Umweltbildung: Dienstleistung statt ABM ?

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ökopädNEWS
Februar 1994
Ausgabe Nr. 033

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Titelstory

Umweltbildung: Dienstleistung statt ABM ?


Die Lage ist ernst, doch jammern allein hilft überhaupt nichts. Viele UmweltpädagogInnen, die auf eine ABM-Stelle hoffen, werden wohl dieses Jahr leer ausgehen. Nachdem Ende 1993 aus den östlichen Bundesländern noch erhebliche Mittel für ABM in den Westen geflossen waren und danach wider Erwarten neue ABM-Stellen geschaffen werden konnten (wenn auch z.T. nur für 4 1/2 Monate), droht nun dem 2. Stellenmarkt das Aus.

Die Bundesanstalt für Arbeit beschloß jetzt erneut drastische Einsparungen bei ABMaßnahmen: nur noch 29 Mio. DM stehen bundesweit zur Verfügung, das sind etwa 600 Stellen bundesweit. In vielen Ländern und Kommunen werden diese Mittel verständlicherweise zur Aufstockung der laufenden 4 1/2 Monatsverträge auf 1 Jahr verwendet werden müssen. Geld für Neubewilligungen bleibt damit nicht. Vor allem soziale, kulturelle und Bildungsprojekte bleiben auf der Strecke. Frust macht sich breit. Eine katastrophale Situation angesichts des überall steigenden Interesses an Umweltbildung - vor allem bei jüngeren Menschen und StudentInnen!

Die Nachfrage an Fort- und Weiterbildungen im Umweltbereich übersteigt vielerorts bei weitem die Nachfrage. Für den seit 15. Januar 1994 an der Hamburger Hochschule für Wirtschaft und Politik laufenden Studiengang "Ökologisch produzieren" meldeten sich z.B. 200 BewerberInnen an - bei nur 25 Ausbildungsplätzen, Kosten von Dm 650,- DM (die nicht vom Arbeitgeber finanziert werden müssen) und obwohl die Weiterbildung nach der Arbeit stattfindet. Zielgruppe sind Berufstätige aus kleinen und mittelständigen Betrieben, die schon im Umweltbereich tätig sind. Ihnen sollen Verfahren, Instrumente und Konzepte für ein effektives Umweltmanagement vermittelt werden. Öko-Bilanzierungen, Betriebsbesichtigungen oder umweltorientierte Gewerkschaftspolitik sowie eine Zukunftswerkstatt stehen auf dem Programm. Kein Thema für ÖkopädagogInnen? Keine Möglichkeit, ganzheitliche Bildungsansätze vor Ort gemeinsam mit fähigen UmweltberaterInnen und GewerkschaftlerInnen zu entwikkeln und anzubieten? Warum nicht sinnliches Naturleben mit einer konstruktiven, kritischen Diskussion über die Risiken der Umwelttechnik verbinden? Warum nicht einfach in jeder Stadt eine Interressensgruppe mit Umwelt-Beratern, -Pädagogen, -Ingenieuren, -Rechtsfachleuten usw. zusammentrommeln und einen Versuch wagen? Ist das nicht allemal besser, als verzweifelt auf eine ABM zu warten, die dann doch nicht kommt, und die (meist) kaum Chancen für eine berufliche Perspektive bietet? ÖkopädNews geht in die Offensive. Wir wollen einen kleinen Anfang wagen und Kontakte, Ideen und Hoffnungen vermitteln, wir wollen Umweltbildung auch (aber nicht: nur) professionalisieren. Wir wollen, daß UmweltpädagogInnen wissen, was sie wert sind. Deshalb bitten wir im eigenen Interesse, die beigelegte Umfrage im Innenteil auszufüllen und einzuschicken. Helfen Sie mit, einen Markt für Umweltbildungsangebote zu schaffen. ökopädNEWS hilft Ihnen, Ihr Angebot am Markt zu plazieren. Den Rest müssen Sie machen.

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