der Woche kostenlos aktuelle Informationen an über 2.500 Adressen liefert.
Die Zugriffsstatistik auf die ANU-Internetpräsenz unter www.umweltbildung.de kann sich sehen lassen. Insgesamt können rund 4.300 verschiedene Webseiten abgerufen werden. Im Jahr 2008 griffen rund 180.000 Besucher (ohne Suchmaschinen) insgesamt 2,3 Millionen Mal auf die Seiten zu. Ganz oben auf der Hitparade steht die Startseite mit ihren aktuellen Informationen, danach folgen die Rubriken „Nachhaltigkeit lernen“, die Umweltzentren-Datenbank mit ihren rund 1.200 Einrichtungen und die Referentenbörse mit derzeit über 350 Einträgen.
Die meisten Zugriffe erfolgen wochentags zwischen neun und 18 Uhr, also während der Arbeitszeit. Es kann daher angenommen werden, dass die Webseite überwiegend aus beruflichen Gründen und zu beruflichen Zwecken besucht wird. Die NutzerInnen kommen überwiegend aus Deutschland, in geringerem Umfang aber auch aus der Schweiz, Österreich und den Niederlanden. Überwiegend erfolgen die Zugriffe über Suchmaschinen. Dort werden insbesondere die Ausdrücke Umweltbildung, ANU, Umweltzentren und ökopädNEWS eingegeben. Nach Schätzung fügen immerhin rund 15 Prozent der Besucher die ANU-Webseite zu den Favoriten ihres Internetbrowsers hinzu.

Vernetzung im Rahmen der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung

Während andere Netzwerke wie die Clearingstelle Umweltbildung des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung nach wenigen Jahren ihrem Betrieb wieder einstellen mussten, erfreut sich das ANU-Netzwerk bis heute stetig wachsender Beliebtheit. Im Rahmen der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) 2005 bis 2014 wurde das ANU-Netzwerk auch als Maßnahme in den deutschen Nationalen Aktionsplan aufgenommen. Es soll die Vernetzung zwischen BNE-Redaktionen im deutschsprachigen Raum fördern, die Reichweite erhöhen, den fachlichen Austausch verbessern und die Medienprofile schärfen. Mehrere Vernetzungstreffen fanden statt und eine Übersicht von Print- und digitalen BNE-Medien von 46 Redaktionen im deutschsprachigen Raum entstand. Mit Redaktionen in Österreich und der Schweiz wurde ein kontinuierlicher Informationsaustausch vereinbart. Als nächste Schritte sind die Erfassung der Medien innerhalb der ANU und ein Treffen von BNE-Medienfachleuten geplant.

[Jürgen Forkel-Schubert]

 

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